Zitat:
Originally posted by planmatsch Die entsprechen aber dann nur Deiner Definition von zeitgemäßen
Niveau. |
Nein, planmatsch. Die Ziegelbauten entsprechen eigentlich nicht meiner Philosophie von zeitgemäßem Niveau. Aber ich interessiere mich schon dafür.
Diese Bauweise verwendet ein Architekt, der gleichzeitig Bauträger ist, ganz in meiner Nähe.
Er hat in den letzten 30 Jahren so ca. 300 Häuser gebaut. Hat auch schon Niedrigenergiehäuser und Passivhäuser realisiert und war jahrelang einer von der Sorte, denen es nie genug Dämmung sein konnte.
Seit ca. 5 Jahren baut er nur noch monolithisch mit Hochlochzeigel und ohne jegliche Thermofassade. Er hat viel ausprobiert, viele Erkenntnisse gewonnen, viele Mängel erkannt und hat sich davon abgekehrt.
Übrigens noone:
Die Schwachstellen an den Fenstern gibt es auch bei den normalen Thermofassaden. Bei Hochlochziegeln mauert man Anschläge in den Laibungen, dadurch sind die Schwachstellen gegenüber den sonstigen Wänden sehr gering. Das Fenster selbst ist die grössere Schwachstelle.
Genauso ein anderer Bekannter von mir. Ebenfalls Architekt. Er plant und baut mit seinem Büro seit mehr als 10 Jahren Passivhäuser. Also lange vor ENEV 02 und Verlockungen durch die KFW40 + 60-Finanzierungen. Das Büro war ein Vorreiter in Sachen Passivhaus und die Häuser "funktionieren", abgesehen von üblichen Kleinigkeiten, alle, auch heute noch.
Er war immer absoluter Verfechter dieser Art zu bauen. Vor wenigen Wochen habe ich mit ihm länger unterhalten und dabei hat er mir klar gesagt, dass selbst kein Passivhaus besitzen möchte und nicht darin wohnen wolle.
Deswegen ist mir Deine Faszination vom Wärmedämmen nicht unbekannt.
Was ich damit sagen möchte ist: Das ich schon einige Leute erlebt habe, die eine Zeit lang gedacht haben sie hätten mit einer tollen Wärmedämmung das "Ei des Kolumbus" gefunden und ein Allheilmittel für das moderne Wohnhaus gefunden. Einige dieser Leute haben sich aber nach gewonnen Erfahrungen und längerer Praxis dem Thema sehr kritisch gegenüber gestellt und haben sich für eine andere Art des Bauens entschieden. Die Gründe mögen verschieden sein, aber ich möchte nicht dem "blinden" Dämmstoffwahn verfallen, sondern versuche ihn sinnvoll und in Massen einzusetzen.
Ich baue zur Zeit ein KFW-60-Haus, sicher wäre auch KFW-40 oder ein Passivhaus-Standard möglich gewesen, aber um welchen Preis?
Ich denke ein vernünftiger Standard wird so erreicht und ich habe noch ein Haus, welches ich benutzen kann ohne irgendwelche Einschränkungen (disziplinierte Lüftung von Hand/ Benutzung (bloß kein Fenster über Nacht aufstehen lassen), schlechterer Schallschutz durch Styroporfassaden, noch dickere Wände die noch mehr Grundstück fressen, eine brandlastige Fassade, noch weichere Fassaden in die sich jeder Fahrradlenker bohrt, etc.) in Kauf nehmen zu müssen.
Generell KFW-40 zu fordern halte ich für überzogen und für Pauschal-Idealismus, denn zum Komfort gehören bei einem Haus noch andere Dinge, die auch erstmal aus der Bauherrenkasse bezahlt werden müssen.
Schön wenn man einen Wahnsinns-Dämmwert erreicht, aber sich in den ersten Jahren keine Küche mehr leisten kann.
Die zweiten 20 cm Dämmung bringen nie soviel Ertrag, wie die ersten 20 cm. Aber dafür ganz andere Probleme was die Dynamik der Fassade bei thermischen Belastungen und deren Befestigung angeht.
Ich verwende einen mineralischen Dämmstoff mit 0,035 W/(mk) von 20 cm Stärke auf den gemauerten 24 cm Außenwänden, dämme den Keller allseitig mit einer Perimeterdämmung (Styrodur) und erstelle das Dachgeschoss komplett in Holzständerwerk, welches ich mit 22 cm Zellulose ausblase und diffusionsoffen gestalte. Geheizt wird durch eine Erdwärmepumpe über den Fussboden und dazu kommt eine Lüftungsanlage mit einem Gegenstrom-Kanalwärmetauscher und Erdkollektor, der auch das Kühlen im Sommer ermöglicht.
Die Wände werden nicht mit dem üblichen Gipsputz "versiegelt", sondern mit altbekanntem Kalkputz verputzt, der raumfeuchteregulierend wirkt.
Die Fensterflächen sind "optimal" angeordnet um grosse solare Erträge einzufahren und andererseits den Wärmeabfluss gering zu halten.
Trotz einer, in meinen Augen, sehr gut gedämmten Hülle, kann ich noch einen Ofen einbauen und brauche nicht zu fürchten, daß ich mein Gebäude sofort überhitze, wie es bei Passivhäusern schnell der Fall wäre.
Ein deutlich bessere Dämmung würde mir im Jahr vermutlich ca. 50-100 € an Strom sparen, den ich weniger zum Betrieb meiner Wärmepumpe und der Lüftungsanlage bräuchte. Dafür erfreue ich mich im Winter ab und zu an einer lodernden Flamme im Ofen. So what?
Sicher nur ein Beispiel, aber in meinen Augen nach heutigem Stand sinnvoll und noch bezahlbar. Wenn es in 20 Jahren neuere Erkenntnisse gibt, kann ich mein Haus immernoch sanieren lassen.
