Zitat:
Originally posted by noone
Zum Abschluss noch ein Gedanke zu Archimedes Beitrag:
Meine Erfahrung zeigt, dass man Handwerker selbst nicht details lösen lassen kann. Die sind meist ohne jegliches Gespür für Gestaltung und Gesamtbild. Deshalb lernte ich, dass der gesamte Bau nur dann perfekt gelingt, wenn man nichts aus der Hand gibt und von Anfang an erkennt, wo es hakt und wo man Lösungen vorgeben muss. Ich übernahm z.B. im ersten Berufsjahr die gestaltung einer Treppe, und stand Schlossern gegenüber, die von der gewünschten Gestaltung nichts verstanden haben, und jedesmal mich auslachen wollten, als ich denen meine Anweisungen zur Ausführung gab. Die sagten dann auch manchmal, dass sie in den vielen Jahren ihrer Praxis so noch keine Treppe gemacht haben, und als die Treppe dann fertig war und sich zeigte, das alles richtig gemacht wurde, waren sie dann auch zufrieden. |
Klar, diese Art von Situationen zwischen Handwerkern und Architekten gibt es ständig. Da darf man sich nicht ins Boxhorn jagen lassen.
Es geht mir auch nicht darum irgendwas aus der Hand zu geben und die Entscheidungen anderen zu überlassen.
Ich meinte viel mehr, daß man nicht zu früh seine Entscheidungen treffen und festlegen sollte und unumstößlich daran bis zum "bitteren" Ende festzuhalten, weil man durch Änderungen, Vorschläge Dritter oder Kompromisse seinen Stolz als Architekt und Gestalter gekränkt sieht.
Sondern ich denke, daß man bereit sein muß sich auf Gespräche mit Bauherren, Fachplanern und Handwerkern frühzeitig einzulassen und auch im Entwurf bis zum Ende so flexibel sein muß, daß man Änderungen und Verbesserungen zulassen kann, ohne als Architekt ohne Rückgrat dazustehen. Gekränkte Eitelkeiten führen schnell zu unbefriedigenden Ergebnissen.
Ich habe vor einigen Wochen noch einen Vortrag von einem von mir sehr geschätzten Architekten verfolgt, in welchem er ein außergewöhnliches Einfamilienhaus aus Sichtbeton präsentiert hat, welches er vor etwa vier Jahren realisiert hat. Das Wohnhaus war ursprünglich mit zwei Kinderzimmern geplant worden, doch zu Beginn der Bauarbeiten (die baugrube war schon ausgeschachtet) erfuhren die Bauherren, daß sie ein drittes Kind erwarten. So wurde unbedingt ein drittes Kinderzimmer benötigt und der sehr schwierige und skulpturale Entwurf mußte in kürzester Zeit umgebaut werden.
Hätte der Architekt an seinem Urentwurf festgehalten und eine Änderung als Verletzung der Ästhetik gewertet, wäre das Projekt möglicherweise gescheitert. Man muß dazu sagen, daß sich dieser Architekt eine Ablehnung wohl hätte eher erlauben können, wie viele andere der Zunft.
So ist aber daraus ein Haus entstanden, welches man sich, wenn man es heute betrachtet, kaum anders vorstellen könnte.
Keine Spur von faulem Kompromiß oder falsch verstandenem Stolz.