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Nils01
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Nils01: Offline

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Hochschule/AG: Tutor Lehrstuhl Prof. Schenk 03/04

Nils01 is on a distinguished road

Beitrag
Datum: 17.11.2006
Uhrzeit: 01:03
ID: 19818



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In meinem Bekanntenkreis (FH-Absolventen mit mindestens 10 Monaten Praxiserfahrung) werden 2000 Euro als AIP als Referenz angenommen - darüber ists gut, darunter ists schlecht bezahlt. Ich kenne wenige, deren Bezahlung darüber liegt, bei vielen liegt sie, auch dauerhaft, darunter, rund um 1800.

Dazu sind "Wartezeiten" nach dem Studium von einen halben Jahr keine Seltenheit, sondern die Regel. In dieser Zeit zahlen üblicherweise die Eltern, und es wird nebenher in der Bäckerei gejobbt, und "die Mappe gemacht".

In den kleinen Büros, die ich kenne, sind auch die erfahreneren Mitarbeiter seit Jahren ohne Lohnerhöhung, also inflationsbereinig bekommen sie Jahr um Jahr weniger. Bei 5 Jahren Berufserfahrung sind 2400 bis 2600 Euro brutto monatlich üblich, ohne Aussicht auf Erhöhung. Daher steigt auch jede Generation von AIPs unter der alten ein, ohne daß sich deren Lohnniveau gebessert hätte.

Die Zahlen der Architektenkammer Baden-Württemberg aus ihrer Gehaltsumfrage 2004 mit rund 2300 Euro/brutto für AIP halte ich daher schon für überholt, 2000 Euro ist hier im südwestdeutschen Raum meiner Erfahrung nach der realistische Richtwert.

Viele Büros, die bisher mit oft mehreren 6-Monats-Studiums-Praktikanten (600 Euro/Monat) gearbeitet haben, kalkulieren, weil sie damit nicht nur gute Erfahrungen machen, für einen AIP als "festen Ersatz" dessen Wert für ihr Büro bei 2 bis 2,5 Praktikanten, also 1200 bis 1500 Euro brutto.

Zum Vergleich: Elektroingenieure bekommen rund 3000 bis 3800 Euro Einstiegsgehalt, BWL-er sehen die 2800-3000 als "magische Grenze" an. Dabei rechnen sie damit, daß das Gehalt nach 2-3 Jahren signifikant steigt, da sie sich durch ihre Praxiserfahrung in ihrem Wert auf dem Arbeitsmarkt auch deutlich von den Frischabsolvierten unterscheiden.

Ich denke, daß man realistischerweise auf diesem Arbeitsmarkt für 1500 Euro durchaus einsteigen kann, und es auch tun sollte, wenn man die vertragliche Aussicht hat, am Ende der AIP-Zeit bei 2400 Euro rauszukommen.

Darunter würde ich nicht gehen, und mir, je nach Alter, überlegen, ein Berufsakademie-Studium in Elektrotechnik, Maschinenbau oder Informatik dranzuhängen. Wenn man mal Kinder haben möchte, die auch studieren können sollen, ist das sicher die bessere Wahl.

Bitte daran denken: Ein Architekturstudium von 5 Jahren kostet locker 40.000 Euro, die irgendjemand hat aufbringen müssen (Eltern, Bafög, eigene Arbeit). Das würde bei einem Zinssatz von 5% rund 150-200 Euro allein an Kreditzinsen bedeuten, die jeden Monat gezahlt werden müßten, bevor man überhaupt an die Tilgung denken könnte.

Hält man dagegen, was von 1500 Euro brutto, d.h rund 1000 Euro netto, für einen Ledigen noch übrigbleiben, wenn (sparsamster Lebensstil!) Miete+Telefon in einer WG (300 Euro), Nahrung (200 Euro), Kleidung (100 Euro) abgezogen werden, nämlich 500 Euro, dann würde man bei diesem Gehalt (abzüglich der 150 Euro Zinsen) rund 9,5 (!) Jahre brauchen, um diesen Kredit abzubezahlen (kein Auto, keine Rücklagen, keine Urlaube in dieser Zeit!).

Glücklicherweise müssen die wenigsten von uns 40.000 Euro zurückzahlen, denn das haben ja die Eltern oder das Bafög-Amt vorgestreckt, oder die eigene Arbeit während des Studiums zum Teil wieder eingebracht. Andererseits hat ein Bankkaufmann oder Handwerksgeselle in dieser Zeit schon rund 125.000 Euro brutto verdient, seine Lehrzeit nicht mitgerechnet.

Im Umkehrschluss heißt das, daß die Eltern der Absolventen, die ihnen das Studium finanziert haben, indirekt die Büros ihrer Chefs mitfinanzieren!

Man kann diese Rechnung sicher anders aufstellen, noch strenger oder etwas gnädiger, doch man wird immer auf ähnliche Ergebnisse kommen. Ein Architekturstudium lohnt sich derzeit nicht, sondern stellt ohne reiche Eltern in den meisten Fällen eine schwere Hypothek für das ganze Leben dar.

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