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Florian 17.10.2006 16:59

Rossis Idee des Typus
 
Hallo,

ich bin mir gerade nicht ganz sicher, ob ich Aldo Rossis Idee des Typus ganz richtig begriffen habe und wäge die leise Hoffnung, dass es hier jemanden gibt, der dazu etwas sagen kann.

Wenn ich Rossi richtig verstehe, spielt beim Typus der Inhalt keine Rolle, sondern seine Form bzw. Struktur.
So gibt es Bauten, die z.B. früher Paläste waren, aber heute als Büros und Museen genutzt werden.
Ein Typus definiert also ehr die Struktur als den Inhalt: Das Laubenganghaus ist ein antiker Typus, der sich dadurch definiert, dass sämtliche Räume eines Geschosses von einem gemeinsamen Gang erschlossen werden..

Auf der anderen Seite kritisiert Rossi den Funktionalismus, da dort den Typus zum bloßen Schema für die Anordnung wird...

Nun habe ich Problem diese beiden Aussagen zusammenzubringen :confused:

Antworten werden mit Spannung erwartet :D
Grüsse
Florian

Maller 21.10.2006 15:29

Schön. So gehört sich das. Wenn keiner eine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten. Durchaus ein Qualitätsmerkmal für Internetforen. Wäre ja auch Schlimm wenn jeder der grad lust hat seinen Senf dazugeben würde...
Aber zum Glück bin ich ja noch da....

SENF

Wieso kannst du das nicht zusammenbringen?
Vielleicht denke ich wieder einmal etwas einfach gestrickt aber... Für mich sieht das schlicht und einfach danach aus, dass er die die Wahl eines qualitätsvollen "zeitlosen" Typus zum Strukturieren des Raumes befürwortet. Mit wechselnden Funktionen die dem Zeitgeist unterliegen und sich in die Struktur einpassen.

Er lehnt es aber ab bestimmte Funktionen zu erfüllen indem ein Typus gewählt wird der diese Funktion nach einem bestimmten Schema erfüllt. Zum Beispiel ein bestimmter Museumstyp mit einer bestimmten Raumfolge (Garderobe, Postkartenverkauf, Antikensammlung, Postkartenverkauf...) und weißen Wänden , grauem Boden und transluzentem Dach aus Zuckerwatte damit das Licht von oben fällt..
Oder dass man einen bestimmten Großraumbürotyp wählt um die Funktion Büro zu erfüllen. Also ein Typ der auf diese Funktion ausgerichtet ist aber nicht mit dem Raum grundlegend umgeht. Man kann diese Räume nicht mehr interpretieren weil die erfüllten Inhalte zu plakativ hervorgehoben werden. Das Wort "schematisch" deutet ja schon auf etwas "stupides" "einfach gestricktes" hin. Der Mörder bei Derrick trägt Bart und Augenklappe und ermordet die Opfer nach einem einfachen Schema. Er ist kein eigenständiger Charakter der in dem typischen Rahmen , dem typischen Aufbau der Serie agiert , sondern ein Typ der die geforderte Funktion Bösewicht erfüllt. Das lehnt er ab.

Also so könnte ich das interpretieren. Das klingt zwar etwas wie eine Textinterpretation im Deutsch-Leistungkurs, aber ich glaube dieses Vorgehen ist bei Texten von Architekten die in erster Linie Zeichner und nicht Linguisten sind durchaus angebracht.

Oder wolltest du auf etwas anderes hinaus?

Hast du zufällig den Text in diesem Heft http://www.bda-architekten.de/arch/b...rchitekt&ID=27 als Vorlage verwendet? Ich hatte das zu Hause aber offenbar beim Umzug aus Versehen weggeworfen... Wäre wohl interessant das nochmal zu vergleichen.

Florian 23.10.2006 13:23

Nee, ich habe das Leseheft der TU München vom FG für Baukonstruktion "Die Architektur der Stadt" Aldo Rossi gelesen.

Ich finde die ganze Typus Geschichte etwas wirr, aber vielleicht versuche ich da zu sehr Dinge zusammenzubringen, die nicht so zusammengehören.
Also z.B. Permanenztheorie, in der die Nutzung von Gebäude wechselt und die Zuweisung eines Typus zu einer Nutzung:
Laubenganghaus -> Wohntypus
Aber vielleicht differenziert er gerade da: Der Wohnungsbau gehört ja eben nicht zu den permanenten Gebäuden einer Stadt.
Andere Typen würde er dann vielleicht generell als "öffentliche Bauten" Bezeichnen...

Ich finde es aber gut, dass sich zu solchen Themen jemand traut seinen SENF dazuzugeben. Gegen mehr theoretische Diskussionen habe ich nichts. Aber vermutlich ist es schwer mitzudiskutieren, wenn man die Texte nicht gerade gelesen hat...

noone 23.10.2006 13:47

Zitat:

Aber vermutlich ist es schwer mitzudiskutieren, wenn man die Texte nicht gerade gelesen hat...
sehr gut erkannt, und wenn man nicht gerade die Texte studiert, ist es schwierig sich nochmal reinzulesen, da finde ich kaum Zeit dazu.

Deshalb wahrscheinlich "auch" die geringe Beteiligung. Hauptsächlich liegts aber wahrscheinlich daran, daß die Architekturtheorie im Studium einfach zu kurz kommt.....

Tom 23.10.2006 16:09

Original-Zitate würden denen geholfen haben, die nicht alle Primärtexte im Kopf haben ;) ...

Ich habe bei Rossi (und auch Ungers) unter Typus immer eine abstrakte, räumliche Grundstruktur verstanden, die noch vor konkreten Formentscheidungen besteht. Und ich denke/dachte schon, dass ein Typus an einen bestimmten Inhalt gebunden ist, sozusagen die archetypische Grundanlage eines Gebäudes für eine bestimmte Nutzung.

Meint Rossi was anderes? Oder wie oder was? Und was hat das mit der Moderne zu tun? Da war man ja nun bestrebt, eine jeweils optimale und doch wohl auch neue Gebäudestruktur aus der jeweils individuellen Nutzung zu destillieren; man hat doch nicht (mehr) in überzeitlichen Typologien gedacht. Es gab aber wohl schon eine entfernt damit verwandte Diskussion um eine Typisierung und Serialisierung von Architektur im Zusammenhang mit der Rationalisierung des Bauens (Systemhäuser, etc.).


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