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Archimedes
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Datum: 08.09.2021
Uhrzeit: 14:23
ID: 57843



AW: Architektengehälter 2021 #10 (Permalink)
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Nun ja, die Flucht auf das Bauamt steht Jedem offen, der es in der freien Wirtschaft "nicht schafft" oder der gerne am unerschöpflichen Steuertropf hängt.
Leider merken wir als Freies Architekturbüro, dass dort häufig und zunehmend die Kollegen landen, die woanders nicht klar gekommen sind bzw. die auf Dauer keiner beschäftigen wollte oder denen es tatsächlich zu stressig war.
Das sollte man nicht verallgemeinern, aber bei schätzungsweise 75% der Leute die auf Baubehörden, Ämtern und Landesbaubetrieben etc. sitzen ist das mittlerweile so. Viele der alten Hasen, die häufig noch mit Herzblut ihren Amtsjob gemacht haben sind mittlerweile im Ruhestand. Ihnen folgen oft junge, unerfahrene (Teilzeit-)Kräfte, die vor lauter Angst Fehler zu machen oftmals gar nichts bewegen.
Einige der übrigen 25% wechseln sogar wieder nach einigen Jahren zurück in freie Büros, weil sie es im Amt nicht aushalten und schnell als "Netzbeschmutzer" gelten, wenn sie etwas mehr als nötig tun.
Natürlich lockt der öffentliche Dienst mit besten Konditionen, recht kurzen und geregelten Arbeitszeiten, fast unbegrenztem Krankfeiern/Blaumachmöglichkeiten, Altersvorsorge und null persönlichem Risiko oder Jobverlustängsten
Für mich war das trotz guter Kontakte in diese Richtung nie eine Alternative.
Größtes Problem an dieser Situation ist aber mittlerweile die große Bürgerferne und das Bauverhindern, statt Bürgernähe, Hilfe bei und Förderung von Genehmigungen und Baukultur.
Das wiederum macht den Büros das Planen schwer, zieht Prozesse in die Länge, macht Projekte teurer, teils unkalkulierbar und die Planung von Arbeitskräften zunehmend schwieriger, wenn man nicht weiß ob eine Genehmigung in 2 Monaten, 6 Monaten oder 2 Jahren erfolgt. Verlass ist da in seltensten Fällen drauf. Gerade in den letzten 1,5 Jahren mit Corona war dort niemand um eine Ausrede verlegen, obwohl man bestens geschützt im Einzelbüro oder beim Home-Office saß und die Coronaprämie gerne mitgenommen hat. Mir fällt da häufig nur noch der Begriff "Failed State" zu ein.

Ich bedauere, dass einige von Euch in Ihrem Arbeitsleben so schlechte Erfahrungen gemacht haben, dass sie keinen Ausweg mehr sahen und z.B. zum Amt gewechselt sind, die Branche verlassen haben oder langfristig mit dem ganzen System hadern.
Ganz so schwarz-weiß ist es allerdings nicht.
Natürlich gibt es Chefs, die mit Faktor 10 oder sogar 20 ihrer Angestellten netto mehr verdienen. Das gibt's bei Architekten, Bäckern, Autoverkäufern, Fensterputzern etc..quasi in jeder Branche und es steht Jedem frei es selbst zu versuchen.
Es gibt allerdings wesentlich mehr Chefs die vielleicht nur das 1,5 - 3 fache ihrer ähnlich qualifizierten Mitarbeiter netto verdienen und dafür im Jahr doppelt soviele Stunden leisten, seltener in Urlaub fahren und noch das Ganze unternehmerische Risiko und den Ärger mit den Kunden dazu alleine tragen.
Manche Chefs zahlen sogar trotz vieler Arbeit zeitweise drauf und verdienen auch mal weniger als die Angestellten.
Auch hier kann man nicht verallgemeinern.

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