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Datum: 25.11.2004
Uhrzeit: 12:37
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Die energetische Horrorbilanz der Glasfassaden

#1 (Permalink)
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Der Spiegel (Ausgabe 47) berichtet von niederschmetternden Zahlen
beim Energieverbrauch bei Glasfassaden.
Nach einer Untersuchung von Bauphysikern des Darmstädter Instituts
Wohnen und Umwelt ergeben sich folgende Energiewerte:

Zitat Spiegel:
Zitat:
Insgesamt 24 moderne Glasfassadengebäude hat der Ingenieur Werner Eicke-Hennig untersucht und dabei, wie er sagt, "niederschmetternde" Zahlen ermittelt: "Der Primärenergieverbrauch lag zwischen 300 und 700 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m2a). Das ist auf dem Niveau schlechter Altbauten."

...

Bei der Commerzbank, laut Presse ein "Öko-Wolkenkratzer", veranschlagten schon die Planer einen Jahresverbrauch von 520 kWh/m2. Was das Bauwerk de facto an Energie verschlingt, mag die Bank nicht sagen.

...

Bürotürme mit klassischer Steinfassade kommen auf Energiewerte zwischen 100 und 150 kWh/m2a. Ragt das Haus weniger als 20 Meter in die Höhe, kann es natürlich belüftet werden, was den Verbrauch sogar auf 70 bis 90 kWh/m2a senkt. Fazit des Forschers: "Hier wird ein Irrweg beschritten."
Gerade in der heutigen Zeit sollte verstärkt auf die ökologische
Bilanz gesehen werden. Wir alle müssen unseren Beitrag für ein
sorgsames Umgehen mit Energie leisten.
Sinnvoll wäre hier der massive Einsatz klassischer Steinfassaden.

Hier der Artikel des Spiegel:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,327749,00.html

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Beitrag
Datum: 25.11.2004
Uhrzeit: 13:24
ID: 5618



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Interessant. Im Recknagel (die Heiztechnik-Bibel) wird irgendwo erwähnt, dass das Sony Center in Berlin mit seiner Glasfassade angeblich zu einer besseren Energiebilanz kommt, da der Wäremeeintrag der Sonne im Winter höher ist, als der Verlust.

Da müsste man mal den DB Tower und den Kollhoffbau Potsdamer Platz 1 vergleichen. Da hätte man den gleichen Ort, ähnlich Höhe und einmal Loch- und einmal Glasfassade

Grüsse
Florian
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Oliver: Offline

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Beitrag
Datum: 25.11.2004
Uhrzeit: 18:27
ID: 5627



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Danke, Florian für Deine Antwort.
Nun, wenn Herr Dozent Dipl.-Ing. Werner Eicke-Hennig bei 24 modernen
Glasfassadengebäuden immer auf Werte zwischen 300 und 700 kWh/m²a
kommt, muss da schon was dran sein. Herr Eicke-Hennig ist im
übrigen im IMPULS-Programm (Niedrig-Energie-Haus etc.).

Hier ein Artikel des Impulsprogrammes:
Glasarchitektur - Lehren aus einem Großversuch

Hier die Internetseite des Institutes Wohnen und Umwelt
(Forschungseinrichtung des Landes Hessen und der Stadt Darmstadt)
http://www.iwu.de/


Hier seine Gastdozenten-Seite von der FH Mainz
http://www.fh-mainz.de/fr_bauing/stg...ke-henning.htm

Geändert von Daniel (12.12.2004 um 11:21 Uhr).

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Beitrag
Datum: 26.11.2004
Uhrzeit: 14:28
ID: 5634



Re: Die energetische Horrorbilanz der Glasfassaden #4 (Permalink)
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Zitat:
klassische Steinfassaden
Was wird den darunter verstanden? Wirklich klassisches massiv aus Stein oder vielleicht doch eher moderne mehrschichtige Fassadensysteme mit einer mehr oder weniger dünnen Deckschicht aus vorgehängten Steinplatten?
So wie die Begriffe von Dir gewählt sind ("moderne" Glasfassade gegen "klassische" Steinfassade) ruft das hier nur wieder die traditionalistischen Sektierer auf den Plan

Gruss
Sascha

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Beitrag
Datum: 26.11.2004
Uhrzeit: 17:39
ID: 5635



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Ich finde die Bezeichnungen "modern" und "klassisch" auch sehr irreführend.
Danke für den Hinweis ! Wie gesagt, das waren Zitate aus dem Spiegel
und nicht von mir.

Nun, und was der Spiegel mit "klassischer Steinfassade" meint, kann
ich Dir leider nicht sagen. Aber bei den vielen Publikationen des IWU
(Institut Wohnen und Umwelt) ist dies sicher näher aufgeschlüsselt.
Ich selbst bin nur Physikstudent und weiss da auch nicht mehr.

Beste Grüße
Oliver

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Datum: 12.12.2004
Uhrzeit: 01:42
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Zitat:
Originally posted by Florian
Interessant. Im Recknagel (die Heiztechnik-Bibel) wird irgendwo erwähnt, dass das Sony Center in Berlin mit seiner Glasfassade angeblich zu einer besseren Energiebilanz kommt, da der Wäremeeintrag der Sonne im Winter höher ist, als der Verlust.
Das kann gut sein. Es gibt mittlerweile ganz vernünftige Coatings, also Beschichtungen, die einer Glasfassade gewisse Eigenschaften verleiten- Vor einigen Jahren war das nicht möglich. In dem Fall des Winters wird zum Beispiel eine Beschichtung in Lage 3, also auf der Innenseite der inneren Scheibe angebracht, die Energieverluste nach Außen stark reduziert.

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Datum: 12.12.2004
Uhrzeit: 11:56
ID: 5955



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Hallo Oliver,

es war eigentlich überfällig, daß dieses Thema offen diskutiert wird - und nicht nur auf tektorum.de. Schade eigentlich, daß erst ein Physiker nötig war, um das anzuschneiden. Vielen Dank!
Zitat:
Sinnvoll wäre hier der massive Einsatz klassischer Steinfassaden.
Wenn das ein Zitat ist, dann bitte auch als solches kennzeichnen Ich konnte weder diesen Satz noch irgendeine Empfehlung von "Steinfassaden" in diesem Spiegel-online-Artikel finden. Aber egal.

Die Erkenntnis
Zitat:
Bürotürme mit klassischer Steinfassade kommen auf Energiewerte zwischen 100 und 150 kWh/m2a.
läßt sich vermutlich auf die meisten bauphysikalisch aktuellen Lochfassaden übertragen. Dahinter steckt m.E. die Erfahrung, daß der Wärmeeintrag bei Ganzglasfassaden im Sommer zu hohen Kühllasten führt, während der Glasanteil bei Lochfassaden (natürlich nicht notwendigerweise) ein vernünftigeres Maß bezüglich Tageslichteinfall, solare Gewinne und Wärmeverlusten darstellt. Insofern würde ich zum Wohle dieser Diskussion möglichst schnell vom umscharfen Begriff der "Steinfassade" wegkommen und zum Begriff der "Lochfassade" übergehen. Damit wären wir unabhängig von der Konstruktion/dem Wandaufbau.

Also: Es mag sein, daß Bürotürme - wie der der Commerzbank - im Winter weniger Heizenergie verbrauchen als solche mit Lochfassade. Im Sommer dreht sich der Spieß aber um, weil der solare Wärmeeintrag um ein Vielfaches über dem Bedarf liegt und deshalb mit viel elektrischer Energie (Primärenergiefaktor 3!) per Klimaanlage wieder aus dem Gebäude geschafft werden muß. Diese Kühllasten im Sommer machen den kleinen Vorteil aus dem Winter zunichte und ziehen die Bilanz sogar weit in's Minus.

Ich bin keineswegs ein Verfechter der Lochfassade. Ich will lediglich dafür plädieren, technische und gestalterische Lösungen nicht nach modischen Kriterien zu entscheiden, sondern sie aus guten Gründen zu entwickeln. Wenn dabei eine Glasfassade herauskommt, dann finde ich das ok - sofern diese Entscheidung bewußt trotz großer energetischer Nachteile getroffen wurde.
Zitat:
Ich selbst bin nur Physikstudent
Was heißt hier "nur"? Ich finde es klasse! Wir brauchen Leute, die sich für andere Disziplinen interessieren - das kann auch der Architektur nur gut tun. Ich würde mich freuen, Dich hier noch öfter zu sehen

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Tobias: Offline

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Beitrag
Datum: 12.12.2004
Uhrzeit: 14:13
ID: 5962



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Zitat:
Originally posted by Oliver

Ich selbst bin nur Physikstudent und weiss da auch nicht mehr.
Unser Bauphysik-Professor hat auch Physik und nicht BI oder A studiert ... was das aktuelle Thema angeht, spielt es somit also keine Rolle, ob du Physik- oder Architekturstudent bist ... Das Thema behandelt eine Schnittmenge beider Fachbereiche!

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Oliver: Offline

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Oliver is on a distinguished road

Beitrag
Datum: 27.02.2005
Uhrzeit: 22:55
ID: 7280



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Hier ein aktueller Artikel der "Zeit" zum Thema Energieverbrauch
bei Hochhäusern.

http://www.zeit.de/2005/09/T-Hochhaus?1

Bis 2006 (Einführung der Energieeffizienzordnung) wird die
"Commerzbank" und andere Energieverschwender sich wohl
Gedanken über eine Veringerung ihres Energieverbrauches
machen müssen.

Interessant wird dieses hier:

Zitat:
In öffentlichen Gebäuden müssen Soll- und aktuelle Istwerte des Energieverbrauchs von 2006 an »gut sichtbar« ausgehängt werden, für alle anderen Gebäude ist ein »Energiebedarfspass« zu erstellen und bei Verkauf oder Vermietung vorzulegen.

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Datum: 28.02.2005
Uhrzeit: 18:59
ID: 7298



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Ist ein spannender Artikel auf den Oliver hinweist! Danke dafür.

Da darf man mal abwarten, wie das Öffentliche Bekanntmachen
der Energieverbräuche von öffentlichen Gebäuden die Diskussion
einheizt.

Eine Vorschrift zur Begrenzung der Energieverbräuche von Büro-
häusern ist schon lange überfällig und äußerst wünschenswert.
Ich glaube in Zürich gibts es bereits Beschränkungen und spezielle
Regeln was den Energieverbrauch derartiger Gebäude angeht.

Weiß jemand genaueres darüber?


Gruß

Jochen

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