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-   -   „Lehre vor Studium – Sinn oder Unsinn“ (https://www.tektorum.de/studium-ausbildung/3197-lehre-studium-sinn-unsinn.html)

Archimedes 25.11.2006 11:11

„Lehre vor Studium – Sinn oder Unsinn“
 
Darum kann ich (Architekten) eine (Bauzeichner-)Lehre empfehlen:



Für alle die später eingeschaltet haben oder diesen Beitrag äußerst merkwürdig finden, empfiehlt sich ein Blick in diesen Thread:


Architektur studieren, aber wo?


Dieser Beitrag soll eine Fortsetzung dazu sein, da es in dem oben genannten Thread ursprünglich um etwas anderes gegangen ist.



Zitat:

Originally posted by Florian
Kannst Du mir mal ein paar Beispiele nennen, in denen Du durch Deine Bauzeichnerausbildung anderen gegenüber im Berufsleben einen Vorteil gehabt hast? Also etwas wusstest, das andere nicht spätestens im Studium gelernt haben?

Also Florian hier kommt jetzt, wie versprochen, der ausführliche Nachtrag zum Thema „Lehre vor Studium – Sinn oder Unsinn“:




Vorwort:


Vielleicht kann ich an dieser Stelle doch mit dem einen oder anderen Vorurteil aufräumen und bestehende Unklarheiten beseitigen.

Grundsätzlich möchte ich vorweg sagen, dass die folgende Beschreibung auf meinen persönlichen Erfahrungen basiert und diese bei dem ein oder anderen mit ähnlichem Lebenswandel auch ganz ausgesehen haben mögen.
Es geht dabei nicht darum in irgendeiner Weise Architekten mit oder ohne Lehre zu bewerten.

Beim Thema Lehre spielen die Faktoren Lehrstelle, Chef, Umfeld, Kollegen, Berufschule, Vorkenntnisse, Talent, Zeit und Dauer der Lehre, sowie persönliche Motivation eine wichtige Rolle. Da diese Dinge bei jedem unterschiedlichen Einfluss nehmen, kann man nur begrenzt von der eigenen Lehre auf die anderer schließen.

Ich bin heute davon überzeugt, dass ich drei sehr gute Lehrjahre in einem engagierten Architekturbüro verbracht habe. Dieses kann ich wirklich erst nach einigen Jahren (ich habe meine Lehre vor 12 Jahren abgeschlossen) und besonders nach abgeschlossenem Studium rückblickend beurteilen, weil ich zum damaligen Zeitpunkt noch relativ jung gewesen bin und den Stellenwert dieser Lehre für mich im späteren Leben/Beruf nicht richtig einschätzen konnte. Natürlich hatte man manchmal Ärger mit dem Chef oder dem zuständigen Ausbilder, hat den nächsten Arbeitstag verflucht oder einfach Mist gebaut. Aber mit mehreren Jahren Abstand verblassen die „kleinen“ Alltagsprobleme und die positiven Lehren (die Prägung) daraus bleiben erhalten.

Ich werde mich bemühen im weiteren Text möglichst objektiv zu bleiben.
Ich versuche die Fakten auch in soweit zu filtern, als das ich hier wirklich die Dinge, die mir die Bauzeichnerlehre gebracht hat, von Dingen trenne, die ich durch weitere Berufserfahrungen oder das Studium zu einem anderem Zeitpunkt gelernt habe.

So jetzt zur eigentlichen Sache, wollte das nur erwähnt haben, damit man mir keinen Strick aus manchen Aussagen dreht.




Zur Bauzeichnerlehre:


Zum Bauzeichner kann man in ganz verschiedenen Betrieben und Planungsbüros ausgebildet werden. Zum klassischen Hochbauzeichner wird man normalerweise in Architekturbüros oder in größeren Baufirmen ausgebildet. Den Beruf kann man allerdings auch bei Behörden, kirchlichen Institutionen und Unternehmen wie z.B. der Deutschen Bahn erlernen. Neben dem Hochbaubereich, gibt es ähnlich wie im Bauingenieurstudium, die Fachrichtungen Tief-, Straßen-, Wasserbau und Tragwerksplanung. In meiner Bauzeichnerklasse waren damals die Hochbauer in Architekturbüros klar in der Mehrheit. Der Berufschulunterricht war jedoch für alle gleich und fand an 2 – 3 Tagen pro Woche (je nach Lehrjahr) morgens und nachmittags statt. In den Schulferien müssen Auszubildende dann 5 Tage im Betrieb/Büro arbeiten, denn sie haben lediglich 25-28 Tage Urlaub pro Jahr.
Bauzeichner sind nicht mit Technischen Zeichnern zu verwechseln, welche man z.B. in Stahlbau- oder Maschinenbauunternehmen antrifft und eine andere Ausbildung genießen.

Die Ausbildung eines Bauzeichners im Büro wird durch einen Ausbilder betreut, welcher im Ausbildungsvertrag genannt werden muss. Dabei sollte es sich um einen erfahrenen Mitarbeiter handeln, der Architekt, Bautechniker oder Bauzeichner ist und nach Möglichkeit selbst eine solche Lehre absolviert hat und damit die Anforderungen und Aufgaben einschätzen kann, sowie gewisse Führungsqualitäten oder pädagogische Fähigkeiten besitzt.

Die Versuche einen Architekten mit einem Bauzeichner zu vergleichen hinken immer, weil es zwei unterschiedliche Berufe mit verschiedenen Schwerpunkten im selben Fach sind, die unzählige Berührungspunkte haben.
Trotz gewisser Ähnlichkeiten der beiden Berufe kann man sie nicht einfach gleichsetzen, genauso wie man einen Arzt kaum mit einem Krankenpfleger oder einen Maschinenbauingenieur nicht mit einem KFZ-Mechaniker vergleichen kann.

Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass ein Bauzeichner Fähigkeiten und Kenntnisse besitzen kann, die einem Architekten unter Umständen fehlen und nie gelehrt worden sind.

Wenn man die normale Ausbildungszeit (in Stunden) eines Bauzeichners von 3 Jahren mit dem Architekturstudium vergleicht, so wird man feststellen, dass die Zeit in welcher der Lehrling sich mit fachbezogenem Lernen und Arbeiten beschäftigt etwa 7-8 Studiensemestern einschl. Projektarbeiten entspricht. Denn während der Lehrzeit gibt es keine langen Semesterferien und kaum Zeit für Nebenjobs. Hausaufgaben muss man in der Ausbildung ebenfalls am Wochenende oder nach Feierabend machen. Deswegen ist es nicht vorstellbar, dass manche Studenten glauben, sie würden in 3-4 Semestern Grundstudium oder in 3-4 Monaten Praktikum eine ganze Bauzeichnerlehre wettmachen können. Zumal in der Bauzeichnerausbildung der Entwurf/die Entwurfslehre normalerweise keine Rolle spielt, im Architekturstudium aber den Großteil ausmacht und so weniger Zeit bleibt sich der Vertiefung der anderen Fächern so eingehend zu widmen, wie das in einer Ausbildung der Fall ist. Man kann es wohl eher so sehen, dass im Studium viele Dinge, die in der Bauzeichnerausbildung eine Rolle spielen, einfach nicht gefragt werden oder erwünscht sind. Nach Beendigung des Studiums bzw. im Beruf als Architekt erlangen die in der Lehre erworbenen Kenntnisse aber durchaus wieder ihren Stellenwert.

Auch ein Praktikum im Architekturbüro kann man eher schlecht mit einer Bauzeichnerausbildung gleichsetzen, da die Voraussetzungen und Zielsetzungen hier anders liegen.
Gerade bei kurzen Praktika von wenigen Monaten wird man kaum Gelegenheit haben sich ins Büroteam zu integrieren und voll und adäquat mit Aufgaben belastet zu werden.
Bei einer Lehre kann man langsam aufgebaut und an die Aufgaben nach und nach herangeführt werden. Da es bei einer Lehre einen geregelten Lehrplan mit festgelegten Prüfungen gibt, kann man davon ausgehen, dass eine Lehre insgesamt ernsthafter von Seiten des Arbeitgebers und des Auszubildenden verfolgt wird.
Natürlich gibt es auch genügend Beispiele von Auszubildenden, die während ihrer Lehrzeit permanent zum Kaffeekochen und Kopieren „missbraucht“ worden sind und zumindest im Büro kaum ausgebildet wurden.

Eine, in meinen Augen, weniger entscheidende Rolle spielt hingegen die Art und Zusammensetzung des Bildungsweges (1. oder 2. Bildungsweg) in welchen eine Lehre einfließt. Gemessen an dem Fachwissen was man aus Lehre und Studium gewinnt, spielt das allgemeine Abitur oder das fachspezifische Abitur eine vergleichsweise geringe Rolle. Diesen Eindruck konnte ich jedenfalls während meiner Lehre und dem Studium, durch Personen mit ganz unterschiedlichen Werdegängen, gewinnen.

Nun sollte ich noch einige Dinge aufzählen, die gut ausgebildete Bauzeichner Architekturstudenten und Absolventen ohne Lehre voraushaben. Wobei die genannten Punkte nur meinen persönlichen Erfahrungen entsprechen, sich aber durchaus schon häufig bei Beobachtungen und Gesprächen während und nach meinem Studium bestätigt haben.



Hier also die „Vorteile“ durch (Bauzeichner-)Ausbildung in wilder Abfolge und ohne Anspruch auf Vollständigkeit:


- die soziale Komponente, die ich schon in anderen Beiträgen erwähnt habe, möchte ich nicht unnötig breitwalzen. Dennoch fördert die Lehre auch die Sensibilität für alltägliche Dinge und man erfährt frühzeitig was Pünktlichkeit, Verpflichtungen, Verantwortung, Respekt und eigenes Einkommen bedeuten.


- der Umgang und die Kommunikation mit Handwerkern und Kunden:
man lernt die rauhe Sprache auf dem Bau und das respektvolle Behandeln von Kunden, entwickelt ein Gespür dafür, wann man beharrlich seinen Standpunkt verteidigen sollte und wann man besser dem Anderen Recht gibt


- gute Handwerker/schlechte Handwerker: durch den täglichen Kontakt über eine längere Zeit mit verschiedenen Firmen und Handwerken erhält man ein Bild von diesen Unternehmen. Da man vom Anfang (Abgabe eines Angebotes) bis zum Schluss (Abnahme und Schlussrechnung) mit ihnen zu tun hat, bekommt man einen Eindruck für unterschiedliche Herangehensweisen, Qualität und Abwicklung. Handwerker mit welchen man schlechte Erfahrungen gesammelt hat, werden zukünftig nicht mehr berücksichtigt. Zu Handwerkern, mit welchen man gute Erfahrungen gemacht hat, baut sich teils ein „vertrautes“ Verhältnis auf. So kann ich heute, bei Problemen oder Fragen, verschiedene (gute) Fachleute anrufen und um Rat fragen.


- Büroorganisation/Management: Man lernt die Strukturen in einem Architekturbüro ausführlich kennen. Wie organisiert man am Besten kleine, mittlere und große Projekte in Ordnern, den Schriftverkehr, die Ausschreibungen, Abrechnungen, Pläne etc. Wie organisiert man Prospekte und Produktinformationen, so dass man auf Anhieb findet was man sucht. Archivierung von Projekten. Organisation ausgehende/Eingehende Post. Plan- und Verteilerlisten….


- Bauprodukte/Baustoffe: Man erfährt welche Produkte und Hersteller sich für welchen Zweck eignen. Mit welchen Produkten in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht wurden und welche weniger gut sind. Man sieht deren Anwendung und versteht die Zusammenhänge zwischen Ausführung und Planung, so dass man auch Arbeitsschritte besser planen kann


- funktionierende Details: Ich habe mir in meiner Lehrzeit einen Ordner angelegt, in welchem dutzende Standarddetails im Maßstab 1/1-1/20 abgelegt sind, welche ich damals im Büro alle selber zeichnen musste. Auf diese Details greife ich teilweise noch heute zurück, weil es Details sind die funktionieren und sich bewährt haben. Im Gegensatz zu manchen Details im Studium, die man aus Büchern oder Vorlagen übernommen hat, aber nicht weiß, wie und ob sie funktionieren und deren Ausführung noch nie live gesehen hat.


- Rechnungsprüfung und Rechtfertigung: Im 3. Lehrjahr durfte ich selbständig Massenberechnungen, Schluss- und Abschlagsrechnungen (nach VOB) prüfen. Man lernt das Abgleichen mit der Ausschreibung und der tatsächlich ausgeführten Leistung. Entwickelt ein Gespür für versteckte (absichtliche oder unabsichtliche) Fehler in den Unterlagen und muss später dem Unternehmen Rede und Antwort, bei Korrekturen oder Kürzungen, stehen.
So hatte ich einem Garten- und Landschaftsbauunternehmen bei einem etwas größeren Projekt die Schlussrechnung von ca. 120.000 DM auf ca. 90.000 DM gekürzt, nachdem ich alle Massen nachgeprüft und Fehler in der Abrechnung aufgedeckt hatte. Der Chef des Unternehmens war außer sich und stürmte in unserem Büro auf mich zu und brüllte, dass er sich das von einem Auszubildenden nicht bieten lassen würde. Nachdem wir die gesamte Abrechnung zusammen mit meinem Chef durchgegangen waren, ist er kleinlaut abgezogen.


- Technisches Bauzeichnen mit Tusche und Reißschiene (nach DIN-Normen):
Zu meiner Lehrzeit hatte das CAD erst in wenigen Büros Einzug gehalten, so dass ich in den Genuss einer klassischen Zeichenausbildung mit diversen Tuschefüllern, der Reißschiene und anderen Utensilien gekommen bin. Der 286er PC in unserem Büro wurde lediglich für Schriftverkehr und das Erstellen von Ausschreibungen benutzt. Mit CAD hatte ich erstmals im Grundstudium Berührung. Die ersten Wochen meiner Ausbildung verbrachte ich also mit relativ stumpfsinnigen Zeichen- und Normschriftübungen. Vorteilhaft war dabei, dass ich in der Schule bereits zwei Jahre das Wahlpflichtfach „Technisches Zeichnen“ belegt hatte. Jedenfalls lernte ich von der Pike auf das handwerkliche Zeichnen und durch eine längere Mitarbeit entwickelt man dabei auch ein ganz ordentliches Tempo. Diese Fähigkeiten nutze ich auch heute noch, wenn es darum geht in kurzer Zeit ein maßstäbliches Detail zu Papier zu bringen oder von Hand ein Grundkonzept für einen Entwurf anzufertigen.


- Grundkenntnisse im Tief- und Straßenbau durch gemeinsamen Unterricht mit Bauzeichner aus anderen Fachrichtungen:
Diese Kenntnisse sind heute von Vorteil, wenn es um Gründungen, befestigte Außenanlagen, Kanalisation oder das Anlegen und Planen von Wohnstraßen, Zufahrten oder Parkplätzen geht.


- Ausführungsplanung


- Einblicke in die Bauleitung durch das Begleiten zur Baustelle


- das zeichnerisch (und rechnerisch) richtige Verziehen von verschiedenartig gewendelten Treppen


- die Zusammensetzung und Präparation von Bauanträgen, Bauvoranfragen und anderen behördlichen Dokumenten


- die Zusammensetzung und Präparation von Ausschreibungen


- Behördengänge: durch Ortstermine und Telefonate lernte man die zuständigen Personen und Hierarchien in Behörden kennen


- verformungsgerechte Aufmass und das zeichnerische Auftragen von bestehenden Gebäuden


- der fachgerechte Umgang mit Lichtpausmaschine und Großkopierer


- und, und, und……….




Nicht zu verschweigen die „Nachteile“ von Architekturstudenten mit (Bauzeichner-)Ausbildung aus meiner Sicht:


- der größte Nachteil einer (Bauzeichner-)Lehre ist die Tatsache, dass man nicht unbelastet ins Studium geht. Durch die weit reichenden Kenntnisse aus der Lehre hinterfragt man zu viele Dinge und geht gerne zu schnell ins Detail. Diese Eigenschaft macht vielen Leuten mit Ausbildung das freie Entwerfen und „Rumspinnen“ sehr schwer. Ich habe mehrere Semester gebraucht um mich von manchen Zwängen und technischen Hintergründen zu lösen und freier an Aufgaben heranzugehen. Erst im fortgeschrittenen Hauptstudium ist es mir gelungen wirtschaftliche und baukonstruktive Zwänge stärker, zu Gunsten eines ungezwungenen Entwurfes, bei Seite zu schieben.

- eine weitere Gefahr der Ausbildung könnte darin bestehen, dass man sich zu Beginn des Studiums unterfordert fühlt und dann den rechtzeitigen Anschluss an neuen Lernstoff verpasst.




Nachwort:


Ich habe meine Lehre damals in einem kleinen Architekturbüro absolviert, welches neben mir nur aus 2 Personen, dem Büroinhaber (Architekt FH mit damals ca. 30 Jahren Berufserfahrung und vorausgegangener Ausbildung zum Steinmetz) und meinem Ausbilder (einem staatl. geprüften Bautechniker, mit Bauzeichnerausbildung und ca. 20 Jahren Berufserfahrung), bestanden hat. Diese Ausbildungsstelle habe ich mir damals nicht selbst ausgesucht, sondern mir von meinem Vater empfehlen lassen, da ich mit 16 Jahren dahingehend keine Erfahrungswerte und Kenntnisse hatte. Immerhin hat die Tochter meines damaligen Chefs bereits zu dieser Zeit mehrere Jahre als Architektin und Projektleiterin bei J. Nouvel in Paris gearbeitet. Sie hatte sich, soweit es mir bekannt ist, einige Jahre vor mir für eine verkürzte Lehre entschieden und wohl einiges von ihrem Vater mit auf den Weg bekommen.
Trotz Mindestlohn (400 DM im 1. Lehrjahr) und strenger Führung war es rückblickend für mich die beste Vorbereitung auf meinen heutigen Beruf, die ich mir vorstellen kann.

Deshalb meine persönliche Empfehlung: Bauzeichnerlehre vor dem Architekturstudium, aber nach Möglichkeit in einem übersichtlichen Büro bei guter Betreuung.





Hier noch ein paar Daten zur Bauzeichnerausbildung heute:


von der IHK Rheinhessen


Wer nun möchte, kann sich gerne einzelne Passagen aus meinem Text herauspflücken und Kritik üben, dennoch hoffe ich, dass ich das Thema weitestgehend sachlich und verständlich behandeln konnte.



Euer Archimedes

mika 25.11.2006 13:59

Sehr schön.
Ich habe eine Ausbildung als Zimmerer gemacht und habe gerade mein Diplom hinter mich gebracht.
Nur für den Fall, dass eine Ausbildung im Hochbau vor dem Architekturstudium in Erwägung gezogen werden sollte, kann ich folgendes sagen:
Mit einer handwerklichen Ausbildung wie Zimmerer, Maurer, Betonbauer, Gerüstbauer, usw. bekommt man leider keine Einblicke in Büroabläufe. Man weiß weder etwas über Ausschreibungen noch über Korrespondenzen oder Bauvorlagen. Das einzige, was man anderen Architekturstudenten vorraus hat, ist das Verständis für Konstruktion. Man versteht besser, was wozu bestimmt ist, welche Kräfte wie verlaufen. Und man hat ein besseres Gespür für Details. Das betrifft vor allem die Zusammensetzung bzw. das Zusammensetzen der Bauteile eines Details.
Das birgt aber, wie Archimedes sehr schön beschrieben hat, zunächst Probleme beim freien Entwerfen. Es fehlt die "Leichtigkeit des Seins" im Entwurf und in den Darstellungen. Man denkt immer zuerst an das "wie wird das hergestellt", während es bei den meisten "unbelasteten" Studenten eher um das "wie soll das aussehen" geht.

Ich möchte meine Lehre nicht missen. Auch wenn ich das zurückblickend ebenfalls etwas verklärt sehen mag.
Wer keine Lehre oder so wie ich eine Lehre im Hochbau hat, sollte meiner Meinung nach unbedingt vor dem Diplom oder Bachelor/Master in einem Büro arbeiten. Denn nur so kann man das o.g. Wissen über die Büroabläufe erlangen, das von einem nach dem Abschluss erwartet wird. Ein normales Büropraktikum von 3 Monaten bringt das nicht.
(Mit abgeschlossener Ausbildung braucht man übrigens formal nicht mal das machen.)

Florian 25.11.2006 15:33

Zitat:

Wer nun möchte, kann sich gerne einzelne Passagen aus meinem Text herauspflücken und Kritik üben...
Na, dann :D

Zitat:

Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass ein Bauzeichner Fähigkeiten und Kenntnisse besitzen kann, die einem Architekten unter Umständen fehlen und nie gelehrt worden sind.
Letztlich arbeite ein Bauzeichner aber immer unter der Anweisung eines Architekten, der somit wissen muss, wie das Ergebnis aussehen soll und eigentlich auch immer den Weg dorthin kennt.


Zitat:

fachbezogenem Lernen und Arbeiten beschäftigt etwa 7-8 Studiensemestern einschl. Projektarbeiten entspricht. Denn während der Lehrzeit gibt es keine langen Semesterferien und kaum Zeit für Nebenjobs. [...] dass manche Studenten glauben, sie würden in 3-4 Semestern Grundstudium oder in 3-4 Monaten Praktikum eine ganze Bauzeichnerlehre wettmachen können.
Das ist aber stark beschönigt. Der Bauzeichner zeichnet (o.ä.) zu 90% seiner Zeit im Büro. D.h. viel Zeit wird in das Abarbeiten und nicht in Lernen investiert.
Wenn man natürlich Verfechter der Methode des Wiederholens ist und einen Schüler mit einem Wort ein DIN A4 Papier füllen lässt, damit er es endlich richtig schreibt...
Kein Student wird im Studium alles lernen, was ein Bauzeichner in der Lehre gelernt hat, aber auch kein Architekt benötigt das ganze angelernte Standardwissen. Als Architekt muss man sich am Ende doch immer wieder zu jeder neuen Aufgabe projektrelevantes Wissen anlesen. Das gehört übrigens auch zu einem wesentlichen Teil eines Studiums: Lernen, wie man sich schnell nötiges wissen beschafft - nicht nur Wissen alleine.


Zitat:

Auch ein Praktikum im Architekturbüro kann man eher schlecht mit einer Bauzeichnerausbildung gleichsetzen, da die Voraussetzungen und Zielsetzungen hier anders liegen.
Gerade bei kurzen Praktika von wenigen Monaten wird man kaum Gelegenheit haben sich ins Büroteam zu integrieren und voll und adäquat mit Aufgaben belastet zu werden.
Bei drei Monaten wird das Stimmen, aber bereits bei sechs Monaten ist das anders.
Als Praktikant oder studentischer Mitarbeiter bekommt man vorallem noch ganz andere Aufgaben zugewiesen. Ich glaube nicht, dass ein BZ (in der Lehre) sich mit Herstellern zusammensetzt und Details ausarbeitet.
Und die Integration eines Lehrlings ist auch nicht immer ganz einfach, da er 2 Tage in der Woche fehlt. Damit kann man ihm auch gar keine Eigenständigen aufgaben zuweisen.


Zitat:

- der Umgang und die Kommunikation mit Handwerkern und Kunden:
man lernt die rauhe Sprache auf dem Bau und das respektvolle Behandeln von Kunden, entwickelt ein Gespür dafür, wann man beharrlich seinen Standpunkt verteidigen sollte und wann man besser dem Anderen Recht gibt
Das trifft aber wohl nur für eine handwerkliche Lehre zu und entspricht meiner Argumentation für eben diese.



Zitat:

- Büroorganisation/Management: Man lernt die Strukturen in einem Architekturbüro ausführlich kennen. Wie organisiert man am Besten kleine, mittlere und große Projekte in Ordnern, den Schriftverkehr, die Ausschreibungen, Abrechnungen, Pläne etc. Wie organisiert man Prospekte und Produktinformationen, so dass man auf Anhieb findet was man sucht. Archivierung von Projekten. Organisation ausgehende/Eingehende Post. Plan- und Verteilerlisten….
Also ich habe dafür keine Ausbildung gebraucht... allerdings brauchte unser BZ (der zu diesem Zeitpunkt bereits ca. 1 Jahr im Büro war) dafür des häufigeren mich.
Aber vielleicht bin ich auch einfach ein Naturtalent in Sachen Organisation :cool: :D

Zitat:

- Bauprodukte/Baustoffe: Man erfährt welche Produkte und Hersteller sich für welchen Zweck eignen. Mit welchen Produkten in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht wurden und welche weniger gut sind. Man sieht deren Anwendung und versteht die Zusammenhänge zwischen Ausführung und Planung, so dass man auch Arbeitsschritte besser planen kann
Die Sachen lernt man aber auch als studentischer Mitarbeiter - und versteht sie wesentlich besser, da das physikalische und chemische Grundwissen hoffentlich in der Uni gelehrt wurde.

Ich sehe in Deiner Beschreibung einige Dinge, die vermutlich tatsächlich ganz gut bereits in Deiner BZ Ausbildung erlernt hast, stelle aber fest, dass jemand der 2 Jahre als studentischer Mitarbeiter in der Ausführungsplanung weit verantwortungsvollere Aufgaben bekommt, näher am Beruf des Architekten ist (BZ werden eh kaum noch in Büros eingesetzt.), nach einiger Zeit auch wie jeder angestellte Architekt behandelt wird und am Anfang des Architekturstudiums nicht vorbelastet ist und verkrampft an die Entwürfe geht.

Ich stelle jetzt mal eine Frage, auf die die Antwort meiner Meinung nach eindeutig ist:
Zwei eineiige Zwillinge die eigentlich gleich gestrickt sind gehen nach dem Abitur zwei unterschiedliche Wege.

Der eine macht eine BZ Lehre (4) Semester und studiert danach Architektur (10) Semester.
Der andere studiert gleich und braucht 14 Semester, arbeitet dabei aber irgendwann nach dem Grundstudium 4 Semester lang (z.T. Vollzeit) im Architekturbüro in der Ausführungsplanung und bei Wettbewerben.

Beide bewerben sich nach dem Studium (also mit ca. 27 Jahren) im gleichen Büro. Der eine kann angeben, dass er eine abgeschlossene Lehre und ein Diplom hat, der andere, dass er ein Diplom und 2 Jahre Berufserfahrung hat.

Wer ist geeigneter für die Aufgaben eines Architekten?

Archimedes 25.11.2006 17:49

Zitat:

Originally posted by Florian

Ich stelle jetzt mal eine Frage, auf die die Antwort meiner Meinung nach eindeutig ist:
Zwei eineiige Zwillinge die eigentlich gleich gestrickt sind gehen nach dem Abitur zwei unterschiedliche Wege.

Der eine macht eine BZ Lehre (4) Semester und studiert danach Architektur (10) Semester.
Der andere studiert gleich und braucht 14 Semester, arbeitet dabei aber irgendwann nach dem Grundstudium 4 Semester lang (z.T. Vollzeit) im Architekturbüro in der Ausführungsplanung und bei Wettbewerben.

Beide bewerben sich nach dem Studium (also mit ca. 27 Jahren) im gleichen Büro. Der eine kann angeben, dass er eine abgeschlossene Lehre und ein Diplom hat, der andere, dass er ein Diplom und 2 Jahre Berufserfahrung hat.

Wer ist geeigneter für die Aufgaben eines Architekten?

Provokante Frage:

:D :D :D

Erstens hängt es vom Individuum und dem persönlichen Geschick ab (auch bei eineiigen Zwillingen).

Zweitens ist die Frage, ob der Zwilling der sofort studiert hat überhaupt schon Gelegenheit hatte zwei volle Jahre Berufserfahrung zu sammeln, weil er eventuell wegen mangelnder Erfahrung nach dem Studium gar nicht eingestellt worden ist.

Drittens kann man diese Rechnung auch anders aufmachen, denn der Zwilling mit Ausbildung braucht kein allgemeines Abitur, sondern kann auch ein Fachabitur machen und ist so zeitgleich (oder spätestens ein Jahr später) mit seinem Bruder/seiner Schwester fertig.

So, wer bekommt jetzt die Stelle???




Zitat:

Originally posted by Florian
Na, dann :D

Letztlich arbeite ein Bauzeichner aber immer unter der Anweisung eines Architekten, der somit wissen muss, wie das Ergebnis aussehen soll und eigentlich auch immer den Weg dorthin kennt.

So sollte es jedenfalls sein. Es gibt aber auch Büros in denen der Architekt dumm dastehen würde, wenn ihm im Hintergrund kein Bauzeichner/Bautechniker den Rücken frei hält und die Organisation übernimmt.
Ist aber bei gmp bestimmt nicht so.



Zitat:

Originally posted by Florian

Das ist aber stark beschönigt. Der Bauzeichner zeichnet (o.ä.) zu 90% seiner Zeit im Büro. D.h. viel Zeit wird in das Abarbeiten und nicht in Lernen investiert.
Wenn man natürlich Verfechter der Methode des Wiederholens ist und einen Schüler mit einem Wort ein DIN A4 Papier füllen lässt, damit er es endlich richtig schreibt...

Im Studium wird doch auch viel abgearbeitet. Entwürfe werden als Fleißarbeit durchgezogen, weil die Scheine zum Diplom vorliegen müssen. Oft wird nur für Klausuren ins Kurzzeitgedächnis gepaukt und 3 Monate später weiß keiner mehr worum es eigentlich ging.




Zitat:

Originally posted by Florian

Und die Integration eines Lehrlings ist auch nicht immer ganz einfach, da er 2 Tage in der Woche fehlt. Damit kann man ihm auch gar keine Eigenständigen aufgaben zuweisen.

Ausführungsplanungen laufen über Wochen und Monate, da kann man auch dranbleiben, wenn man 2 Tage die Woche was anderes macht.

...oder hast Du wegen einem Nebenjob all Deine Entwürfe abgebrochen?



Zitat:

Originally posted by Florian
Das trifft aber wohl nur für eine handwerkliche Lehre zu und entspricht meiner Argumentation für eben diese.

Zeichnen ist ein Handwerk. Außerdem machst Du Praktika und jeden Tag kommt ein Handwerker ins Büro.






Zitat:

Originally posted by Florian

Also ich habe dafür keine Ausbildung gebraucht... allerdings brauchte unser BZ (der zu diesem Zeitpunkt bereits ca. 1 Jahr im Büro war) dafür des häufigeren mich.
Aber vielleicht bin ich auch einfach ein Naturtalent in Sachen Organisation :cool: :D

Vielleicht habt ihr auch einfach einen "dämlichen " BZ gehabt.
:D




Zitat:

Originally posted by Florian

Die Sachen lernt man aber auch als studentischer Mitarbeiter - und versteht sie wesentlich besser, da das physikalische und chemische Grundwissen hoffentlich in der Uni gelehrt wurde.

Hoffentlich! Deswegen weiß man immernoch nicht sicher, welche Produkte sich wofür eignen.



Zitat:

Originally posted by Florian

....stelle aber fest, dass jemand der 2 Jahre als studentischer Mitarbeiter in der Ausführungsplanung weit verantwortungsvollere Aufgaben bekommt, näher am Beruf des Architekten ist (BZ werden eh kaum noch in Büros eingesetzt.), nach einiger Zeit auch wie jeder angestellte Architekt behandelt wird und am Anfang des Architekturstudiums nicht vorbelastet ist und verkrampft an die Entwürfe geht.

Liegt daran, daß es soviele "billige" Architekten gibt.




Sollen wir weitermachen?

:p :o

Francis 25.11.2006 18:31

Die Diskussion nervt langsam.

Besser oder schlechter gibts da nicht, das muss jeder selbst entscheiden. Wer keine Lehre gemacht hat, wird auch nie wirklich beurteilen können, was man in der Lehre wirklich lernt und wieviel das einem hinterher bringt.

Wir können die Diskussion auch auf andere Bereiche erweitern, ich hätte da noch ein paar genauso kontroverse Themen:

Tätigkeit am Lehrstuhl? Sinnvoll oder verschwendete Zeit?

Auslandssemester pro und contra.

Praktikum beim Star-Architekten: Lernt man da wirklich mehr ausser Modellbau?

usw.

Jeder muss doch für sich selbst entscheiden, was das beste ist.
Da ich keine Lehre gemacht habe, werde ich dazu jetzt keinen Kommentar abgeben, da ich es ja nur vermuten kann, was es bringt und was es nicht bringt.
Mich erinert das irgendwie daran, wie wenn der Papst über Kondome spricht...

noone 25.11.2006 21:21

Die Diskussion nervt wirklich, nämlich vor allem da Archimedes extra ein Thread eröffnet hat, nachdem er somit unter anderem allen Gegenargumente links liegen gelassen hat.

Ich finde es vor allem lächerlich, daß solche Argumente wie z.B. daß eine vorherige Lehre gleich eine Anstellung nach dem Studium garantieren soll, eingebracht werden. Das stimmt doch überhaupt nicht, z.B. zählt Berufserfahrung während dem Studium im Hauptstudium viel mehr als irgendeine vorherige Lehre.

Zweitens: in der Firma, in der ich ja laut Archimedes noch nicht zwei Jahre arbeite, habe ich, in den ersten Tagen- bzw. Wochen alle Aufgaben und arbeiten im Büro von dem Bauzeichner bekommen. Konkret durfte dieses Mädchen nur noch stupide vorgekaute Zeichnungen zeichnen, und alles, was noch konkretisiert und ausgearbeitet werden muss, wurde mir aufgegeben.

Diese Bauzeichnerin war übrigens in diesem Büro angelernt worden, und man hatte auch eine sehr hohe Meinung von ihr, es ist also nicht so, daß sie zu nichts taugte.


So, und ich denke, daß alles, was von Florian gesagt wurde, richtig ist. Architekten und Bauzeichner haben längst nicht dieselben Aufgaben und Fähigkeiten, und der der behauptet, als Bauzeichner könnte man die Arbeit eines Architekten erledigen, hat a) entweder nur mit grottenschlechten Architekten zu tun oder b) sich in der Lehre so engagiert und sich darüber hinaus weitergebildet, daß er dies behaupten kann.


BASTA: Bauzeichner bleibt Bauzeichner und Architekt Architekt. Wenn eine Bauzeichnerlehre ein Grundlegender Grundstein zur Architektenausbildung wäre, dann hätte man dies schon längst zur Pflicht im Architekturstudium gemacht. Und ehrlich: klar ist es toll, mit jemand zusammengearbeitet zu haben, der bei Nouvel gearbeitet hat oder für Forster Planrollen geschleppt hat oder bei Zaha Hadid in Londen 3 Wochen im Büro gewohnt hat. Aber was tut das zur Sache? Nur weil du (Archimedes) in einem Top Büro ausgebildet wurdest, heisst das noch lange nicht, daß eine Bauzeichnerbildung im allgemeinen super ist. Bleib mal auf dem Teppich mit deinen romantisch verklärten Vorstellungen zur Lehre. Die sind absolut überholt und wenn du dir mal ansiehst, wer heute in der Berufsschule abhängt und was dort gelehrt wird, würdest du dir die Haare raufen.

Archimedes 26.11.2006 10:42

@ noone:

Welche Deiner Gegenargumente??? Gabs da was konkretes oder doch nur Palaver?

Du fühlst Dir also immernoch auf die Füße getreten. Tut mir leid, daß ich Dir in dem anderen Thread zu Nahe getreten bin und vielleicht Deine bisherigen Berufserfahrungen herabgewürdigt habe. Schön das Du schon zwei Jahre arbeitest und das zusammen mit einer "großartigen" Bauzeichnerin, die natürlich lange nicht soviel kann wie Du, aber hervoragend ausgebildet wird. :p

Die Fehleinschätzung Deiner "Verdienste" kam daher, daß Du hier in anderen Threads geschrieben hast, daß Du Dein Diplom erst im Februar 2005 gemacht hast, lange einen Job gesucht hast und irgendwann mal von einem bevorstehenden Bürowechsel gesprochen hast. Wenn die Diplomarbeit natürlich auch als praktische Berufserfahrung gilt, dann hast Du natürlich (wie immer) Recht.
Ist mir aber eigentlich auch egal, denn nach mehr als tausend Beiträgen von Dir zu allen möglichen Themen kann man sich schon ein Bild machen ohne Dich persönlich zu kennen. Deswegen schätze ich Deine Kritik nicht als konstruktiv, sondern eher als stark emotional motiviert.

;)




@francis:

Du hast Recht, so langsam nervt es auch mich.

Danke, daß Du Dich bemühst objektiv zu bleiben.

Ich habe versucht in einem ausführlichen Bericht meine Erfahrung als ausgebildeter Bauzeichner zusammenzufassen, damit sich Leute vorher ein Bild machen können. Mehr nicht.
Das Leute ohne Lehre dann Sturm laufen, kann ich mir nur so erklären, daß sie mit "lautem Geschrei" gegen etwas protestieren wollen, was in ihren Augen einfach nicht wahr sein darf, denn sonst hätte man selbst vielleicht etwas falsch gemacht.

Schade, daß ich hier zur Zeit der Einzige bin, der sich für die Lehre engagiert hat (außer mika für die Zimmermannslehre) und sich dazu positiv äußern konnte. Möglicherweise sind diese Leute hier in der Unterzahl oder haben einfach keine Lust sich mit anderen über ihre guten Erfahrung zu streiten. Möchte dabei gar nicht ausschließen, daß nicht Jeder gute Erfahrung mit eine Lehre gemacht hat.




Sollen sich die neutralen Leser dieses Threads doch selbst ein Bild machen.

noone 26.11.2006 11:10

weisst du solange du alle Gegenargumente nur als Palaver bezeichnest, können die Leser hier sich wie du sagst, schon ein Bild von deiner egozentrischen Weltanschauung machen.

Schön auch, daß du hier immer wieder deine Berufserfahrung hochlobst und die der anderen, hier konkret meine, kleinredest. Es kann ja nicht jeder so toll sein wie du.

Du lobst ja nur die Objektivität deiner Fürsprecher, die Gegenredner wie Florian, mich und andere versuchst du immer schön als Inkompetente, Unerfahrene bloßzustellen, die - wie sagtest du so schön - ja doch nur "emotional" argumentieren.......

Viel Spaß noch bei deiner Selbstbeweihräucherung.

Florian 27.11.2006 11:19

Ich bin geneigt, die Hälfte dieser Dikussion wieder zu löschen, da Sie nicht zur eigentlichen Diskussion beiträgt.

1.) Ich finde es sehr gut, das Archimedes einen neuen Thread eröffnet hat, in dem es um die Frage der Ausbildung geht, da der vorherige Thread "Architektur studieren, aber wo? " einer ganz anderen Frage auf den Grund gehen sollte. Ich würde mir wünschen, dass mehr Leute mit dieser Weitsicht Themen umlenken.

2.) Das Forum dient nicht primär der Selbstunterhaltung der fleißigen und geschätzten Autoren, sondern denen, die sich über eine Fragestellung erkundigen wollen, deshalb sollte am Titel der Inhalt der Diskussion erkennbar sind und die Diskussion sollte sich möglichst auch auf diesen Inhalt beschränken.

3.) Wen die Diskussion nervt, der möge sich Ihr doch einfach enthalten, damit Interessierte sich nicht 50% Off-Topic durchlesen müssen.

Archimedes 27.11.2006 11:25

Danke Florian.

Ich habe Dich übrigens in keiner Weise und zu keiner Zeit als inkompetent und unerfahren dargestellt, wie hier von jemandem behauptet. Wir vertreten lediglich andere Auffassungen über verschiedene Dinge, dass akzeptiere ich.

Bitte zurück zum Thema.

Florian 27.11.2006 12:04

Zitat:

Provokante Frage:

:D :D :D

Erstens hängt es vom Individuum und dem persönlichen Geschick ab (auch bei eineiigen Zwillingen).
Ich hätte auch schreiben können: Ein und die selbe Person in einer Parallelwelt, deren Unterschied erst mit der Ausbildung oder dem Studiums beginnt...

Zitat:

Zweitens ist die Frage, ob der Zwilling der sofort studiert hat überhaupt schon Gelegenheit hatte zwei volle Jahre Berufserfahrung zu sammeln, weil er eventuell wegen mangelnder Erfahrung nach dem Studium gar nicht eingestellt worden ist.
Du hat nicht ordentlich gelesen. Er braucht ja 4 Semester länger im Studium, weil er in dieser Zeit viel im Büro arbeitet. Das ist Berufserfahrung. (Und zwar in der Arbeit als Architekt und nicht in der des Bauzeichners)


Zitat:

Drittens kann man diese Rechnung auch anders aufmachen, denn der Zwilling mit Ausbildung braucht kein allgemeines Abitur, sondern kann auch ein Fachabitur machen und ist so zeitgleich (oder spätestens ein Jahr später) mit seinem Bruder/seiner Schwester fertig.
Damit schwächst Du die Vergleichbarkeit.
Man könnte dann nämlich weiterdiskutieren, dass der mit dem Fachabi nur auf die FH kann und sich dadurch z.B. Jobangebote ausschließen - das wäre aber eine andere Diskussion.



Zitat:

Im Studium wird doch auch viel abgearbeitet. Entwürfe werden als Fleißarbeit durchgezogen, weil die Scheine zum Diplom vorliegen müssen. Oft wird nur für Klausuren ins Kurzzeitgedächnis gepaukt und 3 Monate später weiß keiner mehr worum es eigentlich ging.
Das Studium wird für beide gleich aussehen, ich habe in meiner Argumentation daher nur den Umfang der Lernzeit bei einer Ausbildung relativieren wollen.


Zitat:

Ausführungsplanungen laufen über Wochen und Monate, da kann man auch dranbleiben, wenn man 2 Tage die Woche was anderes macht.

...oder hast Du wegen einem Nebenjob all Deine Entwürfe abgebrochen?
Ich sehe das Problem eigentlich darin, dass erstens 2 Tage die Woche ein Ansprechpartner für gewisse Details fehlt (wenn er sie eigenständig bearbeitet.) und dass es i.d.R. einen gewissen Termindruck gibt. D.h. dem AZUBI können nicht ohne weiteres alle Aufgaben anvertraut werden, sondern nur die, bei denen es nicht eilt. Damit ist er nur peripher am Prozess beteiligt und nicht 100% integriert wie z.B. ein Architekturstudent im Praktikum.


Zitat:

Zeichnen ist ein Handwerk. Außerdem machst Du Praktika und jeden Tag kommt ein Handwerker ins Büro.
Ja 2 oder gar 3 Monate Praktikum, dass z.T. auf einem Lehrhof abgehalten wird... LOL
Ich möchte mal wissen wie häufig der durchschnittliche AZUBI Gespräche mit den Handwerkern führt.

Zitat:

Hoffentlich! Deswegen weiß man immernoch nicht sicher, welche Produkte sich wofür eignen.
Aber der AZUBI weiß das nach seiner Ausbildung?


Ich finde Du weichst bei Deiner Argumentation häufig von der konkreten Frage ab.
Die "Gegner" der Ausbildung - in meinem Fall nur der BZ Ausbildung, schlagen ja fast alle vor, dass man statt der Ausbildungsjahre lieber als Student beim Architekten arbeitet. Daher ist die Frage, wer seine Zeit "besser" investiert.

D.h. nicht, dass das eine oder andere falsch ist, und der eine oder andere von uns mit dem einen oder anderen Weg besser gefahren ist.
Wir wollen doch jemanden der vor dieser Entscheidung steht einen guten Rat geben.

Meiner lautet:
Wer vor dem Architekturstudium eine Lehre machen möchte, sollte eine Handwerklich angehen - z.B. Tischler oder Zimmermann.
Wer sich entschließt keine Lehre zu machen, sollte vor oder während des Studiums eine andere Qualifikation erwerben, die ihn später als Absolvent "attraktiver" macht.




P.S.
Zitat:

Danke Florian.

Ich habe Dich übrigens in keiner Weise und zu keiner Zeit als inkompetent und unerfahren dargestellt, wie hier von jemandem behauptet.
Das habe ich auch so nirgends verstanden. Keine Entschuldigung nötig. :)

Archimedes 27.11.2006 14:41

Zitat:

Originally posted by Florian

Ich finde Du weichst bei Deiner Argumentation häufig von der konkreten Frage ab.

Aber nur dann, wenn sie so gestellt sind, dass der Fragesteller auf eine bestimmte Antwort raus ist...:D




Zitat:

Originally posted by Florian
Ich hätte auch schreiben können: Ein und die selbe Person in einer Parallelwelt, deren Unterschied erst mit der Ausbildung oder dem Studiums beginnt...



Du hat nicht ordentlich gelesen. Er braucht ja 4 Semester länger im Studium, weil er in dieser Zeit viel im Büro arbeitet. Das ist Berufserfahrung. (Und zwar in der Arbeit als Architekt und nicht in der des Bauzeichners)


................

Die "Gegner" der Ausbildung - in meinem Fall nur der BZ Ausbildung, schlagen ja fast alle vor, dass man statt der Ausbildungsjahre lieber als Student beim Architekten arbeitet. Daher ist die Frage, wer seine Zeit "besser" investiert.

OK, aber es spricht ja nichts dagegen, dass Du Beides machen kannst.

Deswegen auch meine etwas unpräzise Antwort auf Deine "provokante" Frage.

Wenn beide gleich lang studieren und beide gleich lang während dem Studium praktisch arbeiten, nur der eine mit Lehre und Fachabi und der andere mit allgemeinem Abitur.
Dann hat doch der mit Lehre während dem Studium bessere Chancen irgendwo als studentischer Mitarbeiter reinzukommen.

Denn wer ausser dem Grundstudium noch keine Vorkenntnisse in Sachen Architektenberuf hat, der wird nicht unbedingt überall als studentischer Mitarbeiter arbeiten können. Vor allem kleinere Büros können sich die damit verbundene Einarbeitungszeit selten erlauben. Einen Lehrling bindest Du für 2-3 Jahre ans Büro. Ein studentischer Mitarbeiter kann von heute auf morgen weg sein.






Zitat:

Originally posted by Florian
Damit schwächst Du die Vergleichbarkeit.
Man könnte dann nämlich weiterdiskutieren, dass der mit dem Fachabi nur auf die FH kann und sich dadurch z.B. Jobangebote ausschließen - das wäre aber eine andere Diskussion.

Die Diskussion hatten wir ja schon. Bei der Mehrzahl der Stellen spielt FH oder Uni kaum noch eine Rolle. Teilweise wird sogar FH bevorzugt.

...aber andere Diskussion



Zitat:

Originally posted by Florian

Ich sehe das Problem eigentlich darin, dass erstens 2 Tage die Woche ein Ansprechpartner für gewisse Details fehlt (wenn er sie eigenständig bearbeitet.) und dass es i.d.R. einen gewissen Termindruck gibt. D.h. dem AZUBI können nicht ohne weiteres alle Aufgaben anvertraut werden, sondern nur die, bei denen es nicht eilt. Damit ist er nur peripher am Prozess beteiligt und nicht 100% integriert wie z.B. ein Architekturstudent im Praktikum.

Schon richtig, aber als Architekturstudent wirst Du i.d.R. kontrolliert und darfst normalerweise auch keine wichtige Entscheidung treffen.
Evtl. hast Du das anders erlebt.

In der Lehre haben wir die Ausführungsplanung komplett vor Baubeginn ohne grossen Druck gemacht, d.h. es gab keine dringenden Termine, die man nicht hätte passend legen können.



Zitat:

Originally posted by Florian
Ja 2 oder gar 3 Monate Praktikum, dass z.T. auf einem Lehrhof abgehalten wird... LOL
Ich möchte mal wissen wie häufig der durchschnittliche AZUBI Gespräche mit den Handwerkern führt.

Lehrhof gabs bei uns nicht. 3,5 Monate bei verschiedenen Bauhandwerken.
Ich hab auch Samstags regelmässig bei einer Baufirma gearbeitet.

Ansonsten hast Du eigentlich jeden Tag einen Handwerker am Telefon oder im Büro. Sekretärin gabs ja nicht.

Ich denke in Sachen Kommunikation gibt es aber einen grossen Unterschied zwischen grossen und kleinen Büro.



Zitat:

Originally posted by Florian
Meiner lautet:
Wer vor dem Architekturstudium eine Lehre machen möchte, sollte eine Handwerklich angehen - z.B. Tischler oder Zimmermann.
Wer sich entschließt keine Lehre zu machen, sollte vor oder während des Studiums eine andere Qualifikation erwerben, die ihn später als Absolvent "attraktiver" macht.

Handwerkslehre (evtl. mit Meisterbrief) ist eine gute Alternative, aber die haben wir beide nicht gemacht.
Viele meiner Freunde haben das gemacht, aber den Büro- und Verwaltungsalltag eines Architekten erfährst Du da nicht.
Sie verdienen heute aber alle ohne Studium mehr als ein Durchschnitts-Architekt und das schon ein paar Jahre länger.


Zitat:

Originally posted by Florian
Hoffentlich! Deswegen weiß man immernoch nicht sicher, welche Produkte sich wofür eignen.

Aber der AZUBI weiß das nach seiner Ausbildung?

Ja, weil die Produkte in unmittelbarer Verbindung zu den im Büro gelernten Standarddetails stehen.




Zitat:

Originally posted by Florian

D.h. nicht, dass das eine oder andere falsch ist, und der eine oder andere von uns mit dem einen oder anderen Weg besser gefahren ist.
Wir wollen doch jemanden der vor dieser Entscheidung steht einen guten Rat geben.

Genau darum gehts doch.

Francis 27.11.2006 14:56

"Ja 2 oder gar 3 Monate Praktikum, dass z.T. auf einem Lehrhof abgehalten wird... LOL
Ich möchte mal wissen wie häufig der durchschnittliche AZUBI Gespräche mit den Handwerkern führt."


Hmm, hab ja auch keine Lehre gemacht, aber alle Bauzeicner die ich kenne, haben nur in Handwerksbetrieben bzw. Strassenbau oder so gearbeitet, und durften da auch richtig was machen...

Und das Azubis keine Handwerker am Telefon haben, ist doch auch echt ein Vorurteil.

Mal eine Frage, Florian:
Hast du eigentlich auch in anderen Architekturbüros gearbeitet, oder nur bei gmp?

Ich denke gmp ist nicht zu vergleichen mit dem "normalen" Architekturbüro von nebenan. Ich hab vor und nach dem Studium insgesamt in 3 verschiedene Architekturbüros gearbeitet, zuzüglich einer Baufirma und einem Ing. Büro für Haustechnik.
Darumter war ein Star-Architekt, ein mittelgrosses normales Architekturbüro (ca. 15 Leute) und ein ganz kleines (2-3 Leute).

Der Star-Architekt ist jetzt mal absolut aussen vor, da laufen Dinge (in jeder hinsicht) anders.

Zum mittelgrossen Büro:
das mittelgrosse Büro hatte insgesamt 3 Bauzeicher, in allen 3 Lehrjahren. Die höheren Azubis hatten ihr eigenes Bauvorhaben, dass sie mehr oder weniger allein bearbeitet haben, wobei natürlich immer mal wieder mit dem verantwortlichen Architekten abgestimmt wurde. Sie waren Ansprechpartner für den entsprechenden Handwerker, halt für Kleinigkeiten, aber man kannte sie eben. sie haben häufig telefoniert (eigentlich so ziemlich täglich, da es immer was abzustimmen gab, auch wenns nur Masse waren oder so). Ich hab in diesem Büro mein Praxissemester gemacht, war da halt 6 Monate am Stück und konnte so sehen, was sie machen. Täglich. Wenn sie nicht gerade Schule hatten, wobei da auch teilweise Blockunterricht stattfand.
Mir erschien die ganze Arbeit schon recht selbständig.

Ich denke, das ist eben von Büro zu Büro und von Azubi zu Azubi verschieden.

Florian 27.11.2006 15:56

Zitat:

Hmm, hab ja auch keine Lehre gemacht, aber alle Bauzeicner die ich kenne, haben nur in Handwerksbetrieben bzw. Strassenbau oder so gearbeitet, und durften da auch richtig was machen...
Also bei den Mädels kenne ich recht viele die auf so einem Lehrhof waren. Bei Jungs ist das natürlich was anderes.

Zitat:

Und das Azubis keine Handwerker am Telefon haben, ist doch auch echt ein Vorurteil.
So war das auch nicht gemeint. Aber von dem was ich erlebt und gehört habe ist es nicht üblich, dass der AZUBI mit Vertretern von Firmen oder Handwerkern im Besprechungszimmer 1-2 Stunden Lösungen und Möglichkeiten erarbeitet. Allerdings weiß ich auch tatsächlich nicht ob das für studentische Mitarbeiter usus ist - ich hoffe es aber :D

Zitat:

Mal eine Frage, Florian:
Hast du eigentlich auch in anderen Architekturbüros gearbeitet, oder nur bei gmp?
Hehe, wann denn das noch neben dem Tutoren-Job, der Selbstständigkeit mit Visionstudio, archinoah.de, tektorum.de und gmp :D
Also - nicht während des Studiums, davor schon - aber das waren natürlich nur Praktika.
Allerdings bin ich durchaus Kommunikationsfähig und bekomme auch Eindrücke aus anderen Büros - zugegeben sind fast alle Architekten/Absolventen mit denen ich viel Kontakt habe in großen Büros oder kleineren Star-Büros...


Allerdings entgleitet hier die Diskussion meiner Meinung nach wieder, denn die ursprünglich Frage die sich einst stellte war, ob die BZ Lehre einen so großen Vorteil bringt, dass es Sinn macht nach der Schule ersteinmal die 3 Jahre Lehre anzugehen.

Da man in Deutschland immer noch recht viel auf Abschlüsse hält, könnte man diskutieren, dass man danach immerhin schon einen Berufsabschluss hat und weiß auf was man sich mit dem Studium einlässt, währen andere das vielleicht erst nach 8 Semestern Studium merken und dann alles hinschmeißen.
Das erledigt sich aber durch die 3 Jahre Bachelor sicherlich.

Francis 27.11.2006 16:03

"Also bei den Mädels kenne ich recht viele die auf so einem Lehrhof waren. Bei Jungs ist das natürlich was anderes."

also alle 3 Azubis bei uns waren Mädels...
:D

Und mal abgesehen davon, ehrlich gesagt kenne ich eigentlich nur Mädels, die überhaupt eine Bauzeichnerlehre gemacht haben...wenn ich so nachdenke, kenn ich keinen einzigen Jungen.

Wäre vielleicht auch mal eine neue Diskussion wert:
"Bauzeichnerlehre? Ist doch nur was für Mädels!"


Aber alle Mädels waren halt ganz normal auf dem Bau unterwegs, die haben sogar beim Strassenbau mitgemacht.


Vielleicht hab ich das auch ganz falsch verstanden, aber ich dachte bisher immer, der Lehrhof würde zur Berufsschule gehören, und da würde man dann als Bauzeichnerazubi z.b. im Rahmen der "Vorlesung" Mauerbau eben mit den Maurer-Azubis rumwerkeln...
Aber das kann ja Archimedes sicher mal aufklären...

Archimedes 27.11.2006 16:23

Zitat:

Originally posted by Francis

Und mal abgesehen davon, ehrlich gesagt kenne ich eigentlich nur Mädels, die überhaupt eine Bauzeichnerlehre gemacht haben...wenn ich so nachdenke, kenn ich keinen einzigen Jungen.

Wäre vielleicht auch mal eine neue Diskussion wert:
"Bauzeichnerlehre? Ist doch nur was für Mädels!"



Vielleicht hab ich das auch ganz falsch verstanden, aber ich dachte bisher immer, der Lehrhof würde zur Berufsschule gehören, und da würde man dann als Bauzeichnerazubi z.b. im Rahmen der "Vorlesung" Mauerbau eben mit den Maurer-Azubis rumwerkeln...
Aber das kann ja Archimedes sicher mal aufklären...

Zu meiner Zeit (91-94)war es sehr ausgeglichen: ca. 55% Jungs und 45% Mädels, die Bauzeichner gelernt haben.

Lehrhof gabs nur für Maurer, Verputzer, Fliesenleger usw.. Die haben da mauern hochgezogen und gleich wieder abgerissen. Lehrwerkstatt gabs für Schreiner und Schlosser usw.
Bauzeichner haben da nichts gemacht. Wir mussten uns bei verschiedenen Firmen eine Pratikumsplatz suchen. Mädels haben sich oft was schreiben lassen ohne tatsächlich mehr als 2 Wochen auf der Baustelle gewesen zu sein
In der Berufsschule gabs neben den wirklich wenig anspruchsvollen Fächern, wie Deutsch, Religion/Ethik, Wirtschaftslehre, Sozialkunde und Sport noch die fachbezogenen Fächer. Fachkunde, Fachrechnen, Fachzeichnen.

Francis 27.11.2006 16:43

Also um das mal aufzuklären:

Eine Kommilitonin von mir, die Bauzeichnerlehre gemacht hat, hat mir erzählt, dass sie früher im Rahmen der Berufsschule schon mal zusammen mit den Maurern auf dem Lehrhof war und da halt gemauert hat (nicht anstelle eines Praktikums, das hat sie sowieso ganz normal gemacht), das war da halt in den Unterricht integriert...

Daher dachte ich halt, dass man das während der Berufsschule halt so macht.


Naja, deine Ausbildung ist ja auch schon was länger her...vielleicht gibts ja jemanden der ganz aktuelle Fakten beisteuern kann.

noone 27.11.2006 17:02

mir glaubt ja sowieso keiner, aber für die die es trotzdem interessiert: Lehrhof gibts zur Zeit bei der Ausbildung in SB nicht, dafür aber zwei Betriebspraktika, die abzuleisten sind. Die oben genannten unnütze Nebenfächer gibts immer noch.

Archimedes 27.11.2006 17:20

Zitat:

Originally posted by Francis
Also um das mal aufzuklären:

Eine Kommilitonin von mir, die Bauzeichnerlehre gemacht hat, hat mir erzählt, dass sie früher im Rahmen der Berufsschule schon mal zusammen mit den Maurern auf dem Lehrhof war und da halt gemauert hat (nicht anstelle eines Praktikums, das hat sie sowieso ganz normal gemacht), das war da halt in den Unterricht integriert...

Andere (Bundes-)Länder andere Sitten.

Entweder hat sich der Lehrplan dahingehend geändert oder der Fachlehrer hat das aus Eigeninitiative miteingebaut. Vielleicht durchaus interessant für alle die noch nicht vorher auf der Baustelle waren und keinen Stein in der Hand hatten. Vor allem für Mädels "angenehmer".
Die meisten Baustellen sind noch immer nicht besonders frauenfreundlich. Das fängt schon beim Dixi an.

Vielleicht noch eine Info:

Bei uns hat mehr als die Hälfte direkt nach der Bauzeichnerlehre weitergemacht, also Fachabi, Studium,Technikerschule oder den Beruf ganz gewechselt.
Von den Mädels sind prozentual mehr reine Bauzeichner geblieben. Wobei für einige sowieso eine frühe Familiengründung ausser Frage stand.

Kissenknicker 27.11.2006 18:26

Ich habe vor meinem Innenarchitektur-Studium eine Ausbildung zur Tischlerin gemacht, da ich nach dem Abi erst einmal "arbeiten" wollte.

Als Nachteil habe ich gesehen, dass ich mich im Entwurf oft gefragt habe: Wie soll man das konstruieren und was wird das kosten? Dadurch hatten die freien Formen bei mir keine Chance!

Ausserdem habe ich mich oft zu sehr ins Detail verstrickt, so dass ich das Gesamtkonzept aus den Augen verloren habe.

Ich habe meine Ausbildung (dank Abi) auf zwei Jahre verkürzt und deshalb weniger Zeit "verloren".

Die Ausbildung hat mir in der Hinsicht Gewissheit gegeben, dass ich nach dem Studium auch wieder als Tischler in der Arbeitsvorbereitung hätte arbeiten können. Hätte mir das Studium nicht gefallen, hätte ich es abbrechen können und in den gelernten Beruf zurück kehren können.
Ich habe das als Beruhigung empfunden. Eine Schulkollegin hat mit 23 Jahren gesagt: "Du hast wenigstens schon was! Ich studiere schon vier Jahre und habe immer noch nichts!" Sie hat direkt nach dem Abi studiert.

Die Ausbildung habe ich bei einem namhaften Objekteinrichter gemacht, das ist bei meiner Bewerbung (als Innenarchitektin + als studentische Hilfskraft) sehr positiv aufgefallen. Man kannte den Betrieb und wusste, dass die qualitativ hochwertig produzieren und gut ausbilden.

Während des Studiums konnte ich als Tischler-Geselle arbeiten und habe so wesentlich mehr Geld verdient als durch Kellnern möglich gewesen wäre.

Durch die Ausbildung habe ich ein besseres Verständnis für Konstruktion und Details. Ich kann mir Arbeitsabläufe besser vorstellen, und habe fachspezifische Kenntnisse. Viele Komolitonen haben mich nach Lösungen für ihre konstruktiven Probleme gefragt.

Wenn ich mit Handwerkern über Ausführung rede, kann ich die Qualität besser beurteilen und Fehler erkennen.


Ich würde immer wieder eine Ausbildung vor einem Studium machen, da ich so über ein technisches Hintergrundwissen verfüge und auch über Kontakte in der Branche.

Allerdings kann ich eine Ausbildung nur in einem Unternehmen empfehlen, in dem man auch als Azubi Einblicke in alle Unternehmenszweige erhält und auch Verantwortung übernehmen kann. Eine Ausbildung am Fließband bringt nichts.
Dann sollte man lieber ein Praxis- oder Auslandssemester einlegen und während der Semesterferien gute Praktika suchen! Wobei sich jemand mit Ausbildung nicht auf seine Ausbildung ausruhen sollte und auch Praktika absolvieren oder eben in verschiedenen Architekturbüros als studentische Hilfskraft arbeiten sollte!

andreastischler 28.11.2006 00:49

ist es vielleicht einfach unmöglich eine allgemeine Aussage zu machen, inwieweit eine Ausbildung als BZ nützlich ist oder nicht?
ich weiss auch nicht warum der anspruch besteht das zu tun. letztendlich muss es doch jeder selber entscheiden, und um das zu klären sind einzelgespräche gut. auch wenn die forumsbeiträge hilfreich sind, um informationen zu bekommen ohne eine frage stellen zu müssen, sollte sich doch jeder, der sich diese frage stellt und hilfe oder informationen benötigt die mühe machen, sich anmelden, seine situation schildern und dann kann man hilreiche beiträge erwarten, die etwas mit dem menschen zu tun haben, der das problem hat.
es gibt argumente die 10mal hin und hergeschoben werden können ohne das man zu einem ergebnis kommt. solche habe ich in den letzten 10 minuten gelesen. die meinungen scheinen sehr verschieden zu sein, man kann doch festhalten, dass es keine richtige antwort zu der frage gibt, weil das leben so wunderbar vielschichtig ist.
daran sollten wir als architekten (oder arch-studenten) ja eigentlich gewöhnt sein.

Maller 28.11.2006 17:18

So mich gibts auch noch...

Allgemein:
Also ich bin da mal ganz eindeutig und sage ein durchschnittlicher Abiturient soll studieren damit er nicht geistig unterfordert ist.
Und wenn sich einer wirklich bei einer Ausbildung so wohl fühlt dann soll er sich vielleicht überlegen doch bei diesem gelernten Fachberuf zu bleiben und nicht auf eine Universität gehen. In einem Lehrberuf geht es nur um das "wie konstruiere ich das". In einem Studium geht es um "Was will ich überhaupt erreichen, warum, welche Folgen hat das,wann hat es diese Folgen, Wann kann ich meine Kenntnisse einsetzen und wann frag ich lieber jemand anderen, welche Auswirkungen haben allgemeinere Gesetze und Vorgänge auf diesen Spezialfall und auch wie mache ich das?..."
Aber ich glaube das ist nichts für jemanden der sich in einer Ausbildung mit "Meister und Lehrling" und "richtig oder falsch" wohlfühlt. Das klingt jetzt etwas elitär...
und nicht speziell auf die Architektur bezogen...

Auf das Architekturstudium bezogen:
Warum eigentlich eine Bauzeichnerlehre? oder gar Maurer?
Handwerk gut und schön aber das klingt mir ein bischen so als versucht ein Zahnprotesenhersteller Medizin zu studieren...
Es sollte doch so sein dass auch jemand der Lichttechniker oder Tontechniker oder Bühnenbildner oder Kameramann usw. genausogut seine Kenntnisse in die "Mutter aller Künste"... bringen kann. Diese Betonung auf das "Bauen" finde ich nicht so gut.

Gropius (Wir wollen Handwerk, und das Endsieg äh Endziel ist der Bau) ist doch schon ne Weile her...

Wenn man als Bauzeichner oder gar Maurer im Studium im Vorteil ist dann ist das eher ein Schwachpunkt der Studiengänge die noch zu sehr eine "Baumeister Ausbildung" machen. Meine Meinung.

Archimedes 29.11.2006 08:29

Zitat:

Originally posted by Maller

Also ich bin da mal ganz eindeutig und sage ein durchschnittlicher Abiturient soll studieren damit er nicht geistig unterfordert ist.

.....

Auf das Architekturstudium bezogen:
Warum eigentlich eine Bauzeichnerlehre? oder gar Maurer?
Handwerk gut und schön aber das klingt mir ein bischen so als versucht ein Zahnprotesenhersteller Medizin zu studieren...
Es sollte doch so sein dass auch jemand der Lichttechniker oder Tontechniker oder Bühnenbildner oder Kameramann usw. genausogut seine Kenntnisse in die "Mutter aller Künste"... bringen kann. Diese Betonung auf das "Bauen" finde ich nicht so gut.

Gropius (Wir wollen Handwerk, und das Endsieg äh Endziel ist der Bau) ist doch schon ne Weile her...


Auch eine Ansicht.

Aber ist das Ziel der Architektur bzw. des Architekturstudiums nicht das Bauen bzw. das gute Bauen und Gestalten?
Ist das Ziel eines Medizinstudims nicht das man anderen Menschen helfen kann und sie heilen kann?

Oder geht es nur um das Philosophieren mit Gleichgesinnten um theoretische Diskussionen, die aber zu keinem greifbaren Bauwerk führen?
Zeigen was man kann oder glaubt zu können, dass geht doch nur durch Ausführung. Das Beherrschen und Begreifen der Ausführung sollte daher einen eben so hohen Stellenwert wie die Theorie und die Gestaltung haben!

Warum soll der Zahnprotestenhersteller keine Medizin studieren können und darin "gut" sein. Ist er weil er vorher Zahnprotesten hergestellt hat dazu schlechter geeignet als ein Laie, der vorher "nichts" hergestellt hat? Benachteiligt etwa ein Beruf/einHandwerk/eine Vorbildung gegenüber keinem Beruf und keiner Vorbildung? Ist man dann "dümmer"?

mika 29.11.2006 10:09

Geht es eigentlich noch darum, ob es von Vorteil ist eine Ausbildung vor dem Studium zu machen, oder geht es inzwischen darum nachzuweisen, dass jemand der sich zusätzlich qualifizieren möchte, in dem er einen Beruf im Bauwesen erlernt, intellektuell nicht fähig ist zu studieren ?

Wenn das Bauen das persönliche Ziel des Architekturstudiums ist, dann denke ich, ist das Wissen um das Bauen selbst nicht von Nachteil. Wenn es nicht das persönliche Ziel ist, dann ist es nicht von Vorteil. Dazwischen gibt es noch einiges an Raum.

Und in meiner Lehre gab's auch nicht richtig oder falsch. Es gab immer viele Möglichkeiten, aber nur eine war die im Moment unter den gegebenen Umständen effizienteste oder einfachste. Ich kenne Maller nicht, aber er oder sie kennt auch eine Lehre nicht. Ich erlaube mir kein Urteil über sein oder ihren Weg. Aber ich finde seine oder ihre Formulierungen beleidigend für jeden, der nach dem Abitur eine Ausbildung gemacht hat, um seinen Horziont in der Praxis zu erweitern.

Wer eine Ausbildung macht, ist geistig nicht zwangsläufig einfach gestrickt.
Das ist es aber, was im Unterton Deines Beitrags steckt.

Francis 29.11.2006 10:30

Also was man ja vielleicht festhalten kann:

Eine Handwerkerlehre ist KEINE Bauzeichnerlehre und hat völlig andere Lehrinhalte. Eine Handwerkerlehre sollte nicht unbedingt zur Entscheidungsfindung für oder gegen ein Architekturstudium herangezogen werden, denn dort hat man keinen grossen Einblick in den Architektenalltag.
Die Handwerkerlehre hat andere Vorteile, die hier auch schon angerissen wurden.

Eine Bauzeichnerlehre kann zur Entscheidung für oder gegen ein Architekturstudium herangezogen werden. Man hat guten Einblick in den Architektenalltag und man hat eine (gute) Vorbereitung aufs Architekturstudium, kann sich eventuell sogar Fächer anrechnen lassen, bzw. vorziehen und kann im Endeffekt das Grundstudium vielleicht schneller durchziehen (ob das gewollt ist oder nicht).

Tatsache ist auch, dass die Leute, die eine Lehre gemacht haben, dies ja nicht bereuen, sondern als positive Bereicherung ansehen.

Desweiteren macht sich eine Lehre im Lebenslauf sicher immer sehr gut, sie ist zwar kein Muss, wird einem aber ganz sicher auch nicht negativ angerechnet, sondern kann den Lebenslauf definitiv nur verbessern.


Negative Punkte bisher waren:
Eine Bauzeichnerlehre schränkt beim Entwurf ein - dieser Punkt ist sehr individuell, sie könnte ja auch inspirierend sein, je nachdem, wo man die Lehre gemacht hat, und was dort gebaut wurde

Eine Bauzeichnerlehre verlängert das Studium unnötig - naja, was heisst langes Studium? diese Diskussion gabs hier auch schon. Es kommt auf den ganz individuellen Lebensweg an, die Spannbreite hier geht von Leuten mit Diplom nach 8 Semestern zu Leuten, die mit 14 Semestern immer noch im Studium sind...da hat jeder die Sache in der Hand.
z.B. wenn ich die Lehre vorher gemacht hätte (und nicht 2 Jahre Bauing. studiert hätte) hätte sich bei mir ja nichts verändert. Statt Bauing. ständ Lehre im Lebenslauf, weiss jetzt nicht, was da unbedingt besser aussieht, aber schnell studiert hab ich trotzdem und war ja mit 25/26 fertig, also von langem Studium muss auch mit Lehre keine Rede sein...

Ich denke, eine Lehre ist eine ganz persönliche Entscheidung, das muss jeder selbst entscheiden, ob er es machen will oder nicht, nur bereuen wird man es hinterher vermutlich nicht.

timovic 29.11.2006 10:47

Zitat:

Originally posted by Maller
"Baumeister Ausbildung"
Leider ist das Gegenteil der Fall. Wir als Architekten lassen uns zu viele Kompetenzen und Qualifikationen aus Faulheit oder Ignoranz durch die Lappen gehen.
Während die "Baumeister" in der Lage waren neben dem Entwurf und der Konstruktion eines Bauwerks auch den Handwerkern zur Seite zu stehen fehlt es heute allzu oft an technischem, ästhetischem und soziokulturellen Hintergrundwissen, das über Halbbildung hinausgeht. Da wird dann lieber aus persönlicher Eitelkeit ein Schwachsinnsprojekt hochgezogen (sei es real oder nur als Studienleistung), weil es "so cool und lässig ausschaut".
Das soll kein Statement gegen die "Avantgarde" oder neue Ideen sein, aber man sollte die eigenen Ideen und Projekte immer kritisch hinterfragen. Ästhetisch, konstruktiv und gesellschaftlich. Dies als Einleitung zum Thema: Alles was man lernt, fachlich und auch fachfremd, bringt einen weiter und optimiert das Ergebnis der eigenen geistigen Arbeit. Wenn man das Gelernte zu interpretieren und zu nutzen weis.
Wenn ich also weis, dass Holzverbidnung A dem Schreiner leichter von der Hand geht und ein saubereres Ergebnis bringt als Verbindung B, dann kann ich dieses Wissen in meine Planungen einbeziehen und eventuell Verbindung C entwickeln, die die leichte Montage von Verbindung A mit meinen ästhetischen Vorstellungen kombiniert. Sowas lernt man nicht auf der Hochschule, sieht man ja auch häufig an den Beiträgen hier, dass auch höhere Semester noch nicht wissen, wie eigentlich eine Wand betoniert wird etc. . Deshalb kann ich jedem nur raten: Macht Praktika und arbeitet nebenher. Und zwar nicht beim Stararchitekten, wo ihr Modelle bauen "dürft", sondern dort, wo ihr mit den bautechnischen Abläufen konfrontiert werdet. Ich habe seit dem 2. Semester in Büros gearbeitet, 5 Monate auf der Baustelle Steine gesägt und Schalungen gestellt - meiner Meinung machen die so gemachten Erfahrungen 50% der Gesamtqualifikation aus. Wobei ich jetzt nicht behaupten möchte, dass eine vorherige Ausbildung unbedingt sein muss. So sind z.B. die Tätigkeiten auf dem Bau in den ersten 2 Monaten noch spannend und neu, danach wirds aber auch für einen Praktikanten schnell zu Routine und auch die Gesellen machen auch nicht täglich neue Erfahrungen ;) . Das meiste ist doch schnöde Akkordarbeit.

Francis 29.11.2006 10:55

Genauso sehe ich es auch :-)

Florian 29.11.2006 11:14

Und ich glaube auch fast jeder stimmt mir zu wenn ich sage, dass wenn keine BZ-Lehre absolviert wurde und auch sonst kein Kontakt zur Architektur (durch Familie o.ä.) bestand, ein Praktikum vor dem Studium gemacht werden sollte, um zu sehen, auf was man sich langfristig einlässt.

Francis 29.11.2006 11:16

Natürlich, aber darum geht die Diskussion doch gar nicht...

noone 29.11.2006 12:39

Nein darum geht die Diskussion nicht. Es steht ja auch ohne aller Zweifel, daß die Qualifikation eines Architekten HAUPTSÄCHLICH aus ERFAHRUNG besteht. Und die sammelt man natürlich im Beruf. Ob man die nun während der Lehrzeit macht oder aber nach dem Studium im Beruf, spielt dabei doch kaum eine Rolle.

Das Studium generell, egal welches Fach studiert wird, hat ja auch den Anspruch, die theoretische Basis zu fördern. Mit diesem Wissen soll man dann im Beruf in der Lage sein, ein Problem zu erkennen und den Weg zur Lösung zu kennen. Es ist also völlig egal, ob man selbst das Fachwissen besitzt oder ob man externe Beratung heranzieht.

Im Berufsfeld des Architekten bedeutet dies wiederum, daß es eigentlich egal ist, ob man selbst Zimmerer ist oder nicht. Natürlich bringt Fachwissen immer einen Vorteil, jedoch ist es nicht das essentielle der Architektur. Architektur baut nicht auf Details auf, sondern die Details müssen den Charakter der Architektur transportieren und nicht zerstören. Kann ich dieses Detail nicht selbst entwickeln, ist es nicht tragisch, ich kann immer einen Handwerker zu Rate ziehen. Das Feld der Architektur ist zu groß, um immer alles wissen zu können.

Warum also diese ewige Herumreiterei auf Kleinigkeiten, ob man nun DIN Zeichnungen und 50 Betonarten rauf- und runterbeten kann oder nicht, was zählt ist doch die Erfahrung im Beruf, und speziell die Erfahrung im Berufsfeld des Architekten. Überschneiden sich diese Betätigungsfelder bei manchen Bauzeichnern und Architekten, dann ist das ja schön, es ist aber nicht generell der Fall, und ich finde, daß nach 12-13 Jahren Gymnasium z.B. Nebenfächer wie Religion, Mathe oder anderes einfach nur überflüssig sind.

Ich persönlich stimme Florian zu, Praktika sind sehr wichtig, auch besonders vor und während dem Studium, ob jetzt aber jemand 3 Jahre Lehre machen will oder aber während und nach dem Studium arbeiten will, bleibt jedem selbst überlassen, und ich denke nicht, daß wir hier in der Diskussion noch zu einer allgemeinen Werteneutralen Beurteilung kommen.

Florian 29.11.2006 23:12

Das meiste ist in dieser Diskussion bereits von beiden Lagern gesagt worden, daher wolle ich noch einmal zwei weitere Punkte in der Dikussion vertiefen die heute gefallen sind, als ich mich mit jemandem über dieses Thema unterhalten habe. Einen davon hatte ich in der Ursprungsdiskusson bereits kurz angeführt, der andere wurde auch bereits kurz angesprochen.



Mit einer Ausbildung habe ich wenigstens bereits etwas in der Hand

Ja und Nein. Wahr ist mit Sicherheit, dass im Falle eines Studiumabbruches eine abgeschlossene Ausbildung vorliegt, mit der man sich einen Beruf suchen könnte.
Weniger Erfolg dürfte man vermutlich haben, wenn man nach dem Studium glaubt in den Ausbildungsberuf zurückkehren zu können. Ich fürchte, dass man in den meisten Betrieben mit einem Dipl.-"sonstwas" nicht mehr als angestellt wird: als einfacher Mitarbeiter ist man überqualifiziert und als z.B. Polier fehlt einem die Berufserfahrung... (Das gilt natürlich nicht nur für Bauberufe.)


Mangel an Ausbildungsplätzen

Dem einzelnen dürfte dieses Argument reichlich egal sein, irgendwo muss jeder sehen wo er bleibt, gesellschaftlich könnte es aber doch eine Frage sein, ob es gut ist, wenn jemand, der sich bereits sicher ist, dass er nicht in dem gelernten Beruf bleiben wird und stattdessen später studieren wird einen Ausbildungsplatz besetzt.
Zum einen fehlt dieser Ausbildungsplatz jemandem, der kein Abitur hat und deshalb darauf angewiesen ist eine Ausbildung zu machen, zum anderen fehlt es später möglicherweise an gut ausgebildeten Leuten.

Zweiteres kommt wie ein Bumerang auf den Architekten zurück.
Viele Handwerksbetriebe beklagen z.Zt. dass es an qualifizierten Mitarbeitern mangelt, d.h. umso weniger tatsächlich für die Ausübung des Berufes ausgebildet werden (weil sie nämlich später studieren), desto geringer ist die Auswahl und umso weniger gute Leute wird es geben.
Und der Bumerangeffekt ist, dass das der Architekt (der selber eine Ausbildung absolviert hat) sich über die schlechte Arbeit auf dem Bau beschwert...

Ich weiß nicht ob sich diese Argumentation, bzw. dieser Gedankengang mit Fakten untermauern lässt, es schein mir aber doch recht schlüssig - auch wenn es den einzelnen vermutlich nicht interessiert.

Archimedes 29.11.2006 23:30

Zitat:

Originally posted by Florian

Mit einer Ausbildung habe ich wenigstens bereits etwas in der Hand

....

Weniger Erfolg dürfte man vermutlich haben, wenn man nach dem Studium glaubt in den Ausbildungsberuf zurückkehren zu können. Ich fürchte, dass man in den meisten Betrieben mit einem Dipl.-"sonstwas" nicht mehr als angestellt wird: als einfacher Mitarbeiter ist man überqualifiziert und als z.B. Polier fehlt einem die Berufserfahrung... (Das gilt natürlich nicht nur für Bauberufe.)

Na, daß sehe ich nicht ganz so.

Es gibt ein Überangebot an Architekten. Ob man nun einen Bauzeichner oder einen Dipl.-Sonstwas einstellt ist im Prinzip egal, denn man bekommt beide fürs gleiche weinige Geld momentan. Der Titel interessiert kaum, wenn es nicht um typische Architektenarbeiten wie Entwerfen geht. Wer von den Beiden besser mit dem PC umgehen kann und mehr von der Büroabwicklung versteht bekommt den Job und die 800-1500 €/brutto Monat. Titel hin oder her.

Auch wenn man mich steinigt: Manche Büros stellen mit Sicherheit lieber einen Bauzeichner mit 10 Jahren Berufserfahrung ein, als einen frischgebackenen Architekturabsolventen. Es kommt halt drauf an, wofür man die Leute einsetzen möchte.




Zitat:

Originally posted by Florian

Mangel an Ausbildungsplätzen

...
Zweiteres kommt wie ein Bumerang auf den Architekten zurück.
Viele Handwerksbetriebe beklagen z.Zt. dass es an qualifizierten Mitarbeitern mangelt, d.h. umso weniger tatsächlich für die Ausübung des Berufes ausgebildet werden (weil sie nämlich später studieren), desto geringer ist die Auswahl und umso weniger gute Leute wird es geben.
Und der Bumerangeffekt ist, dass das der Architekt (der selber eine Ausbildung absolviert hat) sich über die schlechte Arbeit auf dem Bau beschwert...

Ich weiß nicht ob sich diese Argumentation, bzw. dieser Gedankengang mit Fakten untermauern lässt, es schein mir aber doch recht schlüssig - auch wenn es den einzelnen vermutlich nicht interessiert.


Wenn Du Dir den von mir im ersten Beitrag geposteten Link "IHK Rheinhessen" anschaust, dann stellt Du fest, daß in dieser Region nur 29 Betriebe von 68 Betrieben, die einen Bauzeichner ausbilden dürfen, auch tatsächlich einen in der Ausbildung haben.
Das liegt, nach meiner Meinung nicht daran, daß die anderen Betriebe alle nicht ausbilden wollen, sondern das sie keine guten Leute finden, die diesen Job erlernen wollen.
Ich denke es gibt zuwenige Leute, die diesen Beruf erlernen wollen, weil die Zukunftsaussichten zu schlecht sind, weil der Markt von "günstigen" Architekten überschwemmt ist, die die Bauzeichner aus ihrer klassischen Rolle verdrängen.
Da heißt, wenn man die Absolventenzahlen in den nächsten Jahren nicht so reduziert bekommt, daß auch wieder Platz für "klassische" Bauzeicher auf dem Arbeitsmarkt ist, dann kann man die Ausbildung als Bauzeichner wohl tatsächlich nur noch als Vorbereitung auf das Architekturstudium bzw. Architektenberuf oder eine andere weiterführende Ausbildung anstreben.

noone 30.11.2006 00:07

Machen wir uns doch nichts vor: Bauzeichner ist eine aussterbende Berufsbranche. Die zwei letzten Lehrlinge im Büro sagten, daß fast niemand als Bauzeichner arbeit gefunden hat, und die jetzige wird wohl Sport studieren gehen. Auf dem Arbeitsamt hört man auch dasselbe.

Wenn man Architekten zum Bauzeichnergehalt einstellen kann, ist es ja wohl auch kein Wunder........

timovic 30.11.2006 12:54

Zitat:

Originally posted by Archimedes


Auch wenn man mich steinigt: Manche Büros stellen mit Sicherheit lieber einen Bauzeichner mit 10 Jahren Berufserfahrung ein, als einen frischgebackenen Architekturabsolventen. Es kommt halt drauf an, wofür man die Leute einsetzen möchte.


Meine Erfahrung in 5 Büros unterschiedlichster Größe (1-80 Mann) sagt mir, dass keines davon einen Bauzeichner einstellen wird oder gar hat.
In Zeiten von Prozessoptimierung und Kostendruck ist jede Hierarchiestufe weniger ein Vorteil.

Archimedes 30.11.2006 13:24

Wie wir schon festgestellt haben sind die "klassischen" Bauzeichner am Aussterben, deswegen auch immer seltener anzutreffen.
Ich hatte den Bauzeichner (mit 10 jahren Berufserfahrung) auch nicht als Untergebenen des Architekten gesehen, sondern als Mitarbeiter auf gleicher Augenhöhe. Eventuell bei festgelegten Aufgabenbereichen, wie beispielsweise Ausschreibung und Abrechnung. Da bringen die 10 Jahre Erfahrung mehr als das Studium.

Hast Du bei dem 80-Mann-Büro wirklich den Lebenslauf von Jedem gekannt?;)

timovic 05.12.2006 17:28

Natürlich nicht. Ich meinte auch nur, dass dort niemand als BZ angestellt ist. Daher würde ich pers. eher eine Ausbildung im Handwerk (Zimmerer, Schreiner, Schlosser etc.) - falls man denn wirklich möchte - vorziehen.
Einfach nur, damit man mal die andere Seite des Baualltags sieht.
Wobei ich da Florians Argument mit den "weggenommenen" Ausbildungsplätzen teile. Die teils desolate Ausbildungssituation liegt durchaus auch daran, dass immer häufiger Abiturienten eine Ausbildung vor dem Studium machen. Und ob man für eine Ausbildung zum Bankkaufmann (ist ja ein klassischer Fall) nun wirklich Abitur braucht wage ich ganz klar zu bezweifeln. Trotzdem haben Realschüler kaum noch eine Chance auf einen solchen Ausbildungsplatz.

Archimedes 05.12.2006 17:57

Zitat:

Originally posted by timovic

Einfach nur, damit man mal die andere Seite des Baualltags sieht.
Wobei ich da Florians Argument mit den "weggenommenen" Ausbildungsplätzen teile. .

An dieser Stelle sollte man aber auch die "weggenommen" Studienplätze nennen, die oft von Abiturienten besetzt werden, die mal einfach drauflos studieren, ohne wirklich zu wissen ob das Fach sich für sie eignet und dann nach 1,2,3...Semestern den Studiengang wechseln, vielleicht sogar mehrmals.
Für die Leute die dieses Fach aber ernsthaft studieren wollten und wegen solchen "unentschlossenen Rumprobierern" keinen Studienplatz bekommen haben, heisst es erstmal Pech gehabt!

Ich glaube, Lehrplätze gibts dann doch etwas reichlicher, denn oft suchen Betriebe händeringend, finden aber keine geeigneten und motivierten Leute.


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