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bimfood 14.08.2012 13:44

Wie "sauber" zeichnet Ihr?
 
Es ist oft zu beobachten, dass Architekten (im Gegensatz zu Bauzeichnern, etc)
in ihren Zeichnungen wenig auf eine saubere Struktur und Genauigkeit achten.
da liegen häufig Punkte nicht exakt aufeinander, mal werden Linienstärken
am Objekt, mal über die Layersteuerung eingestellt und das innerhalb einer
Datei und so weiter.

Wie sauber arbeitet Ihr? Wie geht Ihr mit dieser Art Schlampereien im Büro um?
Ist es sinnvoll handwerklich "perfekt" zu zeichnen?

bim

Florian 14.08.2012 14:34

AW: Wie "sauber" zeichnet Ihr?
 
Es kommt darauf an...

Bei uns gibt es eine klare Layerstruktur, an die sich auch eigentlich jeder hält.
Im Wettbewerb unterscheidet man dann aber nicht zwischen Mauerwerk und Beton. Da zeichne ich immer alles auf dem Beton-Layer.

In der Ausführung sieht das natürlich anders aus.


Für die Zeichengenauigkeit trifft das auch zu. Ich habe zwar nur vor dem Studium mal mit Rapi gezeichnet, dennoch sollte man mit einer ähnlichen Mentalität herangehen.
Bei einer 1:500 Planung braucht man nicht auf einen Zentimeter heran zu zoomen. Da macht das auch nichts, wenn die Linie vielleicht mal um 0,1 Grad schief ist. Denn im Ausdruck sieht man das nicht.

Wenn Du dem Schlosser aber so eine Zeichung gibst, könnte es sein, dass die Stahltreppe dann nicht mehr da ankommt wo sie sollte... ;)

Archimedes 14.08.2012 21:18

AW: Wie "sauber" zeichnet Ihr?
 
Zitat:

Zitat von bimfood (Beitrag 47526)
Ist es sinnvoll handwerklich "perfekt" zu zeichnen?

Ich versuche fast immer perfekt zu zeichnen und erwische mich sogar oft dabei, dass ich in Mauer- oder Rastermaßen denke und arbeite.
Oft ist das natürlich übertrieben, aber es hat sich auch schon häufig bezahlt gemacht und schließlich lebt man diese Genauigkeit auch den Mitarbeitern vor, von denen man sonst auch nichts besseres erwarten dürfte.
Bei rechten Winkel bin ich immer schon am Anfang ganz genau, weil ich einmal im alten Büro eine Entwurfsplanung einer größeren mehrgeschossigen Pflegeeinrichtung in Ausführungspläne umwandeln und weiterbearbeiten sollte und mein Vorgänger fast keinen rechten Winkel im eigentlich absolut orthogonal entwickelten Gebäude hatte. Nach ca. 2 Tagen hatte ich dann alle Winkel von 89,95 und 90,1 ° auf 90° korrigiert und die Zimmergrößen wieder einheitlich angepaßt....

Natürlich kann man beim Entwurf deutlich freier rangehen, aber mit glatten Maßen und Winkeln arbeite ich immer, denn es sieht schon doof aus wenn einfachste Entwurfsbaukörper 16,057 m x 8,978 m groß sind und 3,034 m von der Grenze wegstehen. Spätestens wenn man diese Maße manuell korrigiert hätte man es auch sofort "ordentlich" zeichnen können.

Linienstärken sind wichtig, werden aber selten korrekt (nach DIN) eingehalten, sondern der Lesbarkeit entsprechend benutzt.

Eine gute Layerstruktur ist hingegen sehr wichtig, wobei bei schnellen Entwürfen auch erstmal vieles auf dem gleichen Layer landet. Spätestens für die Genehmigungsplanung wird dann aber sortiert.

fst 15.08.2012 12:41

AW: Wie "sauber" zeichnet Ihr?
 
Ich würde auf jeden Fall Archimedes zustimmen.

Solange die Chance besteht das die Datei weiter benutzt wird zahlt sich
die Genauigkeit später wieder aus.

Es sollte auch nicht so schwer sein den rechten Winkel und gerade Maße
einzuhalten. Ich sehe aber sehr oft Zeichnungen in denen sich ein paar
abweichende Winkel eingeschlichen haben.
Diese dann zu korrigieren ist meist sehr zeitaufwendig.

Zumindest bei BIM Programmen kann man in der Regel mit den Ebenen
anfangs etwas lascher umgehen, da ich diese später recht einfach aufräumen kann. Z.B. alle Wände <15 cm auswählen und auf eine entsprechende Ebenen legen.

bimfood 15.08.2012 14:00

AW: Wie "sauber" zeichnet Ihr?
 
Ok. Ich stimme ebenfalls mit Archimedes´ Meinung überein. Nur wie sorgt man
dafür, dass auch die Kollegen zu dieser Überzeugung kommen? Werden bei
Euch im Büro solche Vorkommnisse geahndet? Oder fordert Euch vllt. Euer
Chef dazu auf "nicht so genau, sondern lieber schnell" zu arbeiten?

Ich sehe es auch so, dass nachträgliches manuelles korrigieren von Maßketten
ebenso aufwändig ist wie das Erstellen einer sorgfältigen Zeichnung. Leider
lernen Mitarbeiter nicht aus "Fehlern", selbst dann nicht wenn sie diese in
unbezahlten Überstunden ausbügeln müssen. Ich bin ratlos.

Florian 15.08.2012 14:43

AW: Wie "sauber" zeichnet Ihr?
 
Zitat:

Zitat von Archimedes (Beitrag 47535)

Natürlich kann man beim Entwurf deutlich freier rangehen, aber mit glatten Maßen und Winkeln arbeite ich immer, denn es sieht schon doof aus wenn einfachste Entwurfsbaukörper 16,057 m x 8,978 m groß sind und 3,034 m von der Grenze wegstehen.

Stimmt nicht ganz. Man sieht es eben nicht! ;)
Natürlich wäre es quatsch im Entwurf auf die dritte Stelle hinterm Komma zu achten. Wenn die Linie aber aus irgendeinem Grund so sitzt, sollte man den Ordnungstrieb zügeln. Solche Fehler auszubügeln kostet unnötig Zeit.

Hier ist aber ganz klar zwischen Voreintwurf / Wettbewerb und Entwurf/Ausgührung zu unterscheiden!

Archiologe 15.08.2012 14:45

AW: Wie "sauber" zeichnet Ihr?
 
Das ist jedesmal zum Mäusemelken! Früher hat man schön was mit dem Rapi gezeichnet und es stimmte immer!
Man war sein eigener Herr und drufte auch mal schummeln, ging auch!!!

An diesen Dezimalzahlenorgien ist nur das CAD schuld, hat außer bei Metallarbeiten nur den Zweck, meine Nerven zu ruinieren!

Kieler 15.08.2012 15:24

AW: Wie "sauber" zeichnet Ihr?
 
ganz exakt, egal wofür, früher oder später rächt es sich sonst (fast) immer

Archimedes 15.08.2012 17:34

AW: Wie "sauber" zeichnet Ihr?
 
Zitat:

Zitat von Archimedes (Beitrag 47535)
...denn es sieht schon doof aus wenn einfachste Entwurfsbaukörper 16,057 m x 8,978 m groß sind und 3,034 m von der Grenze wegstehen. Spätestens wenn man diese Maße manuell korrigiert hätte man es auch sofort "ordentlich" zeichnen können.

Zitat:

Zitat von Florian (Beitrag 47546)
Stimmt nicht ganz. Man sieht es eben nicht! ;)

Also wir vermaßen auch schonmal unsere Entwürfe...;)

Ich habe schneller einen Baukörper mit 16 x 9 m generiert, der mit einem definierten Abstand parallel von einer Bezugslinie wegsitzt, als das ich alle Maße später runden oder manuell korrigieren gehe. Das wollte ich sagen.

Wir arbeiten auch von Anfang an mit den richtigen Grundstücksabmessungen und realistischen Wandstärken, denn gerade bei engen Situationen (Baulücken usw.) ist das enorm wichtig.
Wäre doch schade, wenn man einen tollen Entwurf präsentiert und später kleinlaut eingestehen muß, dass keine Treppe reinpaßt.

Florian 15.08.2012 17:46

AW: Wie "sauber" zeichnet Ihr?
 
Zitat:

Zitat von Archimedes (Beitrag 47549)
realistischen Wandstärken

Nunja, ich würde im Wettbewerb/Vorentwurf keine 0,125m (12,5cm) Wände zeichen. Da müsste ich die Linie vom Raster jeweils um 0,0625 versetzen...
Da mach ich doch eine 10cm Wand draus, dass spart Zeit beim eintippen ;)

Tom 15.08.2012 18:22

AW: Wie "sauber" zeichnet Ihr?
 
Zitat:

Zitat von bimfood (Beitrag 47544)
Nur wie sorgt man
dafür, dass auch die Kollegen zu dieser Überzeugung kommen? Werden bei
Euch im Büro solche Vorkommnisse geahndet? Oder fordert Euch vllt. Euer
Chef dazu auf "nicht so genau, sondern lieber schnell" zu arbeiten?

Layerstandards, Datei- und Blockbezeichnungen, Ablagestrukturen müssen in einem Bürohandbuch festgelegt sein. Da reichen 3 DIN A4-Seiten. Schafft auch das kleinste Büro. Wenn ein großer Laden nach ISO 9001 zertifiziert ist, kann sowas schon etwas umfangreicher werden. Die Chefs müssen das schon vorleben/einfordern. Also nicht nur loben, wenn etwas auf den letzten Drücker fertig geworden ist, sondern klar kritisieren, wenn es aussieht wie sau.

Zitat:

Zitat von Florian (Beitrag 47546)
Hier ist aber ganz klar zwischen Voreintwurf / Wettbewerb und Entwurf/Ausgührung zu unterscheiden!

Das ist eine Haltung, die ich auch gut kenne, die aber auch noch aus der manuellen (Rapido-) Zeit stammt, in der man bei den Maßstabssprüngen für die folgenden LPH sowieso alles neu und genauer gezeichnet hat. Viele Büros bleiben heutzutage durch die LPH hindurch in den gleichen Dateien, so dass Ungenauigkeiten zum Teil bis zum Schluss mitgeschleppt und akkumuliert werden.

Bei ganz großen Projekten gibt es oft einen CAD-Projektmanager, der auf die Einhaltung der Standards pocht. Denn da ist alles für den Austausch mit Externen ja vertraglich festgeschrieben. Da wird dann einfach eine Datei ohne Rücksprache gelöscht, wenn sie falsch benannt zur Unzeit im falschen Verzeichnis liegt. Das erzieht ungemein ...

T.

Archiologe 15.08.2012 18:28

AW: Wie "sauber" zeichnet Ihr?
 
Zitat:

Zitat von Tom (Beitrag 47551)
Das ist eine Haltung, die ich auch gut kenne, die aber auch noch aus der manuellen (Rapido-) Zeit stammt, in der man bei den Maßstabssprüngen für die folgenden LPH sowieso alles neu und genauer gezeichnet hat. Viele Büros bleiben heutzutage durch die LPH hindurch in den gleichen Dateien, so dass Ungenauigkeiten zum Teil bis zum Schluss mitgeschleppt und akkumuliert werden.

Nur, in welcher Genauigkeit wird denn gebaut? Sind wir Maschinenbauer? Und außerdem bin ich dafür, nicht alles in einen Plan zu zwängen. Lieber rauskopieren und neue Datei erstellen. Sonst wird man verrückt!!!!

Tom 15.08.2012 19:02

AW: Wie "sauber" zeichnet Ihr?
 
Zitat:

Zitat von Archiologe (Beitrag 47552)
Nur, in welcher Genauigkeit wird denn gebaut? Sind wir Maschinenbauer? Und außerdem bin ich dafür, nicht alles in einen Plan zu zwängen. Lieber rauskopieren und neue Datei erstellen. Sonst wird man verrückt!!!!

Die Genauigkeit, die in der LPH 5 vermaßt, ausgeschrieben und produziert wird, liegt im Millimeter-Bereich. In seltenen Ausnahmefällen bei Zehntelmillimetern (wenn man eine Metall- oder Glaskonstruktion mit feinen Teilungen hat, die sonst in der Summe nicht stimmen). Es ist schon eine große Hilfe, wenn man die Dateien aus der LPH 3/4 als Rohdetails übernehmen und dann in Ausschnittskopien die Punkte fertig entwickeln und automatisch vermaßen kann. Das ist für mich der Hauptgrund für das genaue Zeichnen, dass die Bemaßung ohne Sonderverrenkungen stimmt.

T.

k-roy 15.08.2012 19:05

AW: Wie "sauber" zeichnet Ihr?
 
Zitat:

Zitat von Tom (Beitrag 47551)
Das ist eine Haltung, die ich auch gut kenne, die aber auch noch aus der manuellen (Rapido-) Zeit stammt, in der man bei den Maßstabssprüngen für die folgenden LPH sowieso alles neu und genauer gezeichnet hat. Viele Büros bleiben heutzutage durch die LPH hindurch in den gleichen Dateien, so dass Ungenauigkeiten zum Teil bis zum Schluss mitgeschleppt und akkumuliert werden.

genau, man sollte von Anfang an exakt, layer- und strichstärken und maßgenau und geradewinklig zeichnen.
1) weil dann doch in der nächsten Leistungsphase nicht alles neu gezeichnet wird
2) weil einen die Handwerker für bescheuert-krumme masse auslachen
3) weil fachplaner die zeichnungen auch als Grundlage bekommen
4) weil im Besten Fall für die 50tel auch Schnitte, 3dModell, Ansichten mit der Zeichnung verknüpft sind.
5) wenn man nicht Bürostandard zeichnet (Layer), gibt es schlichtweg Chaos und Fehler.
6) weil Zeichengenauigkeit Unmengen an Zeit spart !

personal cheese 15.08.2012 22:02

AW: Wie "sauber" zeichnet Ihr?
 
Zitat:

Zitat von Archiologe (Beitrag 47552)
Und außerdem bin ich dafür, nicht alles in einen Plan zu zwängen. Lieber rauskopieren und neue Datei erstellen. Sonst wird man verrückt!!!!

Au, rauskopieren heißt, Redundanzen zu erzeugen, die dann jemand parallel pflegen musss...


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