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Datum: 11.04.2011
Uhrzeit: 22:48
ID: 43323



für das chinesische regime bauen? interview mit gerkan

#1 (Permalink)
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stoff für diskussionen: ein interview des spiegel mit m.v. gerkan.

meine lieblingsstelle:

"...Das Koolhaas-Gebäude ist grauenvoll, unfunktional, stadtbeleidigend, hochmütig. Es spielt mit dem chinesischen Ehrgeiz, avantgardistischer als alle anderen zu sein."

SPIEGEL-GESPRÄCH: "Weltfremd und unglaubwürdig" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
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Beitrag
Datum: 19.04.2011
Uhrzeit: 10:48
ID: 43448



AW: für das chinesische regime bauen? interview mit gerkan

#2 (Permalink)
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Hier ein Interview mit M.v.Gerkan als Studiogast bei DAS! vom 17.04. im NDR.

Themen u.a.:

-Entwurfsprinzipien
-Berliner Hauptbahnhof
-Elb-Philharmonie H&deM in HH
-Chinesisches Nationalmuseum
-Arbeiten in China
-Hochzeit Kate&William
-Dalli-Klick -Bauten erkennen (sehr entlavend! )
-Kindheit
-Flughafen Tegel

Videos und Audios in der NDR Mediathek | NDR.de - Mediathek

Dann noch auf "mediaplayer starten" klicken und...

Viel Vergnügen!

Geändert von Archiologe (19.04.2011 um 12:56 Uhr).

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Beitrag
Datum: 26.04.2011
Uhrzeit: 07:54
ID: 43494



AW: für das chinesische regime bauen? interview mit gerkan #3 (Permalink)
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Nach der Lektüre des Gesprächs mit Meinhard von Gerkan ist mir einmal mehr klargeworden, was ich Tag für Tag zu verdrängen suche: daß nämlich die Hölle auf Erden ist und daß Architekten sie gestalten.

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Beitrag
Datum: 26.04.2011
Uhrzeit: 16:50
ID: 43506



AW: für das chinesische regime bauen? interview mit gerkan #4 (Permalink)
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Zitat:
Zitat von Leila Beitrag anzeigen
Nach der Lektüre des Gesprächs mit Meinhard von Gerkan ist mir einmal mehr klargeworden, was ich Tag für Tag zu verdrängen suche: daß nämlich die Hölle auf Erden ist und daß Architekten sie gestalten.
Kannst Du die Aussage mal näher erklären?
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Florian Illenberger

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Beitrag
Datum: 26.04.2011
Uhrzeit: 17:30
ID: 43508



AW: für das chinesische regime bauen? interview mit gerkan #5 (Permalink)
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Gerne, lieber Florian!
SPIEGEL: Die Festnahme Ais hat abermals erwiesen, dass die chinesische Regierung Andersdenkende drangsaliert. Durch Vorkommnisse wie diese geraten auch Deutsche, die mit chinesischen Offiziellen zusammenarbeiten, in die Kritik. Was sagen Sie zu solchen Vorwürfen?

Gerkan: Dieser Vorwurf wird von Ihnen erhoben, jetzt und hier. Das heißt ja nicht, dass ihn auch andere anführen.

SPIEGEL: Vielleicht werfen Sie mal einen Blick in die „Frankfurter Allgemeine“ oder den „Stern“?

Gerkan: Natürlich hat mich die Festnahme Ais erschrocken. Ich schätze ihn als Künstler sehr, könnte mir auch vorstellen, mit ihm zusammenzuarbeiten. Ein Freund von mir ist mit ihm befreundet. Ai provoziert absichtlich, vermutlich weil er meint, er könne damit etwas bewirken.
Zuerst versucht Gerkan zu relativieren, später aber gibt er zu, erschrocken gewesen zu sein. Ich als Erschrockene hätte meinen Schrecken gleich zu Beginn zum Ausdruck gebracht und nicht erst versucht, abzuschwächen und auszuweichen, um schließlich mir selbst zu widersprechen. – Mit der Hölle meinte ich nichts anderes als die Moral, die jenen am lästigsten ist, die entweder keine oder eine doppelte haben.

Gruß von Leila

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Datum: 30.04.2011
Uhrzeit: 23:25
ID: 43587



AW: für das chinesische regime bauen? interview mit gerkan #6 (Permalink)
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D.h. Du findest es moralisch nicht vertretbar in, bzw. für Staaten zu bauen, deren Rechts- und Demokratieverständnis nicht dem unseren entspricht?
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Florian Illenberger

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Datum: 02.05.2011
Uhrzeit: 11:28
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AW: für das chinesische regime bauen? interview mit gerkan #7 (Permalink)
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Gegenfrage: Ist es als ein Albert Speer (nehmen wir mal rein hypotetisch an, er seie von jeglicher NS Ideologie befreit) moralisch, für das NS-Regime zu bauen?

Die Frage macht deutlich: Bauen für nichtdemokratische Regime ist vom Grundsatz her immer dasselbe, man macht sich in so weit mitschuldig, indem man das Regime unterstützt.

Es ist ein Stück weit individuelle Abwägungssache, für wie undemokratisch ein Regime eingeschätzt wird. Welche Systeme sind noch salonfähig? China? Russland? Syrien? Iran? Lybien? Architekten mögen vielleicht noch über Moral debattieren, die Rüstungsindustrie liebt diese Regime.

Lediglich die Geschichte bringt im Laufe der Zeit die Wahrheit ans Licht und definiert letztendlich den Ausgang der Dinge. Wenn in Zukunft eine demokratische Regierung in China regiert und die Verbrechen der Vorgängerregierung aufarbeitet, werden die Regime-Architekten ein Stück weit mit im Boot sitzen.

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Datum: 02.05.2011
Uhrzeit: 13:16
ID: 43600



AW: für das chinesische regime bauen? interview mit gerkan #8 (Permalink)
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Zitat:
Zitat von Florian Beitrag anzeigen
D.h. Du findest es moralisch nicht vertretbar in, bzw. für Staaten zu bauen, deren Rechts- und Demokratieverständnis nicht dem unseren entspricht?
Ja. – Nun werde ich mir alle Mühe geben, hier nicht als Moralapostel aufzutreten. Was ich aber nicht vermeiden kann, das ist, für eine Weltfremde gehalten zu werden.

Wenn ein deutscher Architekt im fernen China den armen Chinesen erschwingliche und erdbebensichere Häuser baut, hat er wohl kaum mit Entrüstung zu rechnen, auch dann nicht, wenn sich „das Regime“ mit solchen Bauwerken brüsten würde. Der Bau von stabilen Häusern für die Armen, Unterdrückten und Ausgebeuteten ist aber so ziemlich das letzte Anliegen der Mächtigen. Denn diese wollen vor allen andern Dingen ihre Macht stabilisieren, und zwar so, daß ihr Wille möglichst weitherum sichtbar wird. Dazu eignen sich monumentale Denkmäler, pompöse Verwaltungspaläste, weitläufige Museen, riesige Stadien (die nur die wenigsten von innen zu Gesicht bekommen) und schwindelerregende Wolkenkratzer am besten. An ihnen läßt sich, nebst der bautechnischen Leistung, die Stabilität der Macht der Mächtigen ablesen. Ein Architekt aber, der zu Gunsten der Ohnmächtigen handelt, wird eines mit Sicherheit nicht: weltbekannt. Dafür bleibt er von moralischen Debatten verschont.

Gruß von Leila

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Datum: 02.05.2011
Uhrzeit: 13:48
ID: 43601



AW: für das chinesische regime bauen? interview mit gerkan #9 (Permalink)
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Zitat:
Zitat von noone Beitrag anzeigen
[…] Welche Systeme sind noch salonfähig? China? Russland? Syrien? Iran? Lybien? Architekten mögen vielleicht noch über Moral debattieren, die Rüstungsindustrie liebt diese Regime. […]
Ich kenne keinen Inhaber oder Teilhaber einer Rüstungsfirma persönlich. Das liegt aber nicht an meiner Zurückhaltung oder Unnahbarkeit, sondern an der Zurückhaltung und Unnahbarkeit der Inhaber oder Teilhaber der Rüstungsfirmen. Da ich nicht mehr auf dem Laufenden bin, weiß ich nicht, wie die heutigen jungen Architekten denken: ob sie auch, wie Mann noch heute, voller Idealismus sind, ob sie, anstatt Kaninchenställe für Menschen zu bauen, den Slogan „schöner Wohnen“ zu verwirklichen suchen, z.B. im Sozialwohnungsbau, also nicht nur für sich selbst. – Um es zynisch zu sagen: Die Besitzer der Rüstungsfirmen gehen nicht mit ihrer Moral hausieren; sie schweigen und verstecken sich so gut sie können (der Begriff „Société anonyme“ kam mir stets eindeutig vor und treffender als die deutsche Bezeichnung „Aktiengesellschaft“).

Gruß von Leila

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Datum: 02.05.2011
Uhrzeit: 22:53
ID: 43614



AW: für das chinesische regime bauen? interview mit gerkan #10 (Permalink)
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Ich bin nicht überzeugt davon, dass man durch Boykott einer Regierung mehr bewegen kann, als durch sachte "Infiltrierung".

Nordkorea wird seit Jahren boykottiert, das hat aber nicht zu einer Demokratisierung geführt.

Soweit ich das überblicken kann, ist die Entwicklungen und Öffnung von China über die letzten 20 bis 30 Jahre enorm, wenn auch nach unserem Verständnis nicht ausreichend.
Ein Nationalmuseum halte ich aber durchaus für ein Gebäude, das auf dem Weg zu einer Demokratisierung eine wichtige Rolle spielen kann (soweit Architektur das kann). Museen sind Orte an denen sich das Volk mit der eigenen Geschichte beschäftigen kann und an dem Kultur anderer Länder vorgestellt wird.

Ich kann mich hingegen nicht erinnern, dass HdM für den Bau des Olympiastadions großartig kritisiert wurde, dabei werden Stadien viel häufiger zur Inszenierung des Staatsapparates genutzt. (Siehe Qlympiastadion Berlin, 1936...)

Aber auch die großen Demokratien, wie z.B. die USA, treten in manchen Beziehungen die Menschenrechte mit Füßen. Die USA hält seit bald 10 Jahren (!) Menschen ohne rechtsstaatliches Verfahren gefangen. Definitiv nicht zu vertreten - aber wer fände es moralisch verwerflich für die amerikanische Regierung zu bauen?

Wer glaubt, als Moralapostel etwas bewegen zu können hat sich gewaltig geschnitten. Wer als westlicher Architekt meint, in anderen Kulturen Staatsleuten sagen zu können, was richtig und was falsch ist, wird schneller von seinen Aufgabe entbunden als er vielleicht glaubt... Damit ist dann auch jegliche Einflussnahme vorbei.
Was man aber machen kann, sind Vorschläge. Dabei wird vielleicht nicht der erste oder zweite gleich angenommen, aber ganz langsam kann man so auch etwas bewegen.
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Florian Illenberger

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Datum: 03.05.2011
Uhrzeit: 00:52
ID: 43618



AW: für das chinesische regime bauen? interview mit gerkan #11 (Permalink)
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Lieber Florian!

Deinen ausführlichen Beitrag habe ich mit großem Interesse gelesen und, wie ich meine, auch verstanden.
Wer glaubt, als Moralapostel etwas bewegen zu können hat sich gewaltig geschnitten. Wer als westlicher Architekt meint, in anderen Kulturen Staatsleuten sagen zu können, was richtig und was falsch ist, wird schneller von seinen Aufgabe entbunden als er vielleicht glaubt... Damit ist dann auch jegliche Einflussnahme vorbei.
Und, was noch wichtiger ist als jedwede Moral: auch die Einkünfte wären gleich null (an Gewinnst wäre nicht zu denken).

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Datum: 04.05.2011
Uhrzeit: 15:32
ID: 43641



AW: für das chinesische regime bauen? interview mit gerkan #12 (Permalink)
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Architekten neigen einfach an enormer Selbstüberschätzung. Wenn man für diese Staaten baut, dann ist es vorrangig erst mal Business. Sonst nichts.

Auch HDMs Stadion tut rein gar nichts zur Demokratisierung, obwohl ein Ai wei wei dabei beteiligt war. Wie soll ein Stadion zur Demokratisierung beitragen? Genausowenig wie ein Museum, das sich vorrangig nicht durch die Fassade, sondern durch die Exponate defiert.

Wie ich bereits sagte, es gibt viele Architekten, die fleissig für undemokratische Regime bauen. Die Moral ist eine Momentaufnahme der Meinung der Mächtigen. Das kann sich relativ schnell ändern, siehe die angesprochene Quantanamo und Afghanistan - Argumente.

Obwohl ich die Zurschaustellung der Ablehnung eines Ingenhoven nicht gut finde - ich persönlich würde auch nicht in China bauen wollen. Ich kann nicht damit umgehen, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die ihr eigenes Volk unterdrücken.

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Datum: 04.05.2011
Uhrzeit: 16:07
ID: 43642



AW: für das chinesische regime bauen? interview mit gerkan #13 (Permalink)
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Zitat:
Zitat von Leila Beitrag anzeigen
Nach der Lektüre des Gesprächs mit Meinhard von Gerkan ist mir einmal mehr klargeworden, was ich Tag für Tag zu verdrängen suche: daß nämlich die Hölle auf Erden ist und daß Architekten sie gestalten.
es wäre bestimmt eine interessante Aufgabe eine Hölle zu entwerfen....

spontan würde ich den klassischen ansatz wählen: mit viel feuer und rot-glühenden hörnen über dem eingang
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jochenvollmer.de

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Datum: 04.05.2011
Uhrzeit: 17:19
ID: 43644



AW: für das chinesische regime bauen? interview mit gerkan #14 (Permalink)
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Zitat:
Zitat von noone Beitrag anzeigen
Architekten neigen einfach an enormer Selbstüberschätzung. Wenn man für diese Staaten baut, dann ist es vorrangig erst mal Business. Sonst nichts.
Im Grunde teile ich da Deine Einschätzung. Allerdings kann Architektur durchaus Einladend oder auch Ausladend sein. Gut gemachte Architektur lädt ggf. auch eher zum Verweilen, Nachdenken, Zusammensitzen und Diskutieren ein.

Generell ist aber der kulturelle Austausch Anstoß für Entwicklungen, auch demokratischer Art. Das einzelne Gebäude, das einzelne Auto oder der einzelne Film ist dabei zwar nur ein sehr kleines Glied in der Kette, aber alleine durch den einhergehenden menschlichen Austausch zwischen westlichen Mitarbeitern und Einheimischen wird etwas bewegt.
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Florian Illenberger

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