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mika: Offline

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Datum: 23.06.2014
Uhrzeit: 10:52
ID: 52901



AW: In welchem Stil sollen wir bauen?

#1 (Permalink)
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Ach Herrje, Moderne = Sozialismus, nur weil sie etwas zur Verbesserung der prekären Lebensbedingungen der Arbeiter in den Städten beitragen wollte. Als ob das was schlechtes wäre.

Es ist schon richtig, die Moderne hat der gebauten Langeweile, dem simplen dummen Detail durch industrielle Produktion Tür und Tor geöffnet, da die Details der Moderne subtiler waren /sind.

Mir geht's aber darum:
Zitat:
Zitat von mika Beitrag anzeigen
Ich denke es ist nicht unbedingt eine Frage des Stils (Neoklassizismus vs. Moderne) sondern eine Frage des Details.

Jemand der klassizistische Fassaden gut findet ist nicht dumm.
Jemand, der moderne Fassaden gut findet, aber auch nicht.
Dumm sind nur die, die, egal in welchem Stil sie vorgeben zu bauen, dumm bauen.
Und ich sehe die Gefahr bei klassizistischen Fassaden, dass die Dummheit von vielen nicht gesehen wird, und viele der Dummheit auf den Leim gehen.

Stadtschloss Berlin ist aus meiner Sicht ein gutes Beispiel.
Das ist keine Rekonstruktion, sondern eine Imitation, deren einziger Zweck es ist, Touristen das Geld aus der Tasche zu locken.

Gleich um die Ecke gibt es dann ein Gebäude der Nachkriegsmoderne mit angeklebtem Rustikamauerwerk aus Pappmasche, vor dem regelmäßig ganze Schulkassen stehen, um sich einen Eindruck vom mittelalterlichen Berlin zu machen.
Las Vegas ick hör Dir trapsen.

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torgalf: Offline


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Datum: 30.01.2016
Uhrzeit: 23:43
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AW: In welchem Stil sollen wir bauen?

#2 (Permalink)
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Die Frage "In welchem Stil sollen wir bauen?" enthält die Idee, dass man eine Auswahl hat, wie man bauen kann. Aber das ist eine Illusion. Man kann sich nicht aussuchen, in welchen Stil man bauen möchte. Die Frage ist, warum kann man das nicht? Antwort, weil Architektur IMMER an der jeweiligen Gesellschaftsformation gekoppelt ist d.h. gegenwärtig kapitalistisch-imperialistische Gesellschaftsformation. Im Kapitalismus herrscht das Primat der Ökonomie d.h. alles was gebaut wird, geschieht nach kapitalistischen Kriterien. Der Mensch steht hier nicht im Mittelpunkt. Profit und Kapital stehen im Mittelpunkt. Wer einmal in Frankfurt war und dessen Skyline von weiten gesehen hat, der wird sofort von den neuen Kathedralen des Imperialismus "überwältigt sein". Frankfurts Innenstadt besteht aus vielgeschossigen Banken-, Versicherungs-, Konzerngebäuden. Jede Gesellschaftsformation hatte seine spezielle Architektur. Im Feudalismus waren es Schlösser und Burgen und Klöster. Der Architektur Stil war Militärisch, alles diente der Verteidigung und Ausweitung der Macht. Im Kapitalismus bzw. sind die Herrschenden nicht mehr Könige und Fürsten sondern Banken und Monopole. Entsprechend ihrer Macht, ihrer Geschäftemacherei und ihrer Unmenschlichkeit sind die Gebäude künstlich, kalt, technisch und gigantomanisch d.h. Abbild des imperialistischen Systems. in den Gebäuden wird nicht gearbeitet, hier findet Couponschneiden in seiner höchst entwickelten Form statt. Hier wird Geld mit Geld gemacht.

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raykip: Offline

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Datum: 01.02.2016
Uhrzeit: 01:34
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AW: In welchem Stil sollen wir bauen? #3 (Permalink)
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Ich finde auch, dass man sich das aufgrund der Umstände nicht eben aussuchen kann .. also zumindest nicht im Groben gesehen ...

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Tom
 
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Datum: 03.02.2016
Uhrzeit: 21:30
ID: 55214



AW: In welchem Stil sollen wir bauen? #4 (Permalink)
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Zitat:
Zitat von raykip Beitrag anzeigen
Ich finde auch, dass man sich das aufgrund der Umstände nicht eben aussuchen kann .. also zumindest nicht im Groben gesehen ...
Der Planer/Architekt kann seinen Privatgeschmack meistens tatsächlich nur sehr bedingt verwirklichen. Aber er baut ja auch schließlich mit fremdem Geld für einen Auftraggeber, der eine klare Zielvorstellung besitzt. Sicherlich wird er in gewissem Rahmen für Anregungen des Architekten offen sein. Aber die Entscheidung über die grundlegende architektonische Haltung und die bevorzugte Architektursprache (="Stil"?) trifft der Bauherr bereits durch die Entscheidung für einen bestimmten Architekten.

T.

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Datum: 17.03.2016
Uhrzeit: 16:08
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AW: In welchem Stil sollen wir bauen? #5 (Permalink)
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Hi Hurz!
Hochinteressante Frage wie wir heute bauen sollen und vorallem warum man nicht mehr so "schön" baut wie früher.
Ich glaube man empfindet das Vergangene oft als schöner und steht altem unkritischer gegenüber. Man weiß ja dass die Technik, Wissenschaft etc.. noch nicht so weit war wie heute, darum misst man schonmal nicht nach heutigen Maßstäben. Des Weiteren sind ältere Gebäude, vorallem kirchliche und staatliche vorallem deshalb "schöner" weil Unmengen an Geld hineingebuttert wurde. Einem König oder der Kirche wollte doch keiner widersprechen oder traute sich nicht. Wir sehen heute nur noch was übrig ist, nämlich prunkvolle Kirchen und Schlösser bspw. aber nicht die frustrierten Bauern z.B. die das finanziert haben. Wird heute in unserer Demokratie z.B. ein Kanzleramt gebaut, würde der Bund der Steuerzahler schon eine Auge darauf haben, was ja auch gut ist.
Darum ist man auch heutzutage von überbordendem Schmuck abgekommen. Man lehrt die Architekten nur zu bauen was "sinnvoll" ist. Jeder Strich auf dem Plan muss einen Sinn haben. Jedes Bauelement und alles muss einen funktionalen Grund haben und seine Form begründet sein, warum sie genau so und nicht anders ist. Wenn etwas ohne Firlefanz funktioniert und man das Gefühl hat besser hätte man es nicht machen können, dann ist das (heute für viele) gute Architektur. Der Laie vermisst dann hier oft den Schmuck oder wenigstens ein paar Bögen und fragt sich warum eine glatte Quadratrasterfassade denn nun so toll sein soll.

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Datum: 17.03.2016
Uhrzeit: 18:44
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AW: In welchem Stil sollen wir bauen? #6 (Permalink)
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Ja, der Laie nimmt sich die großen Prachtbauten vergangener Zeiten als Maßstab. Aber es waren Prachtbauten, wie das Wort schon sagt und somit auch sau teuer. Heute hat man in Deutschland schon den Anspruch für fast kein Geld höchste Qualität zu verlangen und denkt beim Bau eben an diese Prachtbauten, die man auch für wenig Geld haben möchte. Allerdings hat jede Zeit auch ihre prägenden Stilelemente und Geschnörkel passt nicht zur heutigen Zeit und wirkt recht schnell pompös, dekadent und Kitschig. Mit der Postmoderne hat man ja mal versucht alte und neue Elemente zu mischen, was bei den meisten gehörig in die Hose ging und bei den wenigen wirklich guten Architekten einigermaßen anschaulich war. Der Normalbürger hat schon immer einfach und schnörkellos gebaut. Selbst bei den "Prachtbauten" heutiger Tage wird trotz keiner Schnörkel viel Geld investiert. Das was früher in die figürliche Gestaltung gesteckt wurde, wird heute allerdings in Technik und Komfort gesteckt. Würde man noch dazu Künstler und Steinmetze mit der Gestaltung von allerlei Schnickschnack beauftragen, würde kein Mensch so eine Hütte bezahlen wollen.

Wir haben heute andere Ansprüche an ein Haus als man es früher hatte und das vergisst der Laie auch recht schnell.

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Benno: Offline


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Datum: 18.03.2016
Uhrzeit: 17:29
ID: 55415



AW: In welchem Stil sollen wir bauen? #7 (Permalink)
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Habt ihr denn eine Empfehlung, wie sich so ein Laie am besten informiert? Habe sehr viele Bekannte, die sich gerade fragen, wie sie bauen sollen und was am schlauesten ist. Da wäre eine Buchempfehlung sicherlich hilfreich!

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Tom
 
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Datum: 03.02.2016
Uhrzeit: 21:20
ID: 55213



AW: In welchem Stil sollen wir bauen? #8 (Permalink)
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Zitat:
Zitat von torgalf Beitrag anzeigen
Im Kapitalismus herrscht das Primat der Ökonomie d.h. alles was gebaut wird, geschieht nach kapitalistischen Kriterien. Der Mensch steht hier nicht im Mittelpunkt. Profit und Kapital stehen im Mittelpunkt.
Ist das nicht eine allzu grobe Sichtweise? Die Investoren-Projekte werden ja auf dem freien Markt vermietet / verkauft. Was hier nicht den verfeinerten Nutzererwartungen entspricht, hat keinen Erfolg. Diese Erwartungen erstrecken sich schon längst auch auf die "weichen" architektonischen und städtebaulichen Eigenschaften eines Gebäudes, nicht nur auf die reine Flächeneffizienz, etc. Sicherlich entstehen immer noch vielerorts Bauwerke mit zweifelhaften Qualitäten; diese werden aber von informierten Mietern / Käufern nicht mehr so ohne weiteres akzeptiert.

Zitat:
Im Kapitalismus bzw. sind die Herrschenden nicht mehr Könige und Fürsten sondern Banken und Monopole. Entsprechend ihrer Macht, ihrer Geschäftemacherei und ihrer Unmenschlichkeit sind die Gebäude künstlich, kalt, technisch und gigantomanisch d.h. Abbild des imperialistischen Systems.
Kann man mit diesen Begriffen und Schablonen heutzutage wirklich noch zum Kern der Dinge vorstoßen? "Die Herrscher" (=Endinvestoren, die schon in der Entwicklungsphase der Projekte regelmäßig mit eingebunden werden) sind oftmals Pensionsfonds und institutionelle Anleger, die die Altersvorsorge bzw. Vermögen breiter Bevölkerungsschichten verwalten. Und auch auf dieser Seite findet sich ein Mindestmaß an baukultureller Sensibilität, weil sich architektonische und städtebaul. Qualität positiv auf die langfristige Wertentwicklung eines Investments auswirken.

T.

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