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maren76: Offline


maren76 is on a distinguished road

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Datum: 12.12.2008
Uhrzeit: 15:35
ID: 31654



Wie ist Euer Entwurfsprozeß (im Büro)? Wird heutzutage nur noch gerendert?

#1 (Permalink)
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Hallo an alle,


Mich würde interessieren, wie bei Euch, auch in den Büros, entworfen wird.

In den Büro, in dem ich arbeite, interessiert sich keiner mehr für einen "richtigen" Entwurfsprozeß, hier wird schon, bevor das Konzept zu Ende gedacht ist und die ersten Skizzen gezeichnet, in der ersten Woche schon der Rechner angeschmissen und wild drauflos gerendert. Ich halte das für grundfalsch, denn so wird man genötigt, das Bild für den Kunden zu füllen und sich Dinge aus den Fingern zu saugen, die erst noch durchdacht und entworfen werden sollen, bevor es an die Visualisierung geht.
Wandansichten und simple Perspektiven kann ich auch mit der Hand zeichnen und ausprobieren, wie die eine oder andere Farbstimmung aussieht...und halte dads für sinnvoll.

Aber mein Chef glaubt, man kann schon von Anfang an alles mögliche zusammenwürfeln und dem Kunden präsentieren - und dann haben wir den Salat, denn es sieht aus, als wäre der Entwurf schon fertig, was er mitnichten ist.

Das alles geht gewaltig gegen das, was ich mal gelernt habe, die Liebe zum Detail leidet darunter und auch die Qualität des Entwurfs.

Werdet Ihr auch so zum Rendern genötigt oder dürft ihr noch Schritt für Schritt arbeiten und präsentieren? Und wie?

Mich würde das sehr interessieren. Denke schon über einen Arbeitsplatzwechsel nach, welch ich das so bitter finde.

Lg, Maren

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Florian is a glorious beacon of light Florian is a glorious beacon of light Florian is a glorious beacon of light Florian is a glorious beacon of light Florian is a glorious beacon of light

Beitrag
Datum: 12.12.2008
Uhrzeit: 23:19
ID: 31659



AW: Wie ist Euer Entwurfsprozeß (im Büro)? Wird heutzutage nur noch gerendert?

#2 (Permalink)
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Ich bin selber ein starker Verfechter vom 3D modellieren.
Da uns mittlerweile die Möglichkeit gegeben ist, fast von vorne herein 3D zu Entwerfen, finde ich es auch gut wenn man die Möglichkeit nutzt.

Natürlich kann man sich vieles "erdenken", aber im Kopf wird so einiges anders dargestellt, als es in Wirklichkeit funktioniert.
Beim 3D Entwerfen kann man sehr schnell feststellen, was funktioniert und was ein Trugschluss ist.
Ich glaube auch, dass viele Fehler oder ungelöste Probleme in 3D viel schneller sichtbar werden.

Wir haben vor kurzem einen 90 Sekunden Rundflug durch ein Parlamentsgebäude gemacht, das wir z.Zt. planen. Obwohl wir die Leitdetailplanung eigentlich schon so gut wie abgeschlossen ist, haben wir zum einen beim 3D bauen festgestellt, wozu wir uns überall doch noch Gedanken machen müssen, zum anderen sind uns innenräumliche Situationen aufgefallen, die im Gesamtzusammenhang dringenden Überarbeitungsbedarf haben.

Ich glaube auch nicht daran, dass bei einem Entwurf erst das Konzept steht und daraufhin ein entsprechender Entwurf angefertigt wird.
In Wirklichkeit entwickelt sich das Konzept doch mit dem Entwurf.

- Erst Fischt man etwas hilflos herum.
- Dann versucht man alles irgendwie sortiert zu bekommen.
- Irgendwann kommt ein Leitgedanke.
- Dann werden die Funktionen geordnet.
- Dabei entsteht vielleicht wieder ein neuer Leitgedanke.
- Irgendwann müssen die Ideen geordnet und optimiert werden.
- Dabei können sich einige Prozesseinheiten wiederholen, bis am Ende ein runder Entwurf steht.

Bei diesem Prozess würde ich nie festlegen wollen, ab wann etwas 3D gebaut werden könnte.
Bei einem Stadion z.B. funktioniert innen eigentlich alles immer gleich. Vorallem die äussere Erscheinung dient der späteren Identifikation.
(Eigentlich fällt mir hier auch nur das Berliner Olympiastadion ein, von dem vermutlich mehr Innenaufnahmen - z.B. für Werbung - genutzt werden.)
Um so eine Gestalt aber in den Griff zu bekommen, muss eigentlich von vorne herein 3D entworfen werden - bzw. es ist schneller.

Einige werden jetzt vermutlich mit dem Argument kommen, dass man das früher auch ohne Computer gemacht hat.
Dem möchte ich aber gleich zwei Dinge entgegenhalten:

1. Ich glaube, dass in den letzten Jahren weitaus aufwendigere Entwürfe entstehen. Früher gab es einige wenige, die die Kopfleistung hatten, um vergleichbar Bauten zu erschaffen.

2. Muss heute noch effektiver und ökonomischer entworfen werden, d.h. man hat immer weniger Zeit, sich die Dinge zu überlegen. (Ganz früher wurde vieles beim Bauen entworfen - dass dürfte sich heute kein Architekt mehr trauen, da er ja vorher die Kosten berechnen muss. Die Handwerker werden leider immer mehr zu reinen Ausführern, die wenn man Ihnen keine Vorgaben macht, immer den schnellsten und günstigsten Weg wählen würden (- zu recht, denn sie bekommen ja auch nicht mehr Geld)

Also mein Tipp:
Lerne aus der Arbeitsmethode im Büro, denn irgendwie muss die Arbeit immer kostendeckend laufen. Wenn Du nicht einen tollen Sponsor hast und dadurch die Architektur als Hobby betreiben kannst - musst Du vorallem lernen effektiv und schell zu arbeiten.

In anderen Büros wird es nicht viel anders laufen!
__________________
Florian Illenberger

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mika: Offline

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Beitrag
Datum: 13.12.2008
Uhrzeit: 13:39
ID: 31663



AW: Wie ist Euer Entwurfsprozeß (im Büro)? Wird heutzutage nur noch gerendert? #3 (Permalink)
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Bei uns wird eigentlich genauso gearbeitet wie Florian es beschreibt.
Wobei die Konzeptfindung, wie Florian es beschreibt, nicht umbedingt im Widerspruch zu dem Entwurfsprozess, den Maren beschreibt stehen muss.
Bei uns werden auch noch Modelle in der Werkstatt gebaut und Skizzenrollen werden auch noch gebraucht. Aber die beiden letzteren reichen für die heutigen Verfahren, die durch die Bauherren bestimmt werden, nicht mehr aus.

Der von Florian beschriebene Prozess bedeutet aber nicht automatisch, dass nur Fassadenbilder entworfen werden. Das ist in der Tat, wenn es dabei bleibt, kritisch. Der von Florian beschriebene Prozess meint viel mehr, dass man frühzeitig, die räumlichen Zusammenhänge darstellt, um sie zu überprüfen.

Für Absolventen bedeutet dieser Prozess manchmal eine Umgewöhnung, da viele Assistenten und Professoren an den Unis, vom anfänglichen klassischen "handwerklichem" Entwurfsprozess nicht den Sprung in die aktuelle in dem Büros praktizierte Arbeitsweise schaffen. In den ersten paar Semestern ist das Entwerfen im Kopf und auf Papier und im von handgebauten Modell richtig, um das Vorstellungsvermögen zu steigern und fördern, aber spätestens nach den Praktika, sollte man sich nicht mehr erzählen lassen, dass der Computer nicht richtig sei, um zu entwerfen. Das deutet eher auf mangelnde Praxis hin. Wenn überhaupt ist die Art und Weise wie man ihn nutzt Grund zur Kritik.
__________________
Grüße Michael

"Warum soll etwas nicht so gut wie möglich sein ?"
Ludwig Mies van der Rohe, 1964

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formliquide: Offline


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Datum: 15.12.2008
Uhrzeit: 18:33
ID: 31687



AW: Wie ist Euer Entwurfsprozeß (im Büro)? Wird heutzutage nur noch gerendert? #4 (Permalink)
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Richtig, ich finde es auch nur dann problematisch, wenn - wie Du zugegebenermaßen beschreibst - aus der Kiste ein paar Konstruktionen oder Materialien zusammengeschmissen werden um in einer frühen Phase ein "fertiges" Bild zu erwecken. Daraufhin bekommt man in späteren Phasen nach Überarbeitung vom AG zwangsläufig ein "Aber das sah doch neulich noch ganz anders aus? Warum das denn jetzt? Ich will die erste Version!"

Auf die Art wie Florian es beschreibt, ist 3D-Modellierung (nicht Rendering!) ein integraler Bestandteil des Entwurfsprozesses - ich würde sogar noch weiter gehen und sagen daß in den meisten Büros momentan die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben bei weitem nicht gut od. effektiv genutzt werden. Rechner sind eben besonders überlegen beim Integrieren von großen Datenmengen - etwas, das gerade in den frühen Konzeptphasen immer wieder auftaucht. Sehr sinnig können dabei parametrische oder rückgekoppelte Modelle sein, leider ist die allgemein verfügbare Software noch nicht soweit damit flüssiges arbeiten zu ermöglichen. Und die Zeit für Spielereien kann sich kaum ein Büro nehmen.

Trotzdem taucht in frühen Phasen oft der Wunsch nach Visualisierungen auf, sei es für externe oder interne Zwecke. Dafür bin ich von fotorealistischen Visualisierungsverfahren voll abgerückt, das visualisier ich immer Skizzen-/ Modellhaft. Das ist teilweise so gut geglückt, daß wir diese Renderings später z.B. in Wettbewerbsabgaben statt der Fotorealistischen verwendet haben...

Letztendlich ist der Rechner nur ein neues Arbeitswerkzeug. Wer früher schon bunte Fassadenansichten gezeichnet hat, bevor der Grundriss stand, rendert halt heute auch gern ne Perspektive bevor die Idee steht..
Wobei einschränkend gesagt werden muß, daß manche Architekten nicht aus der jahrelangen Praxis des 2D-Entwerfens herauskommen (glaube das ist auch schwierig) und sich so die Möglichkeiten von 3D selbst verschließen. Das ist ein bißchen wie wenn man nie Aquarellieren gelernt hat und nach 3 erfolglosen Versuchen die Farben dafür verantwortlich macht

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