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Nicola is on a distinguished road

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Datum: 15.01.2004
Uhrzeit: 13:42
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Ausbildung heutzutage praxisnäher?

#1 (Permalink)
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Hallo,
mein Studium liegt schon ein paar Jährchen zurück. Im Zentrum stand der Entwurf. Baukonstruktion, Baustofflehre und Bauphysik waren lästige Nebenfächer. Besonders in Baustofflehre war es so, daß man nicht z.B. verschiedene Dachabdichtungsbahnen miteinander verglich, sondern "Bituminöse Baustoffe" oder "Kunststoffe" lernte.

Für einen Artikel würde ich nun gerne wissen, ob das Architekturstudium heute praxisnäher als damals ist.
1.) Wird heute mehr Wert auf technische Fächer gelegt?
2.) Welche Hochschulen/FH/Professoren sehen da einen Schwerpunkt? Gibt es neue Ansätze wie technische Fächer vermittelt werden, wenn ja, wer wo und wie?
3.)Werden Fächer wie Baustoffkunde heute so gelehrt, daß Ihr das Gelernte in der Praxis anwenden könnt? Seht Ihr Euch ausreichend für die Praxis vorbereitet?
4.) Bestehen von Seiten der Hochschule Kontakte zur Baustoffindustrie oder zu den Verarbeitern? Was wünscht Ihr Euch da?

Ich bin für alle Arten von Anregungen zu dem Thema dankbar! Bitte schreibt auch, ob Ihr Euch noch in der Ausbildung befindet und wo, bzw. wie lange die Ausbildung her ist.
Gruß Nicola

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Beitrag
Datum: 15.01.2004
Uhrzeit: 18:33
ID: 2989



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Ich bin im 11. Semester an der TU Berlin. Hier wurden seit Beginn meines Studiums zwei neue Prüfungsordnungen verabschiedet. Soweit mir bekannt, wurde das geforderte Leistungspensum dabei jedesmal reduziert und z.B. das Fach Baustoffkunde, das früher mal zu den Pflichfächern gehörte, gibt es wohl gar nicht mehr. Im Hauptstudium kann man wohl noch Bauphysik belegen, aber das macht kaum einer freiwillig. Der Schwerpunkt liegt meineserachtens immer noch größtenteils beim Entuwrf. Zwar hat man durchaus die Möglichkeit diese Entwürfe in technischen und gesellschaftlichen Fächern zu vertiefen, aber das reicht sicher nicht aus, um ohne Bedenken in die Praxis entlassen zu werden. Zumal es eher am eigenen Interesse an diesen Bereichen liegt, ob man im Laufe seines Studiums überhaupt kontakt damit bekommt. Denn ich kenne genug Studenten, die es schaffen, sich irgendwie drum zu drücken und die es eher als lästiges Übel betrachten. Ich denke die meisten träumen auch davon, später ihr eigenes Büro zu haben und die ganze Zeit nur nette Entwürfe zu machen und machen sich nicht klar, daß 1. die Arbeitsmarktlage kaum Raum dafür bietet und 2. zum Architektenberuf eben auch die anderen Leistungsphasen gerechnet werden...

Verbindung zur Industrie besteht höchstens über gesponsorte Wettbewerbe. Dafür gibt es bei uns viele Vorträge und Werkberichte von praktizierenden Architekten aus aller Welt. Aber meist geht es dabei auch um den Entwurf und nicht so sehr die technischen oder ökonomischen Aspekte der Realisierung.

Ich denke das Angebot an unserer Uni ist eigentlich recht umfangreich. Wer Interesse hat, kann viel für die Praxis lernen. Mir scheint da eher mancher Entwurf Zeitverschwendung zu sein...
Ich würde aber bestimmt sagen, daß niemand, der bei uns von der Uni kommt, annähernd genügend Erfahrungen hat, um sorglos in die Arbeitswelt entlassen zu werden. Die bekommt man eben nur aus der Praxis... die man natürlich auch schon während des Studiums in Praktika o.ä. sammeln kann.

Was man sicher gut gebrauchen könnte, wären mehr Grundlagen in Geschäftsführung, Wirtschaftlichkeit von Büros, Haftbarkeit etc.
Ich würde mir ausserdem wünschen, daß bei uns mehr Wert auf die Inhalte als deren Aufmachung gelegt würde, die manches Mal nur die Leere dahinter verbergen soll. Man verbringt unglaublich viel Zeit damit, Inhalte graphisch aufzuarbeiten und insbesondere, diese später für die Fachgebiete als bunte Mappen zusammenzustellen, damit man dort etwas für's Archiv hat.

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Beitrag
Datum: 15.01.2004
Uhrzeit: 18:44
ID: 2991



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Zwei wirklich Praxisnahe Projekte an der TU Berlin waren das Mexico-Projekt und das Kabul-Projekt.
Hier wurde Entwurf mit Praxis verbunden, da die Studenten Ihren Entwurf selber realisieren mussten. D.h. man macht eigentlich einmal alles: Entwurf, Ausführungsplanung, z.T. Bauökonomie und dann packt man am Ende selber an. Z.T. wird dabei sogar der Beton von Hand angemischt.
Dabei lernt man vorallem, welche Pläne auf der Baustelle nutzbar sind und wie man Abläufe koordinieren muß. Natürlich hat das wenig mit der high-tech Baurealität in Deutschland zu tun, aber anders als wenn man nur mal zwei Monate im Büro arbeitet, ist man von Anfang bis zum Ende dabei.

Ansonsten kann ich Samsarah eigentlich voll zustimmen...

Florian
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Geändert von Florian (15.01.2004 um 18:47 Uhr).

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ehem. Benutzer
 
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Nicola is on a distinguished road

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Datum: 16.01.2004
Uhrzeit: 09:48
ID: 2993



praxisnahe Ausbildung #4 (Permalink)
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das hört sich ja nicht toll an ! Und wenn man bedenkt, daß die Lage immer schwieriger wird und die Möglichkeiten Fehler zu machen immer größer, die Normen und Richtlinien immer mehr... Klar Praxis kann man nur in der Praxis lernen, es gibt aber Grundlagen und das ist z.B. Bauphysik (sehr wichtig!!).
Merkwürdig, daß bei exotischen Themen eher Wert auf Praxisbezug gelegt wird. Leider hat es mit der Realität hier nur weng zu tun, ist aber immerhin ein richtiger Ansatz. Daraus kann man lernen: Studenten die frühzeitig sich irgendein eher technisches Thema aneignen haben die weit bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt.
Gruß Nicola

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Datum: 16.01.2004
Uhrzeit: 11:01
ID: 2994



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Mir scheint, das Bild vom Architekten ist immer das des kreativen Gebäudedesigners und dieses Bild wird einem im Studium auch stark suggeriert. Viele Absolventen, die ich kenne, hatten das große Erwachen erst nach ihrem Abschluß. Natürlich haben sich die meisten irgendwie in der Arbeitswelt zurechtgefunden und entsprechend angepaßt, aber das muß schon ein ziemlicher Schock sein, wenn man nach mind. 5 Jahren Studium plötzlich merkt, daß das, was man als Essenz seines Berufs angesehen hat, nur einen "Bruchteil" der Realität ausmacht.
Es gibt natürlich einige Professoren, die versuchen, die Studenten diesbezüglich aufzuklären, aber man hört ja oft nur den Teil, den man hören möchte .


Grüße,
Samy

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