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leipziger is on a distinguished road

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Datum: 15.09.2010
Uhrzeit: 15:10
ID: 40895



AW: Architekten - ein Volk von Sklavenhaltern und Opferlämmern ?

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Zitat von noone Beitrag anzeigen
Du solltest es einfach mal aus einem anderen Blickwinkel heraus sehen: es gibt sehr viele Absolventen, die ein total unattraktives Profil haben, wenig oder keine Erfahrung, und schon sehr viele erfolgslose Bewerbungen geschrieben haben. Diese Gruppe ist bereit, für eine laue Bezahlung einen Job anzunehmen, um überhaupt mal Erfahrung sammeln zu können, um bei Bewerbungen interessanter zu werden.
Das stimmt. Wenn ich die Bewerbungen anschaue, die hier manchmal so rumflattern, wundere ich mich auch des öfteren. Und zwar nicht über die vielleicht suboptimale Papier- und Druckqualität.
Andererseits wundert mich, dass die Arbeit eines planenden Mitarbeiters mit 10 Jahren Berufserfahrung in den Augen vieler Chefs den gleichen Stellenwert geniest wie die Arbeit einer Studentin im 2. Semester. Klar zeichnen beide, aber irgendwer muss doch merken, dass es nicht auf die Anzahl der Striche oder Zeichnungen ankommt, sondern auf die Stimmigkeit des Werks. Der Erfahrene erstellt weniger Zeichnungen, aber genau die, die benötigt werden. Die inhaltliche Stimmigkeit (auch Übereinstimmung untereinander) ist weit höher als bei der Studentin.

Zitat:
Die große Mehrheit aller Planungen und Bauten liegen mit ihrem reelen künstlerischen Wert am unteren Ende. Klar, jeder Architekt hält sich für den großen Künstler, aber vieles da draussen wird dem Anspruch wirklich nicht gerecht.
Das sehe ich auch so. Wir sind letztlich Handlanger der Herstellerfirmen, wir müssen nur noch zusehen, dass die ganzen fertigen Produkte zusammen passen. Schlägt man dem Bauherrn vor, doch hier und da was individuell angefertigtes einzubauen (Tischlerarbeiten, Türen, Treppen...), oder z.B. einen etwas größeren Zugang oder höhere Räume zu bauen, erntet man Spott ohne Ende. Wenn es hingegen um irgendeine besondere Elektroleitung oder eine Wärmepumpe geht, ruft jeder Bauherr sofort, dass es das auch braucht, und zwar von Firma xyz.
Hinzu kommt, dass die sog. Wettbewerbe die Wertschätzung der Architektur in der Bevölkerung immer weiter nach unten ziehen:
Beispiel:
-Stadt lob Wettbewerb aus und gibt den Architekten einen Katalog mit Vorgaben, der bei ehrlicher Betrachtung eine eierlegende Wollmilchsau verlangt, natürlich mit unrealistischem Kostenrahmen
-Architekten denken sich was aus, die Ergebnisse sind alle ähnlich weil die Vorgaben letztlich zu eng waren
-Die Presse gibt das Lobgehudel der Architekten als Bauherrnzitat wieder
-Der Zeitungsartikel erweckt den Eindruck, als sei alles toll (wenn man nicht auf die Bilder schaut)
-Bei den normalen Leuten entsteht der Eindruck, dass alle Architekten immer den gleichen "Schrott" produzieren.
Dass das Ergebnis aber letztlich auf Bauherrnvorgaben beruht, und die Bauherrn damit letztlich mehr Einfluss auf die Architektur haben als die Architekten selbst, kommt in der Öffentlichkeit nicht an. Soll es aber auch nicht, weil dies dem Bauherrn schaden würde. Stattdessen sind es die Architekten, die unsere Umwelt aus Sicht der normalen Leute immer hässlicher machen.
Ein Problem ist dabei auch, dass die Öffentlichkeit gar nicht weiss, was Architekten wirklich machen, weil die Chefs sich nach Außen immer als abgefahrene Künstler aufspielen. Also ich finde es inzwischen peinlich, irgendwo zu sagen, dass ich Architekt bin.

Zitat:
Da wird nicht auf unwirtschaftl. Art gute Architektur gemacht, sondern auf unwirtschaftliche Art schlechte. Und das ist der Punkt, an dem es langsam richtig traurig wird ...
Bezogen auf den Architekten stimmt das.

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Datum: 15.09.2010
Uhrzeit: 15:43
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AW: Architekten - ein Volk von Sklavenhaltern und Opferlämmern ?

#2 (Permalink)
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Zitat von leipziger Beitrag anzeigen
Also ich finde es inzwischen peinlich, irgendwo zu sagen, dass ich Architekt bin.
Dafür schäme ich mich nicht. Man muß sich selbst ernstnehmen können und sich bemühen...damit fängt es schonmal an. Natürlich gibt es genügend "Pfeifen", die diesen Titel ebenfalls tragen, aber die sollten nicht der Maßstab sein. Gibt's aber in jeder Sparte.

Ich erzähle dennoch kaum Jemanden unaufgefordert was ich beruflich mache. Nicht weil ich meinen Job so dämlich finde, sondern weil ich es satt habe in meiner begrenzten Freizeit kostenlose Umbautipps und Statements zu irgendwelchen "geschmacklosen" Einfamilienhäuschen abzugeben.

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Datum: 15.09.2010
Uhrzeit: 16:39
ID: 40901



AW: Architekten - ein Volk von Sklavenhaltern und Opferlämmern ? #3 (Permalink)
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Zitat von leipziger Beitrag anzeigen
Andererseits wundert mich, dass die Arbeit eines planenden Mitarbeiters mit 10 Jahren Berufserfahrung in den Augen vieler Chefs den gleichen Stellenwert geniest wie die Arbeit einer Studentin im 2. Semester. Klar zeichnen beide, aber irgendwer muss doch merken, dass es nicht auf die Anzahl der Striche oder Zeichnungen ankommt, sondern auf die Stimmigkeit des Werks. Der Erfahrene erstellt weniger Zeichnungen, aber genau die, die benötigt werden. Die inhaltliche Stimmigkeit (auch Übereinstimmung untereinander) ist weit höher als bei der Studentin.
Das liegt daran, dass sich der Chef nach seiner Studentenzeit zurücksehnt, wo er einfach mal so drauf los entwerfen konnte. Die theoretischen Entwürfe der Studenten sind oft schöner als die schnöde Alltagsarchitekturen in seinem Wald-und-Wiesen-Büro. Mein ehemaliger Prof. (ein konservativer Architekt im Berufsleben) hat mit seinen Studenten richtig die Sau rausgelassen. Ein unbaubaren Entwurf nach dem anderen von ihnen verlangt.


Zitat:
Zitat von leipziger Beitrag anzeigen
Ein Problem ist dabei auch, dass die Öffentlichkeit gar nicht weiss, was Architekten wirklich machen, weil die Chefs sich nach Außen immer als abgefahrene Künstler aufspielen. Also ich finde es inzwischen peinlich, irgendwo zu sagen, dass ich Architekt bin.
Tja, die Außendarstellung ist wirklich ein Problem. Viele haben einen Baudesigner vor Augen, der sich den ganzen Tag schöne Formen ausdenkt. Die anderen sehen im Architekten einen Bauunternehmer, der Häuser mit Sonderwünschen verkauft.
Über das Gehalt eines Architekten gibt es in der Bevölkerung (zum Glück) keine richtigen Vorstellungen. Nur, dass er ja viel verdienen muß- bei den Baupreisen. Es muss also ein Traumberuf sein - sehr gut bezahlt und dann noch kreativ! Leider ein Trugschluß!

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Datum: 15.09.2010
Uhrzeit: 23:57
ID: 40911



AW: Architekten - ein Volk von Sklavenhaltern und Opferlämmern ? #4 (Permalink)
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Zitat von leipziger Beitrag anzeigen
Ein Problem ist dabei auch, dass die Öffentlichkeit gar nicht weiss, was Architekten wirklich machen, weil die Chefs sich nach Außen immer als abgefahrene Künstler aufspielen. Also ich finde es inzwischen peinlich, irgendwo zu sagen, dass ich Architekt bin.
Ich teile die (auch in den vorherigen Absätzen geäußerte) pessimistische Sicht auf den Berufsstand überhaupt nicht. In den letzten 10-15 Jahren hat sich vieles zum Besseren geändert. Das allgemeine Bewusstsein für den Stellenwert (bau-) kultureller Fragen hat sich enorm entwickelt; die kruden Banausen auf Seiten der Bauherrn, Fachplaner, Ausführenden sind viel seltener anzutreffen, wenn überhaupt noch nennenswert vorhanden. Ich mache die Erfahrung, das man mit architektonischem Anspruch heute viel öfter offene Türen einrennt als noch vor ein paar Jahren.

Meine Maßstäbe für gute Architektur sind dabei ganz bodenständig. Mir ist es viel wichtiger, dass in der Fläche auf gutem Niveau gebaut wird, als das Durchschnitts-Entwerfer Star-Architekt spielen.

T.

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