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mika: Offline
Ort: Berlin Beitrag Datum: 27.12.2017 Uhrzeit: 02:48 ID: 56773 | Social Bookmarks: Das Problem ist hier nicht die Software, sondern dass die Bundesarchitektenkammer trotz ihrer Funktion als Vertreterin der Architekten, einen falschen Schluß zum Nachteil der planenden Architektenschaft zieht. Ich wiederhole das gerne noch mal: Ja, die HOAI ist methodenneutral, das bedeutet aber nicht, dass, so wie die BAK daraus folgert, es im Umkehrschluß zulässig ist, eine Methode vorzuschreiben. Und das vorallem dann nicht, wenn die Grundlagen der Methode noch nicht geregelt sind. Und die Grundlage ist eine Datenbank, mit Datenfelder, Datentypen und Datenwerten. Das ist kein Softwareproblem, sondern ein Anwenderproblem. BIM besteht nicht nur aus Authorensoftware, Auswertungssoftware, IFC und Anwendungsfällen, sondern in erster Linie aus einer Datenbank, die nur dann von verschiedenen oder allen Nutzern genutzt werden kann, wenn alle die Daten verstehen/interpretieren können. Dazu müssen die Datenfelder, Datentypen und Datenwerten geregelt sein. Und das sind sie nicht. Jedenfalls nicht in einem ausreichendem Maß, um den Anforderungen der Objektplanung in Deutschland gerecht zu werden. Solange das niemand versteht, wird es niemals einen wirtschaftlichen und allen zugänglichen BIM-Prozess geben. |
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Tom: Offline
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Hochschule/AG: Architekt Beitrag Datum: 28.12.2017 Uhrzeit: 21:53 ID: 56777 | Social Bookmarks: Für meine Begriffe interpretierst Du das was hinein, das nicht drin steht. Der Absatz bedeutet nur, dass Grundleistungen nicht allein deshalb besonders vergütet werden, bloß weil sie mit BIM-Methoden erbracht werden. Das bedeutet umgekehrt, dass in das Modell vernünftiger Weise nicht mehr Informationen eingefügt werden, als zum Erbringen der jeweiligen Grundleistung erforderlich. Es müssen weder bestimmte Standards erfüllt werden, noch muss das Modell an irgendwen später in einer definierten Form übergeben werden. Sollte etwas von dem doch gewünscht sein, handelt es sich um besondere Leistungen, die extra vergütet werden. Wo ist da das Problem? T. |
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mika: Offline
Ort: Berlin Beitrag Datum: 29.12.2017 Uhrzeit: 01:31 ID: 56778 | Social Bookmarks: Wozu in Gottesnamen sollte ein Auftraggeber einen BIM-Planungsprozess verlangen, wenn er keine einheitlichen Daten will. Und damit ist nicht ein Dateiformat gemeint. Das denken nur Leute, die davon keinen Schimmer haben. Ein Modell, nur um Pläne im Sinne der HOAI zu erzeugen, macht doch keinen Sinn bzw. ist doch kein BIM-Planungsprozess. Das ist maximal Little closed BIM innerhalb eines Büros. Little closed BIM wird kein AG beauftragen, weil er davon nichts hat. Für Little closed BIM braucht es das Schriftstück nicht. Bei BIM in der Objektplanung im Sinne eines Auftraggebers geht es um big closed oder open BIM. Und beides setzt die Definition von Datensätzen, -Typen und Werten voraus. Das machen jetzt etliche Büros für sich, um ihr Little closed BIM hinzubekommen. Das ganze ist aber nur bedingt anwendbar, wenn der AG oder sein Koordinator mit ganz anderen Definitionen um die Ecke kommmt. Dann heißt es Anpassen, Umstellen Mappen bis hin zu andere Software kaufen und Schulungen dafür machen. Und darauf wird mit keinem Wort eingegangen, sondern es wird so getan, als könnte der Architekt BIM machen, wie es ihm gefällt. Den gleichen Sch... haben wir doch seit 30 Jahren mit 2D CAD, wo jeder CAD-Vogel im FM denkt, es gäbe nur seinen Layerstandard und der Rest denkt DWG ist DWG. IFC, rvt, pln. etc. sind nur Dateiformate und keine Standards für ein Projektdatenmodell. Und ein geometrisches Gebäudemodell ist auch noch kein BIM-Modell. Die nicht-geometrischen Daten machen das Ganze erst zu einen BIM-Modell und darin steckt der eigentliche Nutzen und die eigentliche Arbeit. Und um das für ein Projekt herzustellen, solange es keine einheitlichen Standards gibt, ist mit Sicherheit die Grundleistung nicht ausreichend. |
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mika: Offline
Ort: Berlin Beitrag Datum: 29.12.2017 Uhrzeit: 01:45 ID: 56779 | Social Bookmarks: Außerdem ist nicht entscheidend, was ich darin „reininterpretiere“, sondern, wie es Auftraggeber, besonders diejenigen ohne fundierte Kenntnisse, auslegen. |
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Tom: Offline
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Hochschule/AG: Architekt Beitrag Datum: 29.12.2017 Uhrzeit: 10:08 ID: 56780 | Social Bookmarks: Zitat:
Hinter dem Leitfaden steht eine sehr pragmatische Sicht auf BIM, die von einer noch länger andauernden, unperfekten Übergangsperiode ausgeht. Damit hatte ich auch erst Schwierigkeiten, weil ich auch eigentlich die möglichen idealen Workflows anstrebe. Mittlerweile glaube ich, dass es der richtige Ansatz ist, sich in einem unstandardisierten Umfeld gemeinsam ins Thema zu "wurschteln". Vielleicht sind die Standards erst das, was am Ende dabei rauskommt. In Erwartung einer weiteren Wortlawine resp. Grundsatzbelehrung, T. Geändert von Tom (29.12.2017 um 13:06 Uhr). Grund: Ansatz, nicht Absatz | |
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mika: Offline
Ort: Berlin Beitrag Datum: 29.12.2017 Uhrzeit: 11:08 ID: 56781 | Social Bookmarks: Ich wünschte, es wäre so, wie Du es schreibst. Aus meiner bisherigen Büroerfahrung, lag mindestens der Hälfte der Verträge ein CAD-Pflichtenheft bei. Außerdem hat das Bundesumweltministerium eine Handlungsanweisung ausgegeben, dass BIM ab 2020, wenn möglich, bei Bauten des Bundes angewendet werden soll. Du musst natürlich keinen Auftrag annehmen, aber das muss man sich auch erstmal leisten können. |
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Tom: Offline
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Hochschule/AG: Architekt Beitrag Datum: 29.12.2017 Uhrzeit: 21:34 ID: 56782 | Social Bookmarks: Ja, Verpflichtung zu BIM ohne Standardisierung wird schon lustig werden. Ohne Standards heißt es nur: plant anhand eines digitalen 3D-Modells und redet miteinander ... Vielleicht wird es *den* Standard auch nie geben (oder nur für öffentliche Projekte), sondern nur projektspezifische. Letztlich wird man jede Modellstruktur immer in andere übersetzen können. Ich sehe auch kaum den Sinn einer durchgehenden Verwendung des Modells. Ein Planungsmodell enthält ganz andere Daten als ein Ausführungsmodell. Und ein FM-Modell muss einem solchen Meer an spezifischen Vorgaben genügen, was die Wartungs- und Instandhaltungsparameter betrifft, dass ein Planer es nie erstellen könnte. Als einziges Konzentrat übrig bleibt das geometrische Modell. Dazu sagte ein erfahrener FM-ler neulich, dass die Geometrie aber nur ein entbehrliches Nice-to-Have sei. Es wird also ein Markt für Firmen entstehen, die BIM-Modelle umstrukturieren und mit den gewünschten Daten füttern. Von daher muss der Planer in LPH 1 oder 2 sich nicht schon mit Erfordernissen rumschlagen, die erst das FM interessiert. Das ist der Punkt, an dem die pragmatische BIM-Sicht des Einfach-Los-Wurschtelns mit der Realität auf angenehme Weise zusammenfällt ... T. |
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mika: Offline
Ort: Berlin Beitrag Datum: 31.12.2017 Uhrzeit: 11:07 ID: 56783 | Social Bookmarks: Danke, Tom, Zwei Sachen, die Du schreibst, beruhigen mich etwas: 1. Dass niemand ein durchgängiges Modell braucht. Wenn sich diese Erkenntnis durchsetzt, wäre viel gewonnen. 2. Dass es Mappings zwischen den verschiedenen Standards geben wird/muss. Wenn sich diese Erkenntnis ebenfalls durchsetzt und als geldwerter Vorteil durch den AG in Form eines Dienstleisters übernommen wird, ist auch meinem Problem der fehlenden bzw. uneinheitlichen GUIDs der Wind aus den Segeln genommen. In diesem Sinne, Guten Rutsch. |
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numerobinchen: Offline
Beitrag Datum: 08.01.2018 Uhrzeit: 19:02 ID: 56791 | Social Bookmarks: Ja doch, die öffentliche Hand benötigt das, denn sie schreibt es ab 2020 vor. Aber was wollen die Behörden mit den Daten, wenn es keine Standards gibt? Evtl. schreiben sie diese Standards selbst vor? Evtl. richtet sich dann das ganze Baugewerbe danach und so werden Standards gesetzt? Einer muss ja mal anfangen. Schaun mer mal. Noch sehe ich nirgends brauchbare Anwendungen mit passendem offenem Datenbankmodell dafür. Alles nur Insellösungen der einzelnen Softwareschmieden für sehr viel Geld. Es kann nicht sein, dass der Architekt auch noch zum IT-Spezialisten mutieren soll. |
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mika: Offline
Ort: Berlin Beitrag Datum: 13.01.2018 Uhrzeit: 16:56 ID: 56792 | Social Bookmarks: Ja, öffentliche Auftraggeber werden ab 2020 BIM fordern. In einer idealen Welt wäre es natürlich schlau und wünschenswert, wenn es einen einheitlichen Standard gäbe. Das wäre es aber auch schon bei 2D CAD gewesen und ist leider nicht so. In der realen Welt hat jeder AG, auch Behörden, seinen ganz eigenen CAD-Standard. Das hängt nur davon ab, wer in der betreffenden Immobilienverwaltungsabteilung den CAD-Standard eingeführt hat. Selbst die AutoDesk basierten Dienstleister haben keinen einheitlichen Standard gefunden. Das Baukonzerne haben bereits ihre eigenen internen Standards, aber mehr als das Dateiformat haben diese nicht gemeinsam. Und das ist inzwischen nicht mehr entscheidend. Kleine Bauunternehmen sind davon noch genausoweit weg, wie die Planer oder AGs selbst. Das mit den brauchbaren Anwendungen und offenen Datenbankmodellen verstehe ich jetzt nicht. Die bekannten CAD-Programme sind alle BIM-tauglich und auch brauchbar. Bei den Auswertungsprogrammen hapert es noch, aber auch die sind im Prinzip brauchbar. Der einzige Grund warum es nicht klappt ist, dass Du in der Auswertungssoftware schon wissen mußt, was im Modell an Informationen drinsteckt. Ohne Standard ist das mühsam. Aber den kann ja kein Softwarehersteller machen. Ich denke, es wird so sein, dass die Bauprodukthersteller und -Verbände für jedes Bauprodukt definieren werden/müssen, welche Merkmale beschrieben sein müssen, um die Bauteile differenziert zu erkennen. Die Softwarehersteller müssen die für ihre Kunden relevanten Merkmale abbilden. Und Auftraggeber und Architekten müssen aushandeln, was relevant ist. Im buildingSMART wird dieser Prozess übrigens zur Zeit beschrieben. Vielleicht wird dann auch endlich der österreichische Merkmalserver wiederbelebt. Geändert von mika (13.01.2018 um 17:27 Uhr). |