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Datum: 05.10.2013
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ID: 51129



Weiterbauen an einer Hütte?

#1 (Permalink)
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moin,

seit rund zehn Jahren ist das Schlagwort "Weiterbauen - Kohärenz statt Kontrast" populär geworden.
In Vorträgen, Essays, im Studium... sehen wir Beispiele, wie ein Weiterbauen mit Bestandsgebäuden aussehen kann.
- Die Debatte klammert aus, das das meiste Weiterstricken am Bestand mit geringer architektonischer Qaulität geschieht.
Erweiterungen und Umbauten von Denkmalen, Museen, Gerichten sind seltener die Bauaufgabe der meisten Architekten.

- wie und warum sollte die Nähe zu Gebäuden gesucht werden, die weit vom Denkmalwert entfernt sind?

Ich ziehe einen Kontrast in diesem Falle immer vor- schließlich bin ich besser als der Durchschnitt

Grüße! bezett

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Tom
 
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Datum: 05.10.2013
Uhrzeit: 15:35
ID: 51135



AW: Weiterbauen an einer Hütte?

#2 (Permalink)
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Zitat:
Zitat von bezett Beitrag anzeigen
- Die Debatte klammert aus, das das meiste Weiterstricken am Bestand mit geringer architektonischer Qaulität geschieht.
Das liegt aber nicht am Weiterstricken selbst, sonderm am Schlecht-Weiterstricken. Außerdem sehe ich tatsächlich kein allgemein übersteigertes Bemühen, an Vorhandenes anzuknüpfen. Meist steht Schlechtes neben Schlechtem unverbunden zusammen.

Ich sehe auch nicht, dass der Kontextualismus in den letzten 10-15 Jahren stärker geworden wäre. Mit der Digitalisierung und den Freiformen gab es erst mal einen Boom des Solitärischen, der auch auf die Hochschularbeit abgefärbt hat.

Ich bin sicher, die jüngste Generation von Stundenten und Absolventen kann gar nicht mehr genau nachvollziehen, was mit einem strengen Kontextualismus überhaupt gemeint ist (evtl. gehörst Du dazu?).

Jedenfalls ist die arch. Qualität zunächst einmal unabhängig von der Frage, ob ich nun starke oder schwache Bezüge zum Bestand/Kontext herstelle.

T.

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Datum: 05.10.2013
Uhrzeit: 19:18
ID: 51140



AW: Weiterbauen an einer Hütte? #3 (Permalink)
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an meiner Uni war das Interesse der Studenten an Kahlfeldt und der Vorstellung von "Kohärenz statt Kontrast" groß.
Nur:
Häuser von Peter Behrens instandzusetzen oder denkmalwürdige Industriebauten umzunutzen ist das Eine.

Das Andere ist die Anzahl an Durchschnittsware der Architektur, die saniert/umgenutzt/erweitert werden will.

Willst Du im Kahlfeldtschen Sinne die postmoderne Kreisparkasse Pinneberg weiterbauen?

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Tom
 
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Datum: 06.10.2013
Uhrzeit: 13:18
ID: 51146



AW: Weiterbauen an einer Hütte? #4 (Permalink)
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Zitat:
Zitat von bezett Beitrag anzeigen
Häuser von Peter Behrens instandzusetzen oder denkmalwürdige Industriebauten umzunutzen ist das Eine.

Das Andere ist die Anzahl an Durchschnittsware der Architektur, die saniert/umgenutzt/erweitert werden will.

Willst Du im Kahlfeldtschen Sinne die postmoderne Kreisparkasse Pinneberg weiterbauen?
Jetzt ist mir nicht ganz klar, um was die Diskussion gehen soll: die Erweiterung und/oder Umnutzung bestehender Gebäude, oder die Frage einer städtebaulichen Bezugnahme von unterschiedlichen Gebäuden aufeinander? Im ersteren Fall wird man ein Gebäude dann nicht "weiterstricken", wenn man in ihm nicht eine architektonische Mindest-Qualität erkennen kann. Allerorten werden solche Gebäude gegenwärtig entsorgt, der "postmodernen Sparkasse Pinneberg" wird möglicherweise das gleiche Schicksal zuteil werden. Es sei denn, jemand schafft sich einen originellen Zugang, entschlackt hier, abstrahiert dort ein wenig und schält eine Substanz hervor, mit der man möglicherweise weiterarbeiten kann.

Ohne die Kahlfeldtschen Thesen im Detail zu kennen, kann ich nur zur Frage des "Weiterstrickens" einzelner Gebäude feststellen, dass es da einen deutlichen Shift gegeben hat zwischen den 1990ern und den 2000ern: Wo man früher allzu deutliche Kontraste in Konstruktion, Materialität, Farbe etc. bevorzugt hat, eine zu große Ähnlichkeit zum Bestehenden als unangenehme Vermischung von Alt und Neu empfunden hat, herrscht nun der Ansatz einer größeren ästhetischen Verwandtschaft vor. Das Bedürfnis, Alt und Neu bis in die letzte Ausbauschicht noch klar erkennbar zu trennen, haben Leute wie Carlo Scarpa perfektioniert. Mit diesem Vorbild habe ich noch studiert. Heute hat man kein Problem, an eine historische Backsteinwand ohne visuelle Fuge einfach anzubetonieren.

Wer in den 1990ern einen Altbau aus dem 19. Jh. in ein Tagungszentrum oder eine Fortbildungsakademie umgebaut hat, tat dies mit Stahl, Glas und Aluminium, vorzugsweise mit einer knalligen Akzentfarbe und maximierte so mit recht durchschaubaren und einfachen Mitteln den möglichen ästhetischen Kontrast. Wenn heute alte Industriebauten ergänzt oder modifiziert werden, hat man keine Scheu, den hist. Backstein mit einem neuen, fast gleichfarbigen Stein zu ergänzen; man arbeitet mit eingefärbtem Beton oder Anstrichen, die die Nähe zur hist. Steinfarbe suchen (z.B. HdM / Museum Küppersmühle, Ortner & Ortner / Landesarchiv NRW).

Die Frage des angestrebten ästhetischen Kontrastes betrifft auch neue, in sich geschlossen gestaltete Gebäude: Chipperfield kombiniert z.B. in Marbach Muschelkalk als Natursteinplatten mit Muschelkalk-Zuschlägen im Sichtbeton. Die starke ästhetische Nähe und doch erkennbare Differenz hat mich zunächst irritiert und scheint mir auch heute noch nicht ganz überzeugend. Für mich persönlich kann ich aber schon sagen, dass der allgemeine Trend zu schwächeren Kontrasten im Laufe der letzten Jahre auf mich abgefärbt hat, d.h. dass ich subtilere Kontraste gegenüber allzu plakativen Differenzierungen mittlerweile bevorzuge. Die Frage ist sehr interessant und weitreichend; ich glaube, dass man die ganze Kunstgeschichte einmal unter dem Aspekt wechselnder Kontrast-Ideale beleuchten könnte.

Für die Musik (-geschichte) ist die Frage genauso bedeutsam.

Kohärenz und Kontrast sind m. E. zwei Pole einer weitgespannten Skala. Die Frage ist nicht, ob das eine oder das andere, sondern wo dazwischen. Und dieses Wo ist sehr individuell zu beantworten.

T.

Geändert von Tom (06.10.2013 um 23:39 Uhr). Grund: Ergänzung

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Datum: 07.10.2013
Uhrzeit: 07:55
ID: 51149



AW: Weiterbauen an einer Hütte? #5 (Permalink)
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Deine Ausführungen rufen mir wieder das Bild des Pegels ab:
Bei jeder Bauaufgabe entscheidest du, wie weit Du dich an den Bestand annähern oder abwenden willst. (Deine Skala)
Und das nach Städtebau, Gr, Fassade getrennt

Du nennst mit dem Museum Küppersmühle und Chipperfiels Gebäuden ebenso die Identifikationsstiftenden Bauanlässe, die ich in meiner Frage ausklammere.
-Denn bei einem repräsentativen Bau wie einem Museum ist die Auseinandersetzung mit dem Bestand anders zu führen als bei der Kreissparkasse Pinneberg.

Zum Thema Fügen von Gebäude fällt uns heute allerdings meist nur die gläserne Fuge/Verbindungsgang ein, die Alt und Neubau trennt.
Das 19. Jhd war entschiedener: da wurde z.B. vom Alten ein Stück abgetrennt und das Neue direkt angesetzt (vgl. Rathaus HH und Börse)

Was sind die gelungenen Fügungen von Alt und Neubau unserer Zeitgenossen?

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Datum: 08.10.2013
Uhrzeit: 00:16
ID: 51157



AW: Weiterbauen an einer Hütte? #6 (Permalink)
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Zitat:
Zitat von bezett Beitrag anzeigen
Du nennst mit dem Museum Küppersmühle und Chipperfiels Gebäuden ebenso die Identifikationsstiftenden Bauanlässe, die ich in meiner Frage ausklammere.
-Denn bei einem repräsentativen Bau wie einem Museum ist die Auseinandersetzung mit dem Bestand anders zu führen als bei der Kreissparkasse Pinneberg.
Da sehe ich keinen prinzipiellen Unterschied. Du wirst ja auch Museumbauten finden, an denen nichts mit Gewinn weiterzustricken ist. Ich denke grundsätzlich nicht in Rangordnungen, die sich aus verschiedenen Nutzungen oder Standorten automatisch ergeben. Ausgangspunkt ist eine nüchterne, ergebnisoffene Analyse dessen, was man da vorfindet.

Zitat:
Zum Thema Fügen von Gebäude fällt uns heute allerdings meist nur die gläserne Fuge/Verbindungsgang ein, die Alt und Neubau trennt.
Die gläserne Fuge sehe ich als Stereotyp der 1980/90er Jahre. Die braucht man heute nicht mehr.

Zitat:
Das 19. Jhd war entschiedener: da wurde z.B. vom Alten ein Stück abgetrennt und das Neue direkt angesetzt (vgl. Rathaus HH und Börse).
Ich glaube, wir sind heute wieder so weit.

Zitat:
Was sind die gelungenen Fügungen von Alt und Neubau unserer Zeitgenossen?
Chipperfields Neues Museum gehört sicher zu den sehr wichtigen aktuellen Beispielen zum Thema (meiner Meinung nach auch sehr gelungen). Ein Vergleich mit Scarpa wäre sicher sehr interessant.

Übrigens: Das Landesarchiv NRW von O&O hat mich gar nicht überzeugt. Da fragt man sich, wer da auf welcher Ebene versagt hat, damit man am Ende bei einem knallbunten WDVS mit Baumarktfenstern im Polygonzug landet. Die Architekten können es ja kaum gewesen sein ...

T.

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