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terraplexx: Offline

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terraplexx is on a distinguished road

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Datum: 20.02.2006
Uhrzeit: 00:22
ID: 13957



Als Architekt in Dubai - Ehrensache oder Verletzung der Menschenrechte??

#1 (Permalink)
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Moin,moin

heute habe ich einen interessanten beitrag im radio (WDR5) über "dubai als zukunftslabor" gehört. darin wurde die alltägliche situation der von den scheichs eingekauften indischen arbeitern geschildert.

leben im camp - posten die das camp überwachen - keinen einzigen freien tag in der woche - geringster mindestlohn - korruption - drohungen bei krankheit den lohn zu streichen

da frage ich mich als heranwachsender architekt was meine/unsere kollegen in dieser stadt dazu beitragen, dieses system zu unterstützen. hört man von dt. architekten, welche in dubai tätig sind, so denken nun mal die meisten menschen hier zu lande (und ich auch bis vor einigen tagen) MENSCH!! DER HATS GESCHAFFT, DER BAUT IN DUBAI mehrere tausend kilometer entfernt von hier. ist so was nicht peinlich? oder einfach nur "made in germany"?

Ist es für DICH eine Ehre als Architekt in Dubai arbeiten zu dürfen/können/müssen??? Oder denkst DU nicht auch, dass man die Menschenrechte nicht verletzen darf??


meine meinung hat sich mittlerweile geändert und ich finde es äußerst peinlich aus einem Land zu fliehen, in dem es für einen keine arbeit mehr gibt, um schließlich auf kosten anderer (nämlich der ärmsten der armen) seinen ruhm zu ernten!

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noone: Offline


noone is a jewel in the rough noone is a jewel in the rough noone is a jewel in the rough noone is a jewel in the rough

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Datum: 20.02.2006
Uhrzeit: 08:09
ID: 13959



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schön, dass du Augen für die Ungerechtigkeit und das Elend dieser Welt hast.

Das System der Starken und Schwachen findest du in der Wirtschaft überall, in praktisch allen Billiglohnländern wird unter ähnlichen Umständen gearbeitet. Heist das, dass Architekten nun auch nicht nach China gehen sollten?

Wieso eigentlich immer soweit weg schauen? Auch bei uns in Deutschland gärt es gewaltig. Wie sieht es denn aus mit Firmen, die Ihren Arbeitern nur noch ein Hungerlohn zahlen? sollen wir die als Architekten boykottieren?

Für mich wären auch noch ganz andere Fragen zu diesem Thema relevant:

Viele Architekten, die Aufträge in Arabien oder Asien bekommen, haben Auftrage immensen Ausmaßes. Viele dieser Architekten bauen dann riesige Wohnanlagen ohne jeglichen Sinn für Städtebau. Bauten, die dann menschenunwürdig sind, und einfach nur dazu beitragen, das Bild des Architekten zu schädigen. Siehe Shanghai und von Gerkan.

Ich würde mir überlegen, ob ich als Hure der Reichen in Dubai irgendwelchen Mist für Geld bauen würde, der weder Architektonisch noch Städtebaulich noch Konstruktiv irgendeine Klasse hat. Meist sind die Freiheiten punkto Gestaltung gerade in Arabien doch sehr eingeschränkt.

Frage: würdest du in der USA arbeiten, wo du weisst, dass gerade diese Volkswirtschaft auf Sklavenarbeit in Südostasien, Mexiko oder sonstwo aufgebaut ist? Und mit dem Wissen, dass deren Armeen Unschuldige tötet?

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Tom
 
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Tom: Offline

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Tom is just really nice Tom is just really nice Tom is just really nice Tom is just really nice Tom is just really nice

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Datum: 20.02.2006
Uhrzeit: 11:45
ID: 13965



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Ich finde die Punkte alle richtig; aus pragmatischen Gründen (weil man sonst gar nichts mehr vertreten könnte), sollte man aber den Verantwortungskreis wohl etwas enger ziehen. An Baustellen mit Quasi-Sklavenarbeitern beteiligt zu sein, ist sicher im roten Bereich. Auch finde ich die Praxis in China bemerkenswert, Baufelder rigoros freizuräumen, ohne Mitsprache oder irgendwelche Rechte für die eingesessenen Anwohner. Das gilt für die alten Stadtviertel in den großen Städten, die für Hochhäuser freigemacht werden, und für Bauern auf dem Land, die für riesige Messegelände, Technologieparks, "Autostädte", etc. im wahrsten Sinne das Feld räumen müssen und ihre Existenz verlieren.

Geändert von Tom (20.02.2006 um 17:50 Uhr).

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ehem. Benutzer
 
Registriert seit: 10.08.2004
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Burkhard: Offline


Burkhard is on a distinguished road

Beitrag
Datum: 20.02.2006
Uhrzeit: 13:02
ID: 13967



Re: Als Architekt in Dubai - Ehrensache oder Verletzung der Menschenrechte?? #4 (Permalink)
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Zitat:
Originally posted by terraplexx


meine meinung hat sich mittlerweile geändert und ich finde es äußerst peinlich aus einem Land zu fliehen, in dem es für einen keine arbeit mehr gibt, um schließlich auf kosten anderer (nämlich der ärmsten der armen) seinen ruhm zu ernten!
Manche fliehen nicht, sondern brauchen Arbeit und Ruhm zu ernten ist auch nichts was sich jeder auf die Fahne schreibt. Wenn du Dubai mit den Augen siehst, er hat es geschafft, dann kannst du natürlich von Ruhm sprechen.
Andererseits sollte es durchaus legal sein eine Arbeit anzunehmen - es muß nicht gleich Flucht sein.
Sieh dir die anderen Threads an, die über AIP oder Mindestlöhne handeln.
Da hat noone recht, wenn es hier nicht viel anders ist.

( Man braucht nicht immer den Stacheldraht zu sehen, nur um zu erkennen, das er da ist)

Du unterstützt keineswegs die dortige politische Situation wenn du dort auch arbeitest. -Im Gegenteil du könntst dort sogar noch etwas bewirken.
Ein Embargo nutzt nichts.
( Übrigens arbeitest du auch hier auf Kosten der ärmsten und armen. - nämlich für die Reichen. Du definierst Armut nur unterschiedlich)

Burkhard

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terraplexx: Offline

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terraplexx is on a distinguished road

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Datum: 20.02.2006
Uhrzeit: 15:42
ID: 13977



Re: Re: Als Architekt in Dubai - Ehrensache oder Verletzung der Menschenrechte?? #5 (Permalink)
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Zitat:
Originally posted by Burkhard

( Man braucht nicht immer den Stacheldraht zu sehen, nur um zu erkennen, das er da ist)
[...]
Du unterstützt keineswegs die dortige politische Situation wenn du dort auch arbeitest. -Im Gegenteil du könntst dort sogar noch etwas bewirken.
Burkhard
zum ersten satz muss ich sagen, dass es eine ganze nation gab, die diesen satz in die realität umgesetzt hat. :-(

zweiteres finde ich interessant und teile zur hälfte die zustimmung:
Wer in einem land arbeitet, um den reichen zu noch mehr reichtum und macht zu verhelfen, der unterstützt auf jeden fall die dortige polit. lage.
desweiteren hast du absolut recht, dass es vielmehr gilt, die richtung des geschehens zu lenken, anstatt zu boykottieren. lieber RICHTIG handeln zu versuchen, als garnicht zu handeln!

aber gibt es beispiele für architekten die eurer meinung nach dieser wichtigen aufgabe in den vereinigten arabischen emiraten nachgehen?
hab mich da noch nicht so umgehört bzw. interessiert.

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noone: Offline


noone is a jewel in the rough noone is a jewel in the rough noone is a jewel in the rough noone is a jewel in the rough

Beitrag
Datum: 20.02.2006
Uhrzeit: 17:21
ID: 13982



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Wollte nochmals ansprechen, dass wir uns hüten sollten, von unserem hohen Stuhl der Europäer hier vorschnell andere Länder abzuurteilen, bzw. gleich versuchen, denen unsere Sehensweise aufzudrängen.

Hier in Europa gibt es auch Auffanglager mit Stacheldraht für Immigranten, wollte unser Herr Ex-Anwalt der linken Szene Otto Schily doch sogar diese in Nordafrika vorsehen, weit weg aus unserem Sichtfeld, dass unsere so kultivierten Äuglein nicht leiden müssen......

Bevor wir versuchen, andere Kulturen aus unseren Blickwinkeln abzuurteilen, täten wir besser daran, diese zu verstehen und vielleicht von ihnen zu lernen. Was bringt es uns, nach Dubai zu gehen und irgendwas zu entwerfen, wenn wir noch nicht einmal die Arabisch-Islamische Gesellschaft begreifen?

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